Social Plattformen — birgt Facebook zu viel Risiko?

Die Skepsis der Medienmacher gegenüber Plattformen steigt schon länger, gerade wieder angeheizt durch die Nachricht eines geteilten Newsfeeds auf Facebook. Auf den Medientagen München warnte Mathew Ingram vor einem faustischen Pakt und Spiegel Online und The Economist erzählten von ihren Strategien.

Von Katharina Mau

Mathew Ingram auf den Medientagen München 2017.

Mathew Ingram verteufelt Facebook nicht. Doch der Journalist aus Toronto warnt Medienhäuser davor, sich zu sehr auf die Plattform zu verlassen. Facebook konzentriere sich in erster Linie auf die Nutzer, nicht auf die Medien. Sollte der Konzern beispielsweise den traditionellen Newsfeed abschaffen wollen und dort nur noch Posts von Freunden und Werbung anzeigen, kann er das tun. “Die Macht liegt allein bei Facebook”, sagt Ingram.

Mathew Ingram im Interview mit Michael Praetorius.

Auch in der jetzigen Form bringt Facebook zwar Reichweite, stärkt aber nicht zwingend die Marke der Medien. “Die Hälfte der Menschen, die die Medien über Facebook erreichen, erinnern sich nicht an den Namen der Publikation”, sagt Ingram.

Einer der natürlich die Bedeutung von Facebook für Medien betont, ist Guido Bülow — von Facebook. Mit dem Facebook Journalism Project will das Unternehmen stärker mit Medien zusammenarbeiten. Konkret heißt das zum Beispiel Buttons auf den Facebook-Seiten einzubauen, über die sich Nutzer in einen Newsletter eintragen können oder ein Abo abschließen.

Aber Facebook möchte auch den Nutzern zusätzliche Informationen zu den Medien liefern und Artikel zu ähnlichen Themen vorschlagen. Das könnte die Sichtbarkeit der Medien erhöhen, die hinter den Texten stehen.

Für Spiegel Online ist Facebook der wichtigste Partner unter den Social Media Plattformen. “Wir erzeugen hier die meiste Reichweite”, sagt Torsten Beeck, Head of Social Media bei Spiegel Online. Das Nachrichtenmagazin war aber auch unter den ersten in Deutschland, die bei Snapchat Discover auftauchten. “Wir wussten nicht, ob Snapchat überhaupt zu unserer Marke passt”, sagt Beeck. “Aber wir haben festgestellt: Selbst harte Geschichten funktionieren auf Snapchat, wenn sie gut aufbereitet sind.”

“Man muss den Regeln der Plattform folgen, um Nutzer zu erreichen” — Torsten Beeck

Der The Economist setzt auf eine größere Vielfalt an Social Media Plattformen. Das Magazin spielt Inhalte etwa über die Messenger App Line oder die Blogging-Plattform Medium.com aus. Über zwei Jahre hinweg hat der Verlag seine Social-Media-Strategie entwickelt. “Wir wollen loyale Follower in loyale Abonnenten verwandeln”, sagt Sunnie Huang, die für den Newsletter des Economist zuständig ist. “Newsletter helfen den Redaktionen, eine direkte Verbindung zu ihrem Publikum aufzubauen und aufrecht zu erhalten.”

Gemeinsame Richtung der Verlage ist es, die Social Media-Plattformen, die sie nutzen, zu diversifizieren. Auf Facebook alleine möchte sich heute niemand mehr verlassen.

Sunnie Huang erzählt über ihren Job als Newsletter Editor und wie der Economist seine Strategie geändert hat.
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