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Digitales Arbeiten verändert alles

Die „Digitale Transformation“ lauert überall — vor allem als Worthülse. Durch den häufigen Gebrauch hat sich der Begriff etwas abgenutzt. Leider. Denn die „Digitale Transformation“ steht im Geschäftsleben für etwas, was im Privaten längst unumstritten stattfindet. Sie ist ein Prozess, der schon vor Jahren schleichend begann und erst jetzt die Aufmerksamkeit erfährt, die er verdient.

Was ich damit sagen will: Dass die Mehrzahl der Arbeitsprozesse — von der Produktion bis zur Kommunikation — heute von leistungsfähiger Rechentechnik unterstützt wird, ist selbstverständlich. Doch auf den meisten Schreibtischen steht nach wie vor ein herkömmliches Telefon, wenn überhaupt nur durch rudimentäre Funktionen mit dem Arbeitsplatzrechner verbunden. Zu Meetings trifft man sich im Konferenzraum, die Präsentation erhält jeder Teilnehmer als Ausdruck, damit er sich Notizen machen kann. Klingt altbacken? Ist es auch. Und dennoch gelebte Realität in den meisten mittelständischen Unternehmen.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt gute Gründe, sich von Angesicht zu Angesicht zu einem einem Meeting zu treffen. Auch ist mir wohl bewusst, dass nicht jeder Mitarbeiter zwingend hippe Technik im Überfluss benötigt. Nicht nur Kosten-, auch Nutzen- und Datensicherheits-Überlegungen können dagegen sprechen. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass Unternehmen die Potenziale der Digitalisierung noch lange nicht ausschöpfen.

Die „Digitale Transformation“ findet ganz automatisch statt

Was wir privat schätzen, möchten wir natürlich auch in unserem Berufsalltag nutzen: Live-Chats zum schnellen Informationsaustausch, E-Mails checken und auf Dateien zugreifen, auch wenn man unterwegs ist, oder per Stream eine Veranstaltung verfolgen. So schleichen sich die digitalen Lösungen praktisch in den Arbeitsalltag ein. Nicht ganz einfach für IT-Abteilungen, müssen sie doch auf Kompatibilitäten und Datensicherheit achten. Die Diskussionen um Bring-Your-Own-Device– und Mobile-Business-Konzepte sind noch immer in vollem Gange.

Ich glaube, bisher liegt der Fokus zu sehr auf einzelnen Lösungen. Wie können Mitarbeiter von unterwegs auf ihre Businessdaten zugreifen? Oder wie lassen sich Tablets sicher in die IT-Infrastruktur einbinden? Was mir dabei fehlt, ist der Blick auf das große Ganze, darauf, wie digitale Technologien nicht nur einzelne Prozesse, sondern unsere gesamte Art und Weise zu arbeiten verändern. Vielleicht sind virtuelle Teams effektiver, weil jeder dort arbeiten kann, wo er möchte? Oder vielleicht wird das Auto zum mobilen Arbeitsplatz, wenn es erst autonom fährt?

Was soll die Digitalisierung bewirken?

Trotz aller Euphorie für einen digitalen Wandel bin ich auch Realist. Ich halte wenig davon, darauflos zu digitalisieren, nur um des Digitalisierens willen. Vielmehr brauchen Unternehmen eine digitale Strategie. Bei meinen täglichen Gesprächen mit Kunden empfehle ich Unternehmen, sich individuelle Leitsätze zu geben, die definieren, was die Digitalisierung konkret bewirken soll. Die Automatisierung von Prozessen kann ein Ziel sein oder die Verbesserung der Usability im Allgemeinen oder Ähnliches. Solche Leitsätze müssen zum Unternehmen passen, sinnvoll und erreichbar sein — alles partout zu digitalisieren bringt wenig, wenn das Geschäft vom menschlichen Miteinander lebt.

Wir bei mod beschäftigen uns täglich mit der „Digitalen Transformation“, deren Auswirkungen auf Unternehmen und möglichen Konzepten, wie sie sich von einem drohenden Damoklesschwert in reale Chancen umwandeln lässt. Natürlich auch bei mod selbst. Jetzt gerade in diesem Moment, in dem ich diese Worte verfasse, bin ich in Aachen unterwegs, um einen Kunden zu treffen. Ich bin früh dran und sitze deshalb noch im (parkenden) Auto und arbeite mit Tablet und Smartphone — als wäre ich in der Firma. Ganz normal inzwischen.