Diese 3 Zukunftstrends für den Journalismus solltest du nicht verpassen

Augmented Reality und Storytelling auf dem Lockscreen — Sam Williams von Quartz und Martin Hoffmann, Gründer der App RESI, berichteten auf den Medientagen München von Trends, die uns in Zukunft vielleicht überall begegnen. Kaleida lieferte spannende Daten dazu.

Von Katharina Mau

Augmented Reality in der Quartz App

Sam Williams probiert gerne aus. Der Director of the Workshop bei Quartz hat mit seinem Team nicht nur die außergewöhnliche Quartz App entwickelt, sondern diese auch noch mit Augmented Reality versehen. Die App sollte keine Kopie der Webseite sein, deshalb ist wie ein Messenger aufgebaut. Und Augmented Reality? “Wir dachten, das wäre doch eine coole Sache”, sagt Williams.

Anfangs experimentierten sie mit Tabellen in 3D. Das habe aber keinen Mehrwert gebracht — das 3D-Modell eines Raumschiffes hingegen schon. “Dinge, die man im echten Leben nicht so einfach sehen kann, funktionieren gut in AR”, sagt Williams. Auf Twitter zeigen Nutzer, wie sie sich das Raumschiff ins eigene Arbeitszimmer projezieren oder die Berliner Mauer auf den Küchentisch.

So gehen Pushnachrichten auf dem Lockscreen richtig

Martin Hoffmann kam zur gleichen Zeit wie Quartz auf die Messenger-Idee und gründete die deutsche Nachrichtenapp RESI. Er beschäftigt sich seither auch viel mit Storytelling auf dem Lockscreen. Das ist knifflig. “71 Prozent der Deinstallationen von Apps werden durch Push-Mitteilungen ausgelöst”, sagt Hoffmann. Denn zu viele unbedeutende Nachrichten auf dem Lockscreen nerven die Nutzer. Lösen könne man das, indem man Push-Mitteilungen personalisiere und individualisiere. Ein Positivbeispiel: Seine Fitness-App habe Hoffmann kürzlich nach dem Joggen eine Mitteilung mit verschiedenen After-Workout-Snacks geschickt. Und ihn dabei direkt mit seinem Vornamen angesprochen.

Außerdem muss der Nutzer auswählen können, wie oft er Push-Mitteilungen bekommen möchte, wie etwa bei der Quartz App. Hier kann man auch einen Donald Trump Snooze einstellen, um keine Mitteilungen über den Präsidenten zu bekommen. Bei der App der Süddeutschen Zeitung gibt es die Möglichkeiten, sich später noch einmal erinnern zu lassen, wenn man gerade keine Zeit hat, den Artikel zu lesen.

Hoffmann hat noch nicht auf alles Antworten, dafür Fragen, die sich die Verlage stellen sollten. Wie muss Storytelling auf dem Lockscreen aussehen, um die Nutzer nicht zu verlieren? Wie misst man den Erfolg? Muss der Nutzer die Mitteilung öffnen, oder reicht es vielen auch, die kurze Nachricht zu sehen? Gibt es eine Push-Filterblase? Auf dem Twitterkanal Push the push nähert sich Hoffmann zusammen mit der Journalistin Theresa Rentsch diesen Fragen an.

Ein Algorithmus, der Aufmerksamkeit über mehr als Reichweite definiert

Antworten auf andere Fragen gibt Matt McAlister von Kaleida. McAlister hat das Unternehmen mit Kollegen aus dem Guardian ausgegründet, seit einem Jahr tracken sie die Inhalte von etwa 30 Verlagen in den USA und UK. Um zu wissen, ob ein Artikel funktioniert, müsse man sich mehr als die reine Reichweite anschauen. Ein Trend, der sich abzeichnet: Nachrichtenartikel bekommen auf Facebook immer weniger Engagement. Sie werden weniger geteilt, geliked, kommentiert. “Verlage müssen härter daran arbeiten, die Verbindung zu ihrem Publikum auf ihre eigene Art und Weise herzustellen”, sagt McAlister.

Kaleida kann nicht voraussagen, wie gut ein Artikel in den Sozialen Netzwerken performen wird. Das Unternehmen kann mithilfe seiner Daten aber Themen voraussehen, die dem Publikum wichtig sein werden. Verlage dürfen sich nicht nur darauf konzentrieren, was sie selbst für berichtenswert halten. Sie müssen auch darauf achten, welche Themen die Leser beschäftigen.


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