„Quoten haben in Deutschland erschreckend gut funktioniert“

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Oct 22 · 3 min read

Der Kampf um die absolute Gleichberechtigung lohnt

Von Ulrike Kuhrt, MLU Halle

Für das Panel „Mehr Frauen auf und hinter die Bildschirme“ versammelte Moderation Maja Fiedler Katja Wildermuth (MDR Programmdirektorin), Christine Plaß (Gründerin und CEO von audiomaster.berlin, ehrenamtliches Mitglied von Digital Media Women) und Elizabeth Prommer (Direktorin des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock) am zweiten Tag der Medientage Mitteldeutschland auf Bühne C. Ursprünglich sollte auch Linda Breitlauch von der Hochschule Trier an der Diskussion teilnehmen, sie musste krankheitsbedingt jedoch absagen.

Der Titel des Panels war dabei auch Programm: Während der beiden Kongresstage war die moderierte Talkrunde das einzige rein weibliche Panel. Elizabeth Prommer ließ es sich nicht nehmen, gleich zu Beginn die Anzahl von Rednerinnen bei den Medientagen kritisch zu hinterfragen. Folglich kam sie, eigenen Schätzungen zufolge, auf ein Drittel weibliche Speakerinnen, während Männer mit einer Bühnenpräsenz von rund zwei Drittel vertreten waren.

Youtube als Illusion von Geschlechterneutralität

Eine Beobachtung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur auf die Medientage, sondern auch auf andere Medienbereiche zutrifft. Maja Fiedler thematisierte folglich die neuesten Erkenntnisse einer Studie von Prommer. In dieser wurde die weibliche Darstellung von Youtuberinnen untersucht. Neben der fehlenden Präsenz von Frauen auf Youtube, stellte Prommer heraus, dass Youtuberinnen nach wie vor weibliche Klischeethemen wie Beauty und Mode besetzen. Eine Selbstdefinition, die auf wirtschaftlichem Druck basiere und Prommer zufolge als problematisch einzustufen ist. Demnach setzt sich das stereotypische Rollenbild auch in den neuen Medien fort, weshalb insbesondere Youtube die Illusion eines unabhängigen, geschlechtsneutralen Raumes verliert.

Untersuchungsergebnisse, die Katja Wildermuth zunächst negativ überraschten. Allgemein zeigte sich die Programmdirektorin vom Mitteldeutschen Rundfunk aber optimistisch. Sie betonte, dass speziell im öffentlich-rechtlichen Umfeld auf Diversität geachtet werde. Maja Fiedler traute sich daraufhin die alles entscheidende Frage in den Raum zu werfen: Ist die Frauenquote ein Allheilmittel, um Medienmacherinnen dieselbe Wertschätzung zuzugestehen wie ihren männlichen Kollegen? Für Wildermuth war die starre Frauenquote keine Option. Mögliche Lösungen sah sie stattdessen in Alternativen wie Mentoring-Programmen, Expertinnen-Datenbanken oder in der Sensibilisierung von Entscheider-Ebenen. Christine Plaß konterte und sagte: „Quoten haben in Deutschland erschreckend gut funktioniert.“ Sie meint, dass konkrete Zielvorgaben notwendig seien, um die Etablierung von Frauen, beispielsweise in Führungspositionen, zu unterstützen. Prommer pflichtete Plaß bei. Das Publikum zeigte sich.

Christine Plaß, Digital Media Women. Foto: Viktoria Conzelmann.

Fiedler hakte hingegen nach und wollte zum Ende von den Speakerinnen wissen, warum trotz Qualifikation noch Nachholbedarf bei weiblichen Berufschancen bestünde. Plaß sah einen Grund im fehlenden strategischen Netzwerken. Demnach würden Männer sich oftmals in eigenen Netzwerken zusammenfinden, die nur schwer von Frauen durchbrochen werden können. Hier, meint Plaß, können auch männliche Kollegen helfen, Geschlechterparität herzustellen, indem sie Frauen aktiv einbeziehen und somit ein diverses Arbeitsumfeld mitgestalten.

The Future is not equal

Wildermuth merkte an, dass auch der Perfektionismus vieler Frauen zum Hindernis in der Karriere führen kann. Denn oftmals streben Frauen eine absolute Vereinbarung von Familie und Arbeit an. Ein ambitioniertes Ziel, welches sich häufig nicht in die Tat umsetzen lässt. Plaß merkte an, dass die Schwangerschaft nach wie vor der größte Karrierekiller für Frauen sei. Prommer ergänzte, dass auch Künstliche Intelligenzen Frauen beruflich schlechter einschätzen würden, da das Potenzial einer vermeintlichen Schwangerschaft im Raum stehe. Eine Entwicklung, die die Medienwissenschaftlerin als besorgniserregend sieht.

Zu guter Letzt spannte Moderatorin Maja Fiedler noch einmal den Bogen zum Kinderfernsehen und fragte Prommer, welche Entwicklungen sich in diesem Genre beobachten ließen. Die Forscherin antwortete daraufhin kurz und knapp: „Im Kinderfernsehen ist das Geschlechterbild noch unausgewogener. The Future is not equal.“

Trotz der teils düsteren Erkenntnisse schloss die Moderatorin die Diskussionsrunde mit einer angemessenen Portion Zuversicht Katja Wildermuth fügte an: „Wir können optimistisch sein, dass sich in den nächsten Jahren viel ändern wird.“

Eine interessante Themenrunde, die wiederholt zeigte, dass sich der Kampf um die absolute Gleichberechtigung von Mann, Frau und Divers lohnt und bisherige Errungenschaften nicht für selbstverständlich gehalten werden dürfen. Letztlich schaffen Menschen die notwendigen Strukturen, die sich jederzeit wieder durch Menschen verändern lassen. Das Credo des Panels: Packen wir es gemeinsam an!

Medientage Mitteldeutschland

Medientage Mitteldeutschland in Leipzig, 21./22. Mai 2019

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