Strategie für Innovation im Newsroom? Nicht fragen, sondern machen!

Medien, die innovativ sein wollen, brauchen kreative Leute — und die brauchen Freiraum in jeder Hinsicht. Quartz, die Rheinische Post und Sam Ford von Fusion haben auf den Medientagen München über ihre Innovationsstrategien im Newsroom gesprochen.

Von Bernd Oswald

Es gibt sie durchaus, die Beispiele für journalistische Innovation made in Germany. Zum Beispiel das Listening Center der Rheinischen Post in Düsseldorf. Sechs Redakteure graben jeden Morgen hyperlokale Themen aus und geben sie an die Lokalredakteure weiter. „Im digitalen Zeitalter geht es darum, den Leuten zuzuhören. Die Zeiten, in denen Medien die Nachrichten gepredigt haben, sind vorbei.“, sagt Daniel Fiene, der bei der Rheinischen Post für das Thema Innovation zuständig ist. Mit dem Listening Center hat er es geschafft, nicht nur ein Projekt, sondern eine neue Kultur im Newsroom zu etablieren. Die Zukunft des Journalismus sieht auch er im Community Building.

Der amerikanische Medienberater Sam Ford hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er hat bei Fusion am Projekt “slow innovation” gearbeitet und Strategien entwickelt, wie man sich um Innovationen kümmert, die erst in zwei oder drei Jahren relevant werden. Oder ohnehin auf der Prioriätenliste nur auf Platz 6 stehen. Er sieht eine der wichtigsten Aufgabe des Community-Building darin, unterrepräsentierten Gruppen Gehör zu verschaffen. Und das geht nur, wenn die Journalisten selbst gut zuhören. Oder wie Ford es formuliert: “Hearing isn’t listening.“ Journalisten müssten tiefer graben, um die Äußerungen der Nutzer in ihrem kulturellen Zusammenhang zu sehen.

Wie aber entstehen neue Ideen am besten? Welche Rahmenbedingungen sind dafür notwendig? Auf kleine Innovationsteams („nicht mehr Leute, als man mit zwei Pizzas füttern kann“) können sich alle drei Speaker verständigen. Und natürlich sollte der Arbeitsplatz Kreativität fördern: Sam Williams setzt beim US-Startup Quartz auf verschiedene Räume: Der Mix aus Cafeteria, Bibliothek oder dem hölzernen Workshop, in dem die Kollegen auch mal am 3D-Drucker herumspielen können. In dieser Umgebung experimentieren die Quartz-Redakteure und Programmierer dann mit Bitcoin-Mining, Augmented-Reality-Inhalten oder Machine Learning. Die meisten Innovationen hat das Team bei Quartz übrigens erfunden, weil sie selbst dachten, es wäre lustig und es selbst gern haben wollten. Ein Marktinteresse stand nur selten gleich am Anfang.

Dritter Erfolgsfaktor für die Innovation im Newsroom ist die Mentalität, sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Chefs: Sam Ford empfiehlt Redaktionen, vor allem Leute einzustellen, die kreativ ticken. Ohne die geht es nicht, findet auch Daniel Fiene. Darüber hinaus brauche es aber auch einen Chef, der Innovationen unterstützt. So wie Michael Bröcker bei der Rheinischen Post einer ist. Der gelernte Radiomacher Fiene hat seinen Chefredakteur zum Podcasten gebracht: Jeden Freitag unterhalten sich die beiden in “Fiene & Herr Bröcker” über die Themen der Woche. Was aber noch lange nicht heißt, dass man den Chef bei jedem Experiment fragen sollte. „Don’t ask, just do it!“ ist daher sein Ratschlag für mehr Innovation in den Medien.

Tiefer eintauchen? Das ist die Präsentation von Sam Ford:


Dir hat der Artikel gefallen? Give us a 👏!

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.