ITIL® ist für mittelständische Unternehmen viel zu aufwändig. Oder doch nicht?

IT-Abteilungen haben es dreifach schwer: Nahezu jeder Business-Prozess basiert heute auf IT und verlangt stabile und performante Rechentechnik. Zugleich verlangen die Fachabteilungen flexible IT-Services, die sich am schnell wandelnden Geschäft ausrichten. Und als wäre dies nicht genug, sahen sich IT-Abteilungen gerade in den letzten Jahren einem enormen Kostendruck gegenüber. Dabei arbeiten in mittelständischen IT-Abteilungen im Gegensatz zu großen Konzernen oft nur wenige Mitarbeiter. Ich verrate Ihnen nichts Neues, wenn ich behaupte, dass gut organisierte IT-Prozesse unerlässlich sind.

Aber ITIL® ist doch nun wirklich der Kanonenschuss auf einen Spatzen, oder?

Strukturierte Prozesse lassen sich am besten mit Hilfe eines erprobten Frameworks umsetzen, an dem man sich entlang hangeln kann. ITIL® (IT Infrastructure Library) ist ein solches Framework, welches sich in den letzten Jahren — oder man muss schon sagen Jahrzehnten — etabliert hat. ITIL definiert Prozesse und Rollen, die für den Betrieb einer IT-Infrastruktur notwendig sind. Soweit, so gut. Doch ITIL® nimmt dies sehr genau und definiert schon mal fünf, sieben oder noch mehr Rollen für einen eher simplen IT-Beschaffungsprozess. Das kann bei einem Mittelständler, der im Vergleich zu einem Konzern nur wenige IT-Mitarbeiter beschäftigt, nicht mehr als ein Schulterzucken auslösen. Ist ITIL® für kleine und mittelständische Unternehmen schlicht überdimensioniert? Ja und nein.

Ich möchte Ihnen diese uneindeutige Antwort erläutern. Dass eine funktionierende IT definierte Prozesse benötigt, ist sicher unumstritten. Die Frage, warum man Standards wie ITIL® benötigt, stellt sich also eigentlich nicht. Viel interessanter ist es, zu hinterfragen, wie man ITIL auf das eigene Unternehmen adaptieren kann. Denn ITIL® ist kein starres Regelwerk, das seinen Nutzern Fesseln anlegt. Weniger ist hier mehr. Soll heißen: Es sollten nur Prozesse, die einen wirklichen Mehrwert für das Unternehmen bringen genutzt werden. Das klingt zunächst banal. In der Praxis ist es jedoch nicht ganz so einfach, das umfassende ITIL®-Werk zu vereinfachen.

ITIL® und die Cloud

Besonders wenn die Infrastruktur umfangreicher oder diversifizierter wird — wie etwa wenn Cloud-Lösungen die IT-Umgebung erweitern — sind eindeutig definierte Prozesse unerlässlich. Nehmen Sie als Beispiel die Sicherheitsanforderungen in einer externen Cloud. Wer hat hier welche Zugriffsrechte und wie sehen die Eskalationsprozesse im Falle eines Sicherheitsvorfalls aus? ITIL® bietet für solche und alle anderen IT-Servicefälle Best Practices, an denen man sich orientieren kann.

ITIL® ist als Gesamtwerk für ein mittelständisches Unternehmen zu mächtig, da stimme ich den Kritikern zu. Aber als Grundlage bietet es wertvolle Ansätze, die, kritisch hinterfragt, auf die eigenen Bedürfnisse adaptiert werden können.

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