Mit Coaching zum Erfolg: Auch ein Steve Jobs braucht Sparringspartner

Ein Startup auf den Weg zu bringen ist schwer — die richtigen Tourguides machen es leichter

Teilnehmer eines Coachings im Media Lab

Vor kurzem startete die Bewerbungsphase für das fünfte Media Startup Fellowship im Media Lab Bayern. Noch bis zum 15. Dezember 2018 können sich Startups bewerben, um von uns mit 50.000 Euro, Infrastruktur und zielgerichteten Coachings zu allen Startup-Themen gefördert zu werden.

Gerade der letzte Punkt leuchtet vielen Startups auf den ersten Blick nicht ein. Klar, Geld ist super, Büroräume und eine leistungsstarke Kaffeemaschine auch — aber warum genau soll ein Coach in “unsere” Weltidee reinreden?

Die Startups aus den bisherigen Batches des Media Lab haben dann doch sehr gute Erfahrungen mit unseren Coachings gemacht. Und auch wir glauben, dass jede Idee besser wird durch fachkundiges Feedback von außen. Warum genau Coaching nicht nur, aber auch für Gründer im Medienbereich wichtig und spannend ist, haben wir Dennis Fischer gefragt, einen unserer Startup-Coaches.

Steve Jobs, Bill Gates, Elon Musk — die alle haben ihre Startups auch ohne Coaches zum Erfolg geführt. Braucht man euch überhaupt?

Das stimmt so nicht. Auch Gates und Jobs hatten Mentoren, die sie in ihrem Leben entscheidend geprägt haben. Bei Steve Jobs war das zum Beispiel Bill Campbell. Ein Coach ist ja erstmal nichts anderes als ein externer Sparringspartner, der dir gnadenlos den Spiegel vorhält, dir Fragen stellt, die du dir selbst vermutlich nie stellen würdest und dir damit hilft, Sackgassen und Umwege zu vermeiden.

Einen Coach oder Mentor muss man sich wie einen Bergführer vorstellen: Er weiß, auf welchen Gipfel du willst, und kann dir vielleicht ein paar Abkürzungen verraten oder dir über Hindernisse helfen. Gehen muss man trotzdem alleine!

Na gut, externes Wissen, “Abkürzungen”, alles wichtig. Aber die Bücherregale sind voll mit Business-Ratgebern. Warum also zum Coaching und nicht in die Bibliothek?

Bücher haben das Problem, dass man damit in seinem stillen Kämmerlein sitzt, vielleicht manchmal nickt, aber die meisten die meisten das dann doch nicht praktisch umsetzen. Außerdem dauert es lange, sich ein umfangreiches Wissen anzulesen. Die meisten Gründer haben keine Zeit für sowas. Ein Coach kennt nicht nur den Inhalt der Bücher und kann Einschätzen, welche etwas taugen, sondern hat die Erkenntnisse daraus auch schon praktisch angewandt. Er kann auch in einer kurzen Session die richtigen Fragen stellen und dir bei der Umsetzung helfen. Und dann hilft er dir auch noch, deine Prioritäten zu hinterfragen und unnötige Arbeit zu vermeiden. Gerade für Gründer ist das also ein wertvolles Investment in die eigene Zeit.

Woher habt ihr Coaches denn euer Wissen?

Ich kann da natürlich nur für mich sprechen, aber ich habe in mehreren Startups in Berlin und München eigene Startup-Erfahrung gesammelt und zusätzlich eine Design-Thinking-Ausbildung an der Hochschule München absolviert. Das wichtigste für die Arbeit als Coach ist aber natürlich: Die Coaching-Erfahrung, die man aus hunderten Coaching-Stunden mit Startups aus verschiedenen Branchen mitnimmt.

Angenommen, mein Startup entscheidet sich für ein Coaching. Woran erkenne ich einen guten Gründerworkshop?

Erstens sollte er nicht zu kurz sein: Eine Stunde ist für einen grundlegenden Workshop einfach zu wenig. Wenn man die Methodik nicht nur in der Theorie lernen, sondern auch in der Praxis anwenden will, braucht man mindestens zwei Tage.
Zweitens sollte man nicht nur im eigenen Saft schmoren: Ein guter Gründerworkshop ist interdisziplinär und bringt Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen zusammen. Das kann die Ergebnisse eines Workshops maßgeblich beeinflussen.
Und drittens ist auch der Preis wichtig. Ich gehe selbst regelmäßig zu Fortbildungen und Workshops und werde immer skeptisch, wenn der Kurs zu günstig ist. Das heißt normalerweise: Es ist eine reine Werbeveranstaltung, oder der Anbieter ist noch nicht gut genug. Außerdem sprechen höhere Preise dafür, dass dort wirklich nur Teilnehmer sitzen, die hochmotiviert sind. Qualität hat auch beim Coaching ihren Preis.

Beim Media Lab versuchen wir ja vor allem, Journalisten zu Gründern zu machen. Was kannst du als Gründungscoach besonders Journalisten beibringen?

Journalisten sind sehr gute Interviewer — das ist gerade beim Design Thinking super wichtig, weil es da ja darum geht, immer wieder Erkenntnisse von Nutzern abzufragen. Gleichzeitig machen sich zu viele Journalisten die Illusion, dass die ganze Welt nur auf ihre Artikel gewartet hat — die Leser etwas mehr einzubeziehen könnte bei einigen definitiv nicht schaden. Auch mehr Blicke über den Tellerrand wären wichtig. Gerade in Punkto Digitalisierung könnten Journalisten von anderen Branchen viel lernen. Dabei können wir als Coaches unterstützen, indem wir unsere Erfahrungen aus der Arbeit mit vielen ganz unterschiedlichen Startups weitergeben.

Vor welchen Problemen stehen Gründer im Medienbereich, die sich tatsächlich für eine Gründung entschieden haben?

Die meisten wollen ihre Geschäftsmodelle immer noch über Werbung finanzieren — nur weil sich Journalismus in den letzten Jahrzehnten über Werbung finanziert hat, heißt es nicht, dass das so bleiben muss. Wenn Kunden direkt für ein Produkt bezahlen ist das nicht nur eine Bestätigung für die Qualität des Produktes, sondern auch der Schlüssel zu einer nachhaltigen Finanzierung. Generell haben aber gerade Journalisten ihre Umsätze oft zu wenig im Auge.

Was ist dein ultimativer Startup-Tipp?

Da habe ich zwei, der wichtigste: Machen, machen, machen! Nicht zu viel nachdenken, sondern einfach mal loslegen. Außerdem sollte sich jeder Steve Jobs seinen Bill Campbell suchen — einen Mentor, der schon da ist, wo man selbst hin will. Allein schon, um nicht die gleichen Fehler wie ein Vorgänger zu begehen.