Business und IT: Wie werden sie zu Partnern?

Zieht die Unternehmens-IT mit dem Business am selben Strang? Aber ja doch — nur ziehen beide gelegentlich in verschiedene Richtungen. Bezüglich der Prozessebene dieses nicht unbedeutenden Umstands empfehle ich Ihnen die Lektüre eines meiner letzten Blog-Posts zum Thema ITIL® im Mittelstand. Lassen Sie uns heute jedoch einen Blick auf die technische Ebene werfen. Denn dieses ambivalente Verhältnis zwischen Business und IT ist Gegenstand einer Studie geworden, die McKinsey kürzlich veröffentlichte. Sie wartet mit einem verblüffend naheliegenden Lösungsvorschlag auf.

BEISPIEL CLOUD & ENTERPRISE MOBILITY: TREIBEN ODER BREMSEN?

Um welche Konflikte es geht, lässt sich an einem Thema zeigen, das derzeit auf der Agenda vieler Unternehmen ganz oben steht: Cloud & Enterprise Mobility. Dem Business kann es nicht schnell genug gehen, das Unternehmensnetzwerk mobil verfügbar zu machen: Via Smartphone und Tablet werden die Mitarbeiter auf ihre Daten zugreifen und Unternehmens-Anwendungen nutzen können! Was für ein Schub für ihre Motivation und für ihre Identifikation mit dem Unternehmen! Wann geht es endlich los?

Doch die IT auf der anderen Seite sieht die Gefahren, die durch diese neue Freiheit entstehen. Durch das Konzept Bring Your Own Device können zwar die Produktivität und die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht werden, aber auch die Heterogenität der Infrastruktur und der damit verbundene administrative Aufwand nehmen zu. Wird eine erhöhte Sicherheit und zum Beispiel der Zugriff auf das gesamte System des Endgerätes benötigt, stellt gar das Konzept Corporate Owned Personally Enabled eine Alternative zu BYOD dar. Um die Komplexität der Anforderung zu vervollständigen, lassen sich sowohl BYOD als auch COPE mit Cloud Lösungen wie zum Beispiel Office365 kombinieren.

DOCH DAFÜR FORDERT DIE IT ZEIT. ZU VIEL ZEIT?

Wenn sich in dieser Situation Business und IT nicht intensiv austauschen, sind Spannungen vorprogrammiert. Das Business wird der IT-Leitung vorwerfen, ihre Abteilung nicht rechtzeitig auf die neuen Anforderungen vorbereitet zu haben. Umgekehrt wird der Chief Information Officer (CIO) bemängeln, dass die Anforderungen keineswegs klar definiert seien und dass es an einem Projektplan sowie an den nötigen Ressourcen fehle.

STUDIE ZUM VERHÄLTNIS BUSINESS UND IT: DAS MUSS BESSER WERDEN — UND SO GEHT’S

Wie verbreitet diese Spannungen sind, wird in der McKinsey-Studie deutlich. Viele Business-Manager urteilen, dass die IT ihres Unternehmens zu wenig effektiv sei — eine Kritik, die oft genug auch die IT-Manager selbst teilen. Sie sehen sich sehr wohl in der Pflicht, mit immer besseren IT-Anwendungen zum Geschäftserfolg ihres Unternehmens beizutragen. Doch bleiben sie hinter diesem Anspruch aus Sicht des Business oft deutlich zurück.

Aber die Studie zeigt auch einen Ausweg: die direkte Einbindung des CIO in die Strategiebildung. Wo dies geschieht, ist die Leistung der Unternehmens-IT erheblich höher — in vielen Bereichen sogar doppelt so hoch. Das gilt vor allem für IT-Felder, in denen eine enge Zusammenarbeit mit dem Business besonders wichtig ist.

FAZIT: WER ZUSAMMENARBEITET, IST IM VORTEIL

Dass die Einbindung des CIO in strategische Entscheidungsprozesse sich derart stark auf die Leistung der IT auswirkt, hat viele erstaunt. Doch eigentlich kann es kaum verwundern, dass Business und IT einander besser verstehen, wenn sie im selben Boot sitzen. Und dass ein IT-Manager sich für eine Strategie begeistert, die er selbst mitentwickelt hat. Wer versteht, wie wichtig sein Beitrag zur Wertsteigerung des Unternehmens ist, wird ihn gerne leisten.

Das wirklich Erstaunliche ist deshalb, dass bisher so wenige Unternehmen diesen Weg gehen. Umso mehr profitieren diejenigen, die es doch tun, im Wettbewerb. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem viel davon abhängt, dass die nächste Digitalisierungsphase gelingt.