Verkannter Osten?

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Aug 29 · 2 min read

Ostdeutsche Realitäten und Diskurse in den Medien

Von Felix Einecke, Hochschule Anhalt

Ist der Osten verkannt? Diese Frage stellten sich während der Medientage Mitteldeutschland 2019 Karola Wille, Intendantin des MDR, der ehemalige ARD-Vorsitzende, Robert Schneider, der heute als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Focus“ arbeitet, Autorin Jana Hensel und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmar. Geleitet und moderiert wurde das Panel vom Leiter des ZDF Landestudios Thüringen, Andreas Postel.

Relativ schnell zeigte sich: Große Differenzen konnte man unter den Teilnehmenden des Panels nicht erwarten. Es herrschte Einigkeit darüber, dass der Osten in den Medien zu schlecht wegkomme. Nichtsdestotrotz entwickelte sich innerhalb der 60-minütgen Debatte eine interessante Diskussion darüber, wie sich mediale Darstellung des Ostens verbessern könnte.

Zu wenig Diversität und eine zu eingeschränkte Betrachtung der ostdeutschen Länder auf nur ein paar, zumeist negativ besetzte Themen — hier würde das Problem liegen. Der Osten würde viel zu häufig als „defizitärer Raum“ betrachtet, sagte Jana Hensel. Diese Aussage stützte auch Wille mit einem Verweis auf eine Dokumentation des MDR, welche 170 Millionen Artikel der Jahre 1990 bis 2017 untersuchte. Diese Dokumentation kam zu dem Ergebnis, dass der Begriff ‚Ostdeutschland’ meist im Kontext mit Problemen vorkommt und nicht als eigener kultureller Raum.

Unterrepräsentierter Osten?

Dass der Osten in den Medien unterrepräsentiert sei, meinte Kretschmer. Ziel müsse es sein, die Themen anzusprechen, die in Ostdeutschland gut verlaufen, etwa „eine super Infrastruktur“ bei Kindergärten, „moderne Hochschulen“ und eine „gute Verkehrsinfrastruktur“. Natürlich dürfe man aber auch nicht außer Acht lassen, dass „Konzernstrukturen und Löhne wie in München“ im Moment nicht vorhanden sind.

Die Teilnehmenden des Podiums waren sich einig, dass das 30-jährige Wende-Jubiläum eine große Chance biete, die positiven Geschichten zwischen Ost und West zu erzählen. Wille meinte, man brauche dafür „das Gespräch mit den Menschen“ und man müsse das „positive Lebensgefühl“ darstellen. In eine ähnliche Kerbe schlugen auch die anderen Sprecherinnen und Sprecher. Robert Schneider meinte, man müsse mehr am Leben der Menschen teilnehmen, um andere Sichtweisen zu erkennen, zum Beispiel einfach mal die „B2 langfahren“. Jana Hensel sah die Chance, den Osten „differenzierter“ und „nicht mehr so eigenartig museal“ abzubilden. Und auch Kretschmar merkte an, man solle zu diesem Jubiläum zeigen, was man „gemeinsam“ erreicht habe, dafür müsse man sich nur Beispiele wie Leipzig ansehen.

Medientage Mitteldeutschland

Medientage Mitteldeutschland in Leipzig, 21./22. Mai 2019

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