Es ist Dienstag 8:57. Ich sitze beim zweiten Frühstück. Allerdings Zuhause am Esstisch und nicht wie sonst mit den Kollegen in der Küche des Büros.
Das ist gut so und auch angenehm. Niemand raucht, niemand erzählt Witze und es läuft gute Musik im Hintergrund.
Der rote Paprika auf meinem Teller ist süß und knackig, das Ei ist gerade richtig weich, nur die Buttersemmel ist ein wenig ‚papierern‘ — aber ich hab ja noch mein Kürbiskernweckerl.
Ihr merkt schon: Ich verliere mich gerade in den eher nicht so wichtigen Details… Freiheit, Selbstbestimmung, Aufbruch ins Neue darum geht’s doch eigentlich, oder? Ja eh, gleich!
Ich hör übrigens Gov’t Mule falls sich das gerade wer gefragt hat.
Die Freiheit beginnt gleich nach dem Frühstück
Deswegen bleib ich lieber noch kurz sitzen. Es ist nämlich gar nicht sooo einfach und verlockend sich den Tag selbst zu organisieren.
“So ein Blödsinn”, denkt ihr euch sicher. “Ich wüsste genau was ich machen würde, wenn ich nur könnte und nicht diese 26 ungelesenen Emails hätte.“
Ja eh — lesen, abhängen, Olympia schauen, aufräumen, Freunde treffen — superlässig das alles.
Aber ich hab da noch diese Einschränkung: Es soll nämlich am Ende des Tages was Gscheites rauskommen! Schließlich mache ich nicht Urlaub. Was ich brauche, wonach ich suche ist das, was sonst immer wer anderer von mir verlangt hatte:
In meinem Fall sollte das Ergebnis am besten eine Erkenntnis sein. Etwas von dem ich mir denke: Ich weiß jetzt mehr als vorher.
Also habe ich mir etwas überlegt
Ich muss euch auch gestehen, dass mich das Thema des selbstbestimmten Alltags ohne äußere Vorgaben schon ziemlich beschäftigt. Zum einen ist es ja recht leicht: Im Wesentlichen ist das wie ein normales Projekt.
Es gibt ein Ziel, einen Zeitplan, Ressourcen und ein paar Rahmenbedingungen. Zum anderen ist aber schon der erste Punkt auch schwierig: Das Ziel.
Das kann ich mir nämlich in meinem speziellen Fall aussuchen. Ja aussuchen. Weil ich muss nix fertig machen, abschließen, erfinden oder beweisen. I can do whatever I want.
Nach einer kurzen Zeit der inneren Reflexion erkennt ihr jetzt auch das Problem, oder?
Ist das Ziel zu groß, lässt es sich locker in einem Wort zusammenfassen: Scheitern. Ist es aber zu klein, wird es schnell unbefriedigend, denn einen gewissen Ehrgeiz und Anspruch habe ich schon auch. Also habe ich mir etwas überlegt.
Kleine Experimente und viel Schreiben
Ich werde experimentieren. Mit mir.
In dem Sinn, dass ich der Frage nach „dem Ziel“ vorerst ausweiche und mit einer Reihe von “Experimenten“ anfange. Sagen wir 10. Damit es gleich konkret ist.
Damit das Experimentieren ein bisserl professioneller klingt, hüllen wir die Experimente noch in einen wichtig klingenden Namen — wie zum Beispiel “Discovery phase”. Gut.
Jetzt definieren wir uns auch noch ein paar Rahmenbedingungen für ein „Experiment“, damit wir nicht richtungsloses Herumsurfen im Nachhinein als Experiment beschreiben können.
- es zumindest 1/2 Tag in Anspruch nimmt
- es ein Start- und Enddatum hat
- es eine klare Aufgabenstellung gibt und sich Erfolg und Misserfolg definieren lässt
- ich einen Bericht mit 500-700 Wörtern darüber schreiben kann.
Oookey — diese Liste werde ich mir wahrscheinlich im Laufe der Zeit nochmal ansehen müssen — aber zum Start sollte sie mal genügen.
Viel Schreiben
Schreiben wird mein Beweisführungsvehikel sein.
Content ist king! Und Content ist Geschriebenes. Worte, Sätze, verschriftlichte Gedanken und Überlegungen.
Muss ja keine Prosa sein, aber es sollte ein Anfang, eine Mitte und ein Ende erkennbar sein. Wenn sich bei LeserInnen ein Erkenntnisgewinn einstellt ist es auch kein Schaden.
So. Jetzt räum ich mal das Frühstück weg. Dann geh ich duschen und dann… #tralalalala…
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