So bauen digital-only Medien ihre Communites auf

Wenn es um den Kontakt zu den Nutzern geht, sind Medien-Startups den bisherigen Anbietern weit überlegen. Auf den Medientagen München stellten De Correspondent, Zetland und Hearken ihre Strategien vor, wie sie Nutzer an sich binden.

Von Theresa Hein

De Correspondent: Erfolgsbeispiel aus den Niederlanden

Die Vision von Rob Wijnberg, Verleger, Philosoph und Gründer von De Correspondent, enthält einen ganz entscheidenden Punkt: “Das System der Breaking News erlaubt den Menschen nicht, nachzuvollziehen, was gerade wirklich passiert”. Mayke Blok, Head of Growth bei der News-Seite, stellte im Digital Media Track auf den Medientagen München die Erfolge vor, die De Correspondent mittlerweile feiert. Die Seite ist werbefrei und kommt auf 58.000 Abonnenten.

Das wesentliche Instrument zur Leserbindung, so Blok, sei Lesereinbindung: “Wir versuchen unsere Leser zu verpflichten, wo es geht”. Die Kommentarspalte der Plattform heißt deswegen “Mitgliedsbeiträge”. Die Mitglieder sollen nicht nur ihre Meinung zu einem Artikel äußern, sondern sich konstruktiv daran beteiligen. Sie können sich selbst als “Experten” ausweisen, wenn sie auf dem Gebiet über ein fundiertes Wissen verfügen. Diese “Experten” werden von der Redaktion überprüft und wiederum für neue Recherchen und Geschichten zu Rate gezogen.

Hearken: Community as a Service

Noch weiter mit der Leserbeteiligung geht Summer Fields, die das Startup Hearken aus den USA vertritt. Hearken bietet Community sozusagen als einen Service an und hat verschiedene Tools für Medienhäuser, mit denen die Leser vom Pitch bis zur Veröffentlichung aktiv an den Geschichten teilhaben können. “Es ist essentiell, dass wir unser Publikum von vorneherein an unserer Arbeit beteiligen — und es fragen, was es hören will.”

In mehreren Schritten, ausgehend von der Recherchefrage, über die ebenfalls die Leser abstimmen, haben die Abonnenten die Möglichkeit, die Stoßrichtung der Geschichte zu beeinflussen. Sie können äußern, wer befragt werden soll, welche Recherchestationen es geben soll, und im Extremfall sogar bei der Recherche dabei sein. Die Botschaft von Fields ist eindeutig: In Zeiten des Medienmisstrauens müssen Journalisten das tun, was ihnen häufig schwerfällt: Zuhören.

Leserbeteiligung als Kultur bei Zetland

Diesen Ansatz unterstützt auch Jakob Moll, Gründer der dänischen Website “Zetland”. Er sagt allerdings, dass es sich nur lohnt, einer Community Fragen zu stellen, wenn die Fragensteller, also die Journalisten, auch damit umgehen können. “Zetland” funktioniert nach einem ganz ähnlichen Prinzip wie “De Correspondent”, auch hier sind die Abonnenten eher aktive Mitglieder als passives Publikum.

Moll ist nach eigenen Worten ein großer Freund von radikaler Transparenz. Neben den zwei bis drei Texten, die die Onlinezeitung jeden Tag veröffentlicht, berichten die Reporter darüber, woran sie gerade arbeiten und wie die Arbeit abläuft. “Zetland” bemüht sich außerdem um Liveshows, zu denen die Leser kommen können, bei denen gelesen und diskutiert wird. Auch Zetland misst der Kommentarfunktion erhebliche Bedeutung bei: “Leserbeteiligung ist Kultur, keine Strategie”, erklärt Moll.

Tiefer einsteigen? Hier sind alle Präsentationen der Speaker:


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