Die «Digital Rockstar Economy» — Eine Zusammenfassung des diesjährigen Websummits

Rockkonzert Feeling und der digitale Overload danach

53'000 Teilnehmer, kilometerlange Warteschlangen, Registrierung direkt am Flughafen, Public Viewings, mehrere Tausend Teilnehmer in den Livestreams, abgesperrte Strassen für Afterparties, hochrangige Politiker, überfüllte Hallen usw. Was klingt wie ein Rockkonzert der Extraklasse, war nicht etwa die Show eines Superstars, sondern eine kurze Beschreibung dessen, was wir in den ersten Stunden am diesjährigen Websummits in Lissabon erlebt haben.


Auf dutzenden Bühnen präsentierten Sie sich, die digitalen Rockstars der Gegenwart: Gary Vaynerchuck, Robert Scoble, Joseph Gordon-Levitt, Mike Schroepfer, um nur einige der 600 Speaker zu nennen, haben zusammen mit mehreren hundert Starups, Investoren und Dienstleistern den Rahmen für den Websummit gesetzt. Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Michael Svoboda, schauen wir zurück auf vier Tage digitalem Overload. Vor lauter künstlicher Intelligenz und Client Attraction sind wir geschlagen und müde. Dennoch: Die Eindrücke bleiben! Nach vier Tagen in einem von Entrepreneurship getriebenen Umfeld, voller Ideen, junger Menschen, Ambitionen und Träumen fühlt man die Schwere und Trägheit unserer allseits bekannten Corporate Welt. Aber … vorwärts machen ist das einzig Richtige in einer sich schnell ändernden Welt!

Michi und Ich haben unsere Köpfe zusammengesteckt und unsere Notizen abgeglichen. Entstanden ist diese kleine Zusammenfassung der Key-Findings:

  • Artificial Intelligence: Allgegenwärtig und Overhyped
  • Digitalisierung in Unternehmen: Neue Ansätze sind gefragt
  • Virtual and Augmented Reality: A New Frontier

Key-Finding I — Artificial Intelligence: Allgegenwärtig und Overhyped

Die Themen Artificial Intelligence und Machine Learning waren am Websummit dieses Jahr allgegenwärtig. Nicht nur die Großen wie Facebook und Amazon haben auf Machine-Learning Keynotes und AI-Kompetenzen gesetzt, auch sehr viele kleine Startups waren mit dem Thema präsent. Teils sehr offensichtlich im Sinne von AI-Produkten und Dienstleistungen und teils als Enabler für attraktive Plattformen und Produkte Software.

Wir bewegen uns — wie von Google auch schon mehrfach erwähnt — von einer Mobile-First Welt hin zu einer AI-First Welt. Zwar sind die Grundkonzepte hinter AI und ML schon älter, die unglaublich schnell wachsende Computing-Power in Kombination mit den enorm grossen Datenmengen ermöglicht heute aber, dass AI als dritte grosse Welle nach der Web- und Mobile-Revolution erlebt wird. Computer Vision Capabilities, intelligente Assistenten und die unglaubliche Geschwindigkeit mit welcher die AI komplexe Aufgaben erledigen kann, lässt hoffen dass zukünftig vermehrt auf Services zur Verbesserung unserer Experience als Kunden und Mitarbeiter gesetzt wird. Jedoch werden nicht nur AI und ML Kompetenzen gefragt sein, sondern in Kombination auch ein tiefes Verständnis (emotional Intelligence) des eigenen Businesses und der eigenen Kunden.

An praktischen Beispielen hat es sowohl bei den großen Playern (Facebook, Amazon, Google etc. waren alle vertreten) als auch bei den kleinen nicht gefehlt. Hier zwei Beispiele, welche uns bewegt haben:

Sportcaster.co — In weniger als 1.5 Jahren hat es das kleine dänische Startup geschafft, mit Hilfe einer auf AI und ML basierten Plattform eine erschwingliche und überaus mächtige Lösung für die Analyse, professionelle Aufnahme mit Ball- und Spielertracking sowie den automatisierten Zusammenschnitt von Fussballspielen auf den Markt zu bringen. Spannend da dadurch künftig auch Amateurliegen (Deutschland z.B. hat 16'000 Tausend aktive Fussbalvereine) bedient werden können. Ebenfalls erstaunlich und positiv überraschend, dass sowohl Setup wie Hardware sehr erschwinglich sind (das Ganze kann mit handelsüblichen GoPros genutzt werden) und die Plattform für wenige hundert Euro als SaaS Lösung angeboten wird — http://www.sportcaster.co

Computer Vision im E-Commerce — Die unglaublich großen Mengen an Produkten und Daten, welche heute in konventionellen Shops zur Auswahl bereit stehen, können von Kunden gar nicht mehr wirklich verarbeitet und erfasst werden. Zukünftig werden wir vermehrt auf AI-Services treffen, welche auf Basis unserer Präferenzen visuelle, selbstlernende Unterstützung im Online-Shopping-Erlebnis anbieten. Die klassischen Suchen und Filterungen, welche sich seit 15 Jahren nicht wirklich verändert haben, kommen an Ihre Grenzen. In einem personalisierten und kurierten Shop werden dank AI und ML diese klassischen Ansätze durch einen visuellen Dialog ersetzt werden — https://www.youtube.com/watch?v=PVrddvppbaI

Key-Finding II — Digitalisierung in Unternehmen: Neue Ansätze sind gefragt!

In einer Welt, in welcher sich die Dinge immer schneller bewegen und technologischer Wandel für Unternehmen immer unvorhersehbarer wird, stellt sich die Frage, wie sich Unternehmen zukünftig diesen Herausforderungen stellen. Die klassischen Beratungsansätze “Efficiency through Repetition” (Systematisierung der Beratung) verlieren dabei an Relevanz. Im Kontext dieser Veränderungen wird Design eine viel wichtigere Rolle spielen, so die Haltung von Harry West, CEO bei Frog Design. Auch größere Unternehmen haben dies verstanden, so verwundert es nicht, dass sie sich in den letzten Jahren sehr viele große Unternehmen und Beratungshäuser sowie irgendwelche Designagenturen einverleibt haben.

Von Salesforce, über Google hin zu McKinsey, Accenture, Cognizant usw. alle haben sie sich Designkompetenzen dazugekauft. Warum eigentlich? Nun, einerseits um Alleinstellungsmerkmale im Rahmen von Kundenerlebnissen zu entwickeln und zu fördern, und andererseits aber auch, um die Transformation von Geschäftsmodellen und Organisationen vorantreiben zu können. Prototyping, Fokus auf den User, Agilität, Out Of The Box Ansätze und schlicht auch kreativere Arbeitsbedingungen sind Schlüssel zum Erfolg.

Auch hier haben wir uns am Websummit nach praktischen Beispielen umgeschaut und sind bei McKinsey Digital und GE fündig geworden:

Frog Design transformiert GE — Die Transformation bei General Electric hat vielerorts für positives Staunen gesorgt. Ein global tätiger, eher träger Mischkonzern wandelt sich in Richtung Software- und Plattformanbieter und macht dies in vorzeigbarer Manier. Grund dafür war nicht zuletzt die konsequente Verankerung der Design Rolle im Rahmen der Transformation des Unternehmens. Ein zentrales Element in dieser Transformation war das Vorzeigen von schnellen, konkreten Ergebnissen z.B. im Projekt MyEngine, wo die Wichtigkeit von IOT, Software und Interfaces für die Zukunft für das Geschäft mit Flugzeugturbinen demonstriert wurde. Ein Vorgehen, dass sich auch bei unseren Kunden sehr bewährt hat: Der Fokus auf einen konkreten Use Case, die Umsetzung im Co-Creation Mode, die konsequente Entwicklung von Prototypen und nicht zuletzt die agile Entwicklung von Piloten.

Mc Kinsey’s Beratung im Zeitalter der Digitalisierung — McKinsey war am Websummit mit einem sehr auffallendem und grossem Stand vor Ort, was uns natürlich dazu verleitete, dort mal vorbeizuschauen und das Gespräch zu suchen. Die Insights, welche wir bekommen haben waren positiver Natur … spannende Gespräche über die Art und Weise, wie Mc Kinsey im Digitalen Zeitalter an die Beratung rangeht. Dass sich das Beratungsgeschäft massiv verändert und neue Ansätze gefragt sind, bestätigt sich. Um dieser Veränderung entgegenzutreten hat McKinsey mit den Digital Labs ein Format geschaffen, welches ergänzend und erweiternd zur klassischen Strategieberatung positioniert wird. Mit aktuell etwa 1200 Mitarbeitenden setzt das Beratungsunternehmen sehr stark auf Experience Design und nutzt dazu Design Thinking Methoden, schnelles Prototyping (Rapid digitization), führt Innovations Bootcamps durch und positioniert sich als “Ecosystem Broker”. Ein Ansatz, welchen wir ebenfalls auch aus den eigenen Reihen kennen.

Key-Finding III — Virtual and Augmented Reality: A New Frontier

Auch Augmented und Virtual Reality waren am Websummit sehr präsent. Nicht zuletzt auch wegen Robert Scoble und Shel Israel, die eben kürzlich auch noch Ihr neues Buch «The Fourth Transformation» (verfügbar ab Dezember 2016) vorgestellt haben. In unzähligen Diskussionspanels wurde das Thema durchleuchtet. Titel wie «Clash of the titans » oder «Eyeing the potential of AR & VR» versprachen dann auch einiges an Gesprächsstoff.

Im Allgemeinen scheint klar zu sein: Virtual und Augmented Reality stellen einen neuen, sehr wichtigen Layer für Interaktion mit unseren Kunden dar, und je schneller dass Unternehmen Ihre Erfahrungen mit dem neuen Frontier machen, desto besser und erfolgreicher können sie sich in diesem unglaublich schnell wachsenden Markt positionieren und Kunden neue Erlebnisse bieten. Allen voran setzten Facebook und Google konsequent auf eine AR/VR Strategie.

Aber auch kleinere Unternehmen haben zu diesen Themen präsentiert. Bracken P. Darrell beispielsweise — CEO von Logitech — ist zwar nicht auf die AR/VR Gerüchte rund um Logitech eingegangen, hat aber klar festgehalten, dass AR/VR eine wichtige und grosse Rolle in Logitech’s Business der Zukunft einnehmen wird. Zwar würden das Thema erst Wenige wirklich verstehen, die Mixed-Reality sei aber als weitere, tiefere Verbindung zwischen der physischen und virtuellen Welt und zwischen Kunden und Unternehmen, ein essenzieller Interaktions-Layer in welchen man aktuell Zeit und Ressourcen investieren sollte.

Wenn es nach Robert Scoble ginge, würde wir dann auch alle nur noch mit Headup-Displays rumlaufen und uns in Mixed-Reality Umgebung bewegen. Selbst Apple, so Robert, würde im nächsten Jahr massiv mit AR/VR Produkten auf den Markt treten. Gerücht zu folge seien bereits 600 Entwickler daran die neue AR/VR Welt von Apple zu entwickeln. Könnte die Zukunft des TVs in der Augmented und Virtual Reality liegen?

Eindrücklicher «Groove» und offene Kultur

Neben den vielen Inhalten hat uns aber vor allem auch der “Groove” dieses unglaublich gut organisierten und gigantischen Events beeindruckt … und offen gesagt auch etwas eingeschüchtert. Selten haben wir so viele junge Unternehmer getroffen und kennengelernt: Ken, der mit 25 vom Fensterputzer zum Unternehmer wird, UKs grösstes Putzunternehmen aufbaut, dieses verkauft und aktuell dank Social Media anderen Unternehmern hilft, sich im Markt zu positionieren. Kaoru, die mit 30 aus New York nach Taipei zieht, alles stehen und liegen lässt und mit einem Team von 3 Leuten die Welt der Education zu revolutionieren versucht. Ilke, die zwei, drei Male ihre Ideen auf den Kopf stellt um schlussendlich einen Weg zu finden, erfolgreich digitale Produkte an Mittelständer zu verkaufen … die Liste hier könnte gefühlt unendlich weitergeführt werden. Leute aus allen Ecken der Welt welche digitale Ideen umsetzten und kein Risiko scheuen, Ihren Traum zu verwirklichen! Digital ist Global! Und es gilt das Motto “Execution is Everything” und “Attraction is all that counts”.

Stimmt nachdenklich … und spornt an!

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