Wofür zahlen Leser im Journalismus? 3 Case Studies aus den USA und Deutschland

Revenue in den digitalen Medien ist der heilige Gral. Laterpay, Scroll und Xing News Plus bieten neue Bezahlsysteme an. Auf den Medientagen München haben sie von ihren ersten Learnings erzählt.

Von Katharina Mau

Laterpay — Case Study mit dem Spiegel

Wofür zahlen Nutzer? Cosmin Ene sammelt mit Laterpay seit einigen Jahren Erfahrung darin. “Nutzer zahlen für Inhalte, für Qualität und für Komfort”, sagt der Gründer von Laterpay heute. Bei dem Punkt Komfort setzt sein Unternehmen an. Es hat eine Infrastruktur geschaffen, die es Nutzern ermöglicht, mit einem Klick zum Artikel zu kommen — und später zu zahlen, sobald man 5 Euro ausgegeben hat.

Der Spiegel war einer der bislang größten Kunden. Viel wurde darüber debattiert, ob das System für das Verlagshaus funktioniert oder nicht. Die Daten zeigen nun, dass viele Leser bereit sind, für Artikel zu zahlen. Fast 76 Prozent der Laterpay-Nutzer registrieren sich, wenn sie die 5 Euro-Marke erreicht haben, und zahlen. Bei Spiegel Online haben 29 Prozent der Leser die 5 Euro Marke sogar schon mehrmals erreicht.

Doch warum zeigen sich nicht mehr Medienhäuser offen für solche Lösungen? Ene sieht hier einen Mentalitätsunterschied zwischen den USA und Deutschland. Die Deutschen seien deutlich pessimistischer. Die US-Amerikaner würden mehr ausprobieren. “Wenn es nicht funktioniert, dann steigen sie eben wieder aus”. Deutsche Verlage schielten zu stark in die USA, um zu sehen, was sich dort bewährt, anstatt selbst unterschiedliche Möglichkeiten zu testen.

Scroll: Adblocker gegen Gebühr

An einem Aboformat mit verschiedenen Medienanbietern arbeitet Tony Haile von Scroll. Wer ein Scroll-Abo abgeschlossen hat und auf den Link eines Mediums klickt, das Partner von Scroll ist, sieht der Nutzer den Inhalt komplett ohne Werbung. Damit soll Scroll die Alternative zu AdBlockern werden, die viele nutzen, um sich vor Werbung zu schützen. Vorteile: “Keine geblockten Seiten mehr, kein schlechtes Gewissen”, sagt Haile.

Das Abo soll im Monat knapp 5 Dollar kosten. Das sei ein Preis, den die meisten zu zahlen bereit seien — ausgenommen derer, die weniger als 38 000 Dollar im Jahr verdienen oder älter als 65 Jahre sind. Die größte Herausforderung sei momentan, eine kritische Masse an Verlagen für die Idee zu gewinnen.

Xing News Plus: Pay-Inhalte auf der Jobplattform

Von ähnlichen Schwierigkeiten spricht auch Thomas Schmidt-Broer von Xing. Mit Xing News Plus hat das Unternehmen eine Plattform für bezahlte Inhalte gestartet. Nutzer registrieren sich anfangs und können einzelne Artikel oder einen 30-Tages-Pass für einzelne Medien kaufen. Beim ersten Treffen seien die Verlage immer interessiert, sagt Schmidt-Broer. “Wenn es darum geht, Verträge abzuschließen, zögern sie aber, auch weil die Plattform noch in der Beta-Phase ist.”

Doch auch Schmidt-Broer kann aus ersten Tests schon Zahlen nennen. 90 Prozent der Verkäufe kommen aus dem E-Mail-Newsletter. Dort gibt es kostenlose Inhalte zusammen mit Verweisen auf Artikel, für die man bezahlen muss. 70 Prozent der News Plus-Nutzer sind Basic-Nutzer bei Xing, im Gegensatz zu Premium-Nutzern. Sie zahlen also nichts für die Netzwerk-Plattform, sind aber bereit für einzelne Artikel zu zahlen.

Sogar Artikel für knapp 10 Euro verkaufen sich, beispielsweise von der Zeit Akademie. “Die Nutzer fragen sich: Was habe ich davon?”, sagt Schmidt-Broer. “Bilde ich mich weiter, sind die Infos wichtig für meine Karriere, verpasse ich etwas, wenn ich sie nicht bekomme?” Es gehe also stärker um die Relevanz, die ein einzelner Artikel für den Leser hat.

Tiefer einsteigen? Das sind alle Präsentationen der Speaker


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