It’s about diversity, stupid!

Vielfalt im Newsroom kann mehr Nutzer und Reichweite bringen — der Saal ist beim Diversity-Panel auf den Medientagen München aber gähnend leer. Das zeigt, wie wenig die Branche bereit ist, sich das auch nur anzuhören.

Von Theresa Hein
Zuzanna Ziomecka is building up Newsmavens — a website with news curated by women.

Isa Sonnenfeld ist nicht überrascht, dass ihr Vortrag nicht gut besucht ist: Diversität habe ein schlechtes Image, sagt sie. Trotzdem ist kaum etwas wichtiger als die Vielfalt im Newskosmos, die sie “Diversity” nennt: “Sie hat massiv Einfluss darauf, wie wir Nachrichten wahrnehmen und verarbeiten.” Das Google News Lab will deswegen mit Journalisten zusammenarbeiten, und mit ihnen herausstellen, wie man am besten und mithilfe von maschinellem Lernen Einseitigkeiten und Tendenzen aufspüren und verhindern kann.

Der wichtigste Faktor für das Aufnehmen von Nachrichten, so Sonnenfeld, sind unbewusste Vorurteile. Für mehr Chancengleichheit muss man diese aber vermeiden und: Mehr Chancengleichheit führt auch zu den bestmöglichen Entscheidungen im Newsroom. Denn je vielfältiger die Zusammensetzung eines Newsrooms, desto hochwertiger der Pool der Kreativität, aus dem man schöpfen kann.

Um dies zu erreichen will Google maschinelles Lernen auf Nachrichtenvorgänge übertragen — welche Worte, Bilder, Geräusche triggern emotionalen Reaktione und rufen wiederum bestimmte Denkmuster hervor? Damit sollen verschiedene Muster, die zu Vorurteilen und Einseitigkeit führen, aufgedeckt werden. Diese Daten sollen dann Grundlage von Journalistentrainings werden.

Zuzanna Ziomecka bestätigt in ihrem Vortrag die Bedeutung von Vielfalt im Newsroom und wählt der Anschaulichkeit halber das bekannteste Beispiel von Diversität: Gender.

Nur 27% der Menschen, die in europäischen Newsrooms für die Entscheidungen zuständig sind, sind Frauen, klagt Ziomecka an. Die Entscheidungen, welche Geschichten es auf die Titelseite schaffen, werden hauptsächlich von Männern getroffen.

Die Lösung sieht sie nicht darin, eine bestimmte Frau zu einer Managerin zu machen und es dann wieder gut sein zu lassen — es muss ich etwas im Bewusstsein verändern, da stimmt Ziomecka Sonnenfeld zu. 30 Prozent sind eine gute Marke, sagt sie, wenn wir es schaffen, die zu erfüllen, klettern die Zahlen von selbst auf 50 Prozent. Ziomecka macht deutlich, dass es ihr nicht darum geht, Männer aus dem Newsroom zu verbannen. Aber auch sie will den größtmöglichen kreativen Pool.

Als ein Experiment hat sie Newsmavens.com geschaffen — eine Seite, auf der die Geschichten nur von Frauen kuratiert werden. Dabei will sie vor allem lernen, ob sich so ein anderes Bild von Nachrichten ergibt. Ziomecka arbeitet dafür mit Medienhäusern als Partner zusammen, aus fast allen europäischen Ländern sind schon welche dabei — außer Deutschland.

In der Fragerunde am Schluss bringt Ziomecka folgendes Beispiel: Wenn man einen Reporter und eine Reporterin unabhängig voneinander Nachts in dunkle Gassen schicken würde, kämen komplett gegensätzliche Geschichten dabei heraus.

Tiefer eintauchen? Das ist die Präsentation von Zuzanna Ziomecka:


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