
XING, es reicht! Ich mach’ schluss.
Wie ich mit Hoffnung reinging und mit leeren Taschen rauskam.
Erfolgreich im Business: Wichtig. Ob selbstständig oder angestellt. Der soziale Druck wächst stetig. Ich muss die richtigen Leute kennen und ich muss zeigen, dass ich mit ihnen im Kontakt stehe.
Ich brauch neue Kunden, neue Inspirationen, neue Möglichkeiten für meine Karriere. Xing? Da tummeln sich doch alle, die geschäftlich was machen, oder? Das Facebook der Firmen und deren Chefs. Nicht für Pille Palle, sondern für echte Geschäfte.
Schnell anmelden. Ging ja fix. Aufbau, Design? Gefällt mir — sieht innovativ aus. Gleich mal schauen, ob der Chef der Firma, die ich als Kunden haben will, auch bei Xing ist… ja, perfekt. Schnell anschreiben und vorstellen… Mist, kein Premium Zugang.
Nur 7,95€ im Monat? Das ist überschaubar. Falls ich nur alle zwei Monate einen neuen Kunden generiere, dann lohnt sich die Mitgliedschaft ja doppelt und dreifach, rechtfertige ich mich vor mir selbst.
Die Visa schnell gezückt und zack bin ich im elitären Kreis der Premium-Nutzer. Jetzt kann ich auch loslegen und all die interessanten Kontakte knüpfen, die mich erfolgreich machen, die mich reich machen, die mir ein besseres Leben bringen.
Die Nachricht an den ersten potenziellen Kunden ist raus geschickt — jetzt Daumen drücken, hoffen & abwarten.
In der Zwischenzeit mal gucken, was Xing noch so kann.
Jobs? Ganz nett. Gruppen? Super, da kann ich mich Gleichgesinnten austauschen. Events? Auch nett, aber wofür?
DA!!! Eine Nachricht. “Lieber Gott, lass es den Kunde sein.” Erwartungsvoll gehe ich in meinen Posteingang. Leider nein. Eine Nachricht von jemanden, den ich nicht kenne. Jemand, der mir in einem verdammt langem Text hässlich versucht zu erklären, warum er mich hinzufügen will und wir in Kontakt treten sollten. Kurz mal sein Profil anschauen: Klingt nicht verkehrt. 999+ Kontakte? WTF? Dass die Freundesliste bei SchülerVZ und Facebook bei pubertären Teenagern als eine Art Schwanzvergleich genutzt wurde — ok. Aber sollen wir hier nicht seriös sein? Und was bietet er so an, was kann er so? Aha, alles und nichts.
DA!!! Noch eine Neuigkeit!
Eine Eventeinladung. “Networkabend im Gasthof zum Esel”.
Mal schauen wer da teilnimmt. Ah, interessant. Zahlreiche 999+er mit einem Portfolio, welches die Expertise von allen NSA-Mitarbeitern um längen übertrifft.
Danke, nein.
Vielleicht verstehe ich es einfach noch nicht. Erstmal Pause — schau ich in ein paar Tagen einfach noch mal rein.
…
Mal sehen, was es so neues gibt.
264 EVENTEINLADUNGEN???
“Doppelkopf-Abend”, “Kino-Abend”, “Webinar: Im Handunmdrehen zu neuen Kunden” — bin ich hier im falschen Film?
Binnen Sekunden habe ich die Lust an etwas verloren. Rekord.
Schnell raus hier.
Puh, geschafft.
Die ständigen Mails der Event-Einladungen und 999+er-Flirts lösche ich vollautomatisch.
…
Ah die Kreditkartenabrechnung. Kurzer Check: Hm, nichts ungewöhnliches.
Moment, Xing? Knapp 100€ im Jahr? Für was?
Auf keinen Fall — erneuter Rekord: So schnell habe ich noch nie eine Leistung gekündigt.
Liebes Xing, ein Stück weit hat mich die Gier zu Dir getrieben. Du hast sie aber nicht befriedigen können. Im Gegenteil, Du und Deine 999+er haben mir weder Mehrwert noch Nutzen geschaffen. Wenn Du Dich einmal ändern solltest, ruf mich an, oder lad mich zu einem Event ein. Meinen kostenlosen Account habe ich nämlich noch…
…sicherheitshalber, für all die interessanten Kontakte , die mich erfolgreich machen, die mich reich machen, die mir ein besseres Leben bringen könnten.