Warum ich bei einem Auto-Werbespot mitwirkt habe

Spoiler: es war nicht wegen des Geldes.

Als Smart anfragte war meine erste Reaktion „nein“. Wie ich das auch bisher bei anderen Auto-Kooperationsanfragen gemacht habe. Die “She’s Mercedes”-Kamapagne oder auch eine Jaguar-Kooperation — alles wäre gut bezahlt gewesen, aber widerspricht zu 100% dem wofür ich stehe und was ich tue. Da musste ich auch nicht lange fackeln. Gerade die „Luxus“Auto-Marken sind meiner Meinung nach mehr Statussymbol und ein Zeichen der Überflussgesellschaft, des Kapitalismus, die ich so nicht unterstützen möchte.

Die Smart-Anfrage (und ja ich weiß, Smart gehört wie Mercedes zu Daimler) habe ich mir jedoch angehört, aus einem einzigen Grund: ich fahre gerne Smart in Form von CarSharing. Auch CarSharing hat wieder Vor und Nachteile, für mich bedeutet aber CarSahring: ich konnte bisher auf den Besitz eines Autos verzichten. Auf Grund meines Jobs muss ich hier und da mal Dinge von A nach B transportieren oder in meiner Schwangerschaft im Hochsommer hätte ich ohne kaum irgendwohin gelangen können. In der BVG fällt zu 90% die Klimaanlage aus und auf dem Fahrrad wäre ich umgekippt. Die Klima im Auto und Carsharing hat mir erlaubt trotzdem mobil zu sein und am Stadtleben teilzuhaben. Als wir Dinge gebraucht für’s Baby besorgt hatten, konnte ich wieder Carsharing nehmen oder mir das kleine Studi-Auto einer Freundin ausleihen. Das ist nur das Stadtleben. Ein Leben auf dem Land bzw. Dorf ohne Auto könnte ich mir gar nicht vorstellen. Also durchaus eine praktische Angelegenheit dieses Konzept von Auto. Langsam begriff ich warum es sich so gut durchgesetzt hat im letzten Jahrhundert.

Zurück zum Thema: der Smart-Werbespot. Smart hatte also was neues und wollte es vorstellen. Es ist eine Erweiterung für’s Auto inkl. App, die ermöglich, dass man sein privates Auto mit Freunden teilt. Also wie Carsharing auch bisher mit Car2go, nur eben, dass man auswählen kann via App wer das Auto benutzen kann und sich anzeigen lassen kann wo es steht.

Meine These ist: wir müssen Autofahren reduzieren, gerade in der Stadt auf die öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und auf Elektro-Lastenräder umsteigen und für weitere Strecken eben auf Elektro-Autos. Dass Menschen in den nächsten Jahren komplett auf Autos verzichten fände ich schön — aber unrealistisch. Man kann ihnen bzw. uns aber gute Alternativen bieten. Das Problem mit Elektro-Autos ist nur: deren Herstellung ist so Energie aufwendig und unnachhaltig, dass es ihre CO2-Bilanz wieder zerstört. Wenn man jetzt jedoch ein Elektro-Auto mehr Leuten zur Verfügung stellt, die Kapazitäten besser nutzt, könnte es vielleicht die CO2-Bilanz ausgleichen oder zumindest verbessern. So meine Logik.

Ein weiteres Pro-Argument: Smart hat vor ein paar Jahren ein E-Modell eingeführt, das sehr gut läuft, so gut, dass es Wartezeiten beim Kauf eines neuen Modell gibt. Ich finde es gut, wenn große Unternehmen sich Schrittweise besseren Alternativen zuwenden. Mir ist klar, dass sie nicht von einem Tag auf den Anderen ihr Geschäftsmodell komplett umkrempeln, das können sie wirtschaftlich gar nicht, aber sie können es besser machen und je mehr Nachfrage zu Alternativen Produkten, desto mehr Fokus legen sie drauf und optimieren ihren Workflow und widmen sich dem vielleicht eines Tages als ihrem Hauptgeschäft. Ich würde mir wünschen, dass alle großen Autohersteller ihren Fokus auf Elektro-Autos legen würden und diese ökologischer und effizienter zu gestalten.

Aber gezahlt haben sie schon oder? Ja, es gab eine winzige vierstellige Aufwandsentschädigung. Das wäre für den Verkauf meiner Seele ziemlich billig gewesen. Normalweise erhalten Moderator*innen oder Darsteller*innen in Werbespots inkl. Abgabe aller Rechte und Buyouts Beträge im mittleren vier bis sogar fünfstelligen Bereich. Smart verargumentierte das mit „Reichweite“ — wir stellen euch und die unverpackt Idee auf unseren Kanälen vor. Wie genau das geschieht, werden wir noch sehen.

Tl;dr: Ich habe an einem Smart-Werbespot teilgenommen, nicht wegen des Geldes, sondern weil ich die Idee vom privaten CarSharing sehr gut finde und glaube, dass sie so die CO2Bilanz von Elektro-Autos verbessern können.

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