Is everything all you need to change?

Mobile Business und Apple’s Sturm auf unser Wohnzimmer.


Man kann vom angebissenen Apfel halten, was man will. Eines muss man den Herren und Damen aus Cupertino aber lassen… für Überraschungen können sie sorgen! Sie beweisen zudem ein unglaublich gutes Gespür für Opportunitäten. Und… Ja, verkaufen können sie auch.


The only thing that’s changed is everything.

Während ich diesen Text hier schreibe läuft auf meinem AppleTV parallel dazu der Livestream der aktuellen Apple Keynote. Bislang vorgestellt: Neue Watchfaces für die AppleWatch… langweilig. Neue Farben und neue Armbänder für die AppleWatch… langweilig. Ein neues iPad, das iPad Pro… ganz und gar nicht langweilig. Ein Apple Stylus — lasst Euch das auf der Zunge zergehen — und eine Tastatur für dieses iPad Pro. Remember the Microsoft Surface? Ein neues AppleTV mit neuer Fernbedienung und zwei neue iPhones mit 3D Touch. Apple Fanboys und Haters können beruhigt sein. Es gibt nach dieser Keynote genügend Stoff um sich in Diskussionen zu stürzen.

Ich will aber gar nicht auf die einzelnen Geräte und technischen Details eingehen. Das wird an anderer Stelle wohl besser und penibler abgehandelt werden. Was meine Aufmerksamkeit in den Bann gezogen hat war die folgende Aussage von Mr. Cook: The only thing that’s changed is everything. Bezogen hat Tim Cook diese Aussage auf die neuen iPhones. Für mich allerdings steht dieser Satz für weit mehr. Apple hat mit dieser Keynote nämlich gleich zwei sehr spannende Bereiche unseres Lebens ins Visier genommen: Die Arbeitswelt und die eigenen vier Wände, sprich unser Wohnzimmer.

Aussage mit viel Wirkung. Tim Cook, 09.09.2015

In meiner Rolle als Dozent für Mobile Business an der FHWZ und HSLU versuche ich den Studierenden stets ein möglichst umfassendes Bild von der “Mobilen Welt” näher zu bringen: Der Mobile Shift der unser Verhalten, ja sogar unsere Kultur verändert, Software — konkreter Apps — die immer stärker unseren Alltag durchdringen und natürlich die unglaublich starke Antriebskraft des Themas «Mobile» im Kontext der Digitalisierung. Oder wie Benedict Evans gekonnt illustriert: Mobile is eating the World

Nun sitze ich also da, schaue mir diesen Livestream an und denke: «Meine Güte, das ändert wirklich alles!» Ok, vielleicht nicht alles, alles… aber so ziemlich viel. Einerseits wird die Wichtigkeit von Apps zunehmen. Dem neuen AppleTV und dem neuen iPad sei Dank. Und andererseits wird das Thema «Mobile Business», oder Mobile Business Solutions — wie wir es in meinem Ex-Team bei der Namics nannten, an Wichtigkeit gewinnen. Hier eine kleine Story dazu…

Im Rahmen der Einführung des Microsoft Surface hatten Andreas Fischler und andere Kollegen die Idee, den Herren und Damen bei Microsoft, bei der Verbreitung der Surfaces unter die Arme zu greifen. Die These: Im Kontext von Beratungen und repräsentativen Aufgaben werden Mobile Devices zum Instrument der Wahl und damit steigt entsprechend auch die Wichtigkeit von Mobilen Applikationen an, ob Native oder Web-Apps, egal. Doch um emotional und auch praktisch das Beste aus solchen Applikationen herauszuholen sei der Formfaktor von iPads (damals noch mit massiv schlechterer Auflösung) nicht genügend. So die These. Schaut man sich heute POS-Lösungen mit Touchscreens-Installationen an lässt sich diese These einfach nachvollziehen. Ein Blick auf die LOWA 360° App im Jelmoli in Zürich zeigt — übrigens konzipiert und entwickelt in der Zusammenarbeit meines Teams Digital Innovation bei der Swisscom und JLSDigital — keine iPads, sondern grössere Geräte sind hier im Einsatz.

LOWA 360° App am POS im Jelmoli in Zürich

Ich war damals überzeugt, dass Microsoft den Business-Markt aufrollen kann und Apple den sicheren Platz in der Arbeitswelt grosser und kleiner Unternehmen streitig machen wird. Und durch den theoretisch “freien” Formfaktor wäre für ein solches Gerät genügend Platz am POS, in Beratungs-Situationen und ähnlichem. Zudem ist, zumindest in der Schweiz, Microsoft allgegenwärtig. Outlook, Excel, Word und Co. sind aus unserer Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Wer, wenn nicht die Microsoft hätte hier den Platzhirsch markieren können… Doch längst schon sieht die Realität ganz anders aus. Praktisch in jedem CEO-Office findet man heute ein iPad. Adobe entwickelt fantastische Lösungen, und mächtige Kollaborations- und Arbeits-Tools schmücken längst den Apple App Store. Und was macht Microsoft? Die schicken Office Chef, Kirk Koenigsbauer, zu Apple auf die Bühne: Microsoft demonstrates Office on iPad Pro giving world one less reason to buy a Surface.

Der Display-Faktor als Treiber von Business Applikationen

Doch genug von Microsoft. Zurück zum Mobile Business. Spätestens nach der Lancierung von Xcode 6 war klar, dass Apple nicht nur auf die bekannten Displaygrössen des iPhones und iPads zurückgreifen wird, sondern Entwicklern auch die Möglichkeit bietet, Applikationen für ein «Resizable» iPhone und iPad zu entwicklen. Damals klare Indikatoren für ein grösseres iPhone. Das uns bekannte iPhone 6 bzw. iPhone 6 Plus.

Screenshot aus XCode

Das eben vorgestellte iPad Pro, mit einer Displaygrösse von 12.9 Zoll, ist nicht gerade ein gigantischer Sprung und definitiv noch keine Kampfansage für den POS, dennoch aber eine klare Marschrichtung: Das Mobile Büro gehört uns! Aber sowas von. Nicht nur gibt’s jetzt einen schönen und praktischen Stylus, genau wie beim Surface kann man auch — wie könnte es anders sein — eine Tastatur dazu kaufen. Und ja, Steve Jobs’ berühmte Aussage: «Who want’s a stylus?”» steht in krassem Kontrast zum Entscheid einen Stift für das iPad zu lancieren. Aber ehrlich… der Need ist anscheinend da! Oben drauf gibt’s zum neuen iPad einen ganzen Haufen praktischer Apps, welche den grösseren Formfaktoren auf sinnvolle Art und Weise nutzen. Take that Android!

Man könnte mich jetzt für einen Apple Fanboy halten. Weit gefehlt! Ich bin schlicht und einfach fasziniert von den Möglichkeiten die neu, im Business-Kontext, entstehen können. Mehr Platz für spannendere Tools (ja, es gibt heute auch schon Tables mit 17" und mehr, bloss keine wirklich sinnvollen Apps dazu), bessere Eingabemöglichkeiten dank des Stifts (oooh, wie lange hat man darauf gewartet und Steve Jobs möge es uns verzeihen!) sowie eine ziemlich fette Ladung an Neuigkeiten für das neue iOS. Ob das für den POS reicht? Wohl kaum. Ist aber definitiv ein wichtiger Schritt und wird den Einsatz von iPads im repräsentativen Umfeld steigern. Auch Anwendungen für den Aussendienst könnten spannender werden. Danke des Stifts und der Tastatur.

Ich höre es schon… Android kann das schon lange. Samsung hat schon seit geraumer Zeit Eingabestifte für Phablets und Tablets und die Apps sind mittlerweile auch schon auf einem stattlichen Niveau. Alles richtig. Bloss…. Marktdurchdringung heisst hier das magische Wort. Kein Tablet-Hersteller hat nur annähernd eine solche Durchdringung wie sie Apple vorliegen hat. Eine unglaublich schöne Ausgangslage für Apple und ein sicheres Indiz für einen weiteren Push von Business-Applikationen. Und dann wäre da noch 3DTouch, sprich die Druckempfindlichkeit des Displays. Was auf den ersten Augenblick nicht unbedingt spannend klingt, eröffnet einen völlig neuen Layer der Interaktion auf Mobilen Devices. Nicht nur bereichert es das Feeling bei der Nutzung enorm, sondern bringt — wenn sinnvoll eingesetzt — wirklichen Mehrwert in der Interaktion mit Applikationen mit sich. Unser «Most Loved Device» wird zukünftig noch angenehmer zu bedienen sein.

Power to the developers!

Nun, ja.. vielleicht bin ich doch etwas enthusiastischer veranlagt als so manch einer in unserer Branche. Doch ich bin überzeugt, dass das iPad Pro mit dem grösseren Display neue Möglichkeiten eröffnet. Im Arbeitsumfeld vor allem. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mit der Lancierung des Geräts auch eine massive Zunahme sinnvoller, für die Arbeitswelt optimierter Apps einher gehen wird. Die App-Demos welche in der Keynote zu sehen waren sind nur die Spitze des Eisbergs! Und auch die Diskussion «Native- vs Web- vs Hybrid-Apps» wird wohl eine zusätzliche Dimension erhalten.

Denn schliesslich ist da ja auch noch das neue TV OS. Das Betriebssytem für das ach so unscheinbare AppleTV, welches technisch übrigens auf iOS9 aufbaut. Dieses bietet neu eine weitere Plattform um Apps für ein Apple Device entwickeln zu können. Spätestens jetzt müsste es Klick! machen. LeShop direkt auf dem Fernseher oder von mir aus auch Zalando! Games, Wetter, Siri, You Name it, Apps, Apps, Apps… Ein wunderschönes neues Ökosystem für Applikationen. Und auch hier: Boom! Marktdurchdringung. Ich finde: Apple nailed it, zumindest aus der Sicht des Mobile-Enthusiasten in mir. Und natürlich auch aus Sicht des Endkonsumenten.

CIOs, IT-Leiter, Development-Leads etc. grösserer Unternehmen sollten sich schleunigst Gedanken machen, ob sie nicht doch lieber auf eigene Mobile-Entwickler Ressourcen zurückgreifen möchten. Oder wie wäre es mit einer Aufstockung des Pools guter Entwickler? Power to the Developers! Kleineren Unternehmen sei geraten sich gutes Know-How bei guten Partnern einzuholen, z.B. bei Alexander Maier. Denn… Mobile Business Know-How wird wichtiger! Entwickler dürften sich die Hände reiben. So spannend wie jetzt, war es schon lange nicht mehr. Nicht nur warten Mobile Devices darauf mit Apps bespielt zu werden, mit dem AppleTV eröffnet sich ein neuer und unglaublich attraktiver Markt. The Future of TV is apps!

Zieht Euch warm an!

Ich wage mal zu behaupten, dass durch die Invasion des Wohnzimmers mittels AppleTV — ich glaube das trifft es relativ gut — einige Unternehmens-Agenden und Vorhaben neu überdacht werden müssen. Der disruptive Charakter der vorgestellten AppleTV Lösung ist immens. Auch meine Arbeitgeberin, die Swisscom, muss sich fragen wohin die Reise hier hingeht und welche Herausforderungen und Chancen im Rahmen des SwisscomTV Angebots auf das Unternehmen zukommen. Auch die UPC Cablecom wird vor einer ähnlichen Fragestellung stehen. Wie weiter mit dem eigenen MyPrime? Und wie steht es um die ganze Gaming-Industrie? Das AppleTV ist plötzlich auch eine Gaming-Console… und zwar eine die Millionen von Menschen über das Gaming-Center zusammenführen kann und Entwicklern im Rahmen des Ecosystems von Apple eine fantastische Plattform bietet. Wie siehts mit Couch-Commerce aus? Werde ich meinen Einkauf bei LeShop, Digitec oder Zalando zukünftig direkt vom Sofa aus tätigen? Mit dem iPhone bzw. mit dem Tablet machen wird das alle ja schon längst. Was ist wenn ich alle diese Geräte zusammenführe? Und dann ist da ja auch noch ApplePay. Und was ist wenn wir weiter denken? Auch wenn Siri bzw. die Sprachsteuerung nichts wirklich Neues darstellt. Die Chance dass Apple mit dem neuen Apple TV die Sprachsteuerung besser als andere etablieren kann ist in greifbare Nähe gerückt… Kleiner Hint: Siri nochmals eine Chance geben, falls man Early Adopter ist und noch nicht überzeugt werden konnte. Mittlerweile funktioniert die Spracherkennung beinahe tadellos. Messages diktieren — go! Mein Personal Concierge lässt grüssen.

Meine Welt ist Mobile und ich freue mich auf so ziemlich jede Neuerung. Ich sehe viele Opportunitäten und Chancen. Yes! Aber… Zieht Euch warm an! Auch Herausforderungen kommen auf uns zu.

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