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Sep 20 · 3 min read

Über rückläufige Auflagenzahlen und alternative Bezahlmodelle

Alina Schneider, detektor.fm

„Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende“. Das meint zumindest Karl-Heinz Ruche, Geschäftsführer der taz. In einem internen Schreiben an die Mitarbeitenden der Zeitung aus dem Jahr 2018 reagiert er damit auf die massiv rückläufigen Verkaufszahlen im Printbereich.

Wie weitermachen in einer Branche, die von Printsterben und Sparzwang gekennzeichnet ist? Welche alternativen Finanzierungsmodelle sind im digitalen Zeitalter vorstellbar, und wie kann qualitativ hochwertiger Journalismus auch in Zukunft garantiert werden? Karl-Heinz Ruche ist einer von vier Speakern, die am zweiten Tag der Medientage Mitteldeutschland in der Spinnerei über diese Fragen diskutieren. Unter dem Titel „Wie können Inhalte künftig finanziert werden? Neue digitale Geschäftsmodelle und alternative Bezahlungsstrategien“ debattiert er zusammen mit Philipp Schwörbel von Steady, Clara Vuillemin vom Schweizer Online-Magazin Republik und Unternehmensberater Nico Aprile über neuartige Finanzierungsmodelle von digitalem Journalismus.

Letzterer präsentiert den Zuhörenden in einem kurzen „Ignite Talk“ seine Businessidee einer so genannten Mikro-Monetarisierung von Audioangeboten. Dabei gehe es um guten, vielseitig einsetzbaren und monetarisierten Content. Karl-Heinz Ruche hingegen sieht eine Möglichkeit der alternativen Finanzierbarkeit in der genossenschaftlichen Organisation, wie sie auch aktuell schon bei der taz umgesetzt wird. Dabei werden aus den Leserinnen und Lesern Teilhaberinnen und Teilhaber. Bereits bei der Gründung der Zeitung im Jahr 1978 war das eine vormoderne Finanzierungmöglichkeit. „Die taz war sowas wie ein Crowdfunding-Angebot, obwohl es das Internet damals noch gar nicht gab“, so Ruche. Heute versucht die taz mit einer weichen Paywall und dem Projekt „taz-zahl-ich“ für eine zahlende Leserschaft zu werben.

Ein täglicher Kampf

Auf ein ähnlich geartetes Finanzierungsmodell setzt auch das Schweizer Online-Magazin Republik. Republik wurde im Jahr 2017 durch eine weitreichende Crowdfunding-Kampagne gegründet. Heute wird das Magazin komplett von seinen Leserinnen und Lesern finanziert und ist genossenschaftlich organisiert. Im Gegenzug versprechen die Macher unabhängigen und werbefreien Journalismus. „Wir optimieren Vertrauen und nicht Reichweite“, sagt Clara Vuillem, Mitbegründerin von Republik.

Ein Dienstleistungsunternehmen, das die Vermittlung von Mitgliedschaften übernimmt, ist das Crowdfunding-Portal Steady. Gründer Philipp Schwörbel nennt „Leidenschaft auf Seiten der Leser und exklusive Angebote“ als Schlüsselfaktoren, um Kundinnen und Kunden für ein Mitgliedschaftsmodell zu begeistern. Dass es vielleicht noch mehr als das braucht, zeigt das Beispiel Republik. Bei dem Online-Magazin bleibt das Werben um eine zahlende Leserschaft ein täglicher Kampf. So schrumpft aktuell die Anzahl der bezahlenden Kunden. „Wir haben 18.000 zahlende Mitglieder, wir hatten mal 24.000. Unsere finanzielle Zukunft ist ungewiss“, betont Clara Vuillemin die Dringlichkeit der Debatte. Das Überleben des Journalismus sieht sie als existenzielle Frage unserer Zeit an und ergänzt: „Wir schreiben wirklich um unser Leben“.

Trotz aktueller Krisen in der Medienbranche macht das Panel zukünftigen Gründerinnen Mut, alternative Wege zu gehen. Gründer Philipp Schwörbel konstatiert: „Die Branche ist in der Krise, die Anzeigenmodelle funktionieren nicht mehr. Es gibt aber auch Gewinner. Die Leute hier vorne. Und das sind die authentischen Medienmacher.“ Noch gibt es also Hoffnung. Was es für die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter braucht, sind engagierte Gründerinnen und Gründer, innovative Ideen und Mut, neue Wege zu gehen. Die vier Speaker in der Spinnerei gehen dabei mit bestem Beispiel voran.

Medientage Mitteldeutschland

Medientage Mitteldeutschland in Leipzig, 21./22. Mai 2019

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    Medientage Mitteldeutschland in Leipzig, 21./22. Mai 2019

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