Warum wir Spiritualität oft falsch angehen

Steffen Schulz
Jun 14 · 3 min read

Ich war schon immer ein Hippie. Früher hat man mir das auch angesehen. Ich trug bunte Kleidung, Schlaghosen, Dreadlocks und war oft ohne Schuhe unterwegs. Morgens habe ich Yoga praktiziert, tagsüber die Bhagavadgītā gelesen und abends über Esoterik philosophiert und versucht so viel Gras zu rauchen, wie ich mir leisten konnte.

Photo by Vasilios Muselimis on Unsplash

Ich habe Spiritualismus genutzt um „high“ zu werden und mein Bewusstsein zu erweitern. Ich habe mich nur noch mit Gurus und heiligen Lehren beschäftigt, die mich zur Erleuchtung führen und die Welt verändern.

Meine damals unselbstständige Herangehensweisen bezeichnet man als spirituellen Materialismus.
Dass ich lediglich versucht habe, meinem tristen Leben zu entfliehen, indem ich mich den Ritualen und Philosophien der spirituellen Traditionen hingegeben habe und die passenden Kostüme trug, habe ich damals nicht gemerkt. Erst nach langer Zeit habe ich festgestellt, dass high zu sein, nicht für immer hält und Spiritualität nichts damit zu tun hat mein Leben zu verlassen, um an einer schönen Lichtung zu leben.

Nein, ich habe gelernt, dass ich sehr viel mehr Training brauche, als ich ursprünglich dachte, um mein Bewusstsein zu transformieren und dass mein spiritueller Weg mehr von mir erwartet als er mir gibt. Ich bin aus meiner romantischen Vorstellung aufgewacht und habe realisiert, dass Spiritualität einen ehrlichen und mutigen Blick auf mein normales Leben, meine Herkunft und meinen Platz in der Gesellschaft bedeutet.

Photo by Aarón Blanco Tejedor on Unsplash

Durch meine wachsende Weisheit und desillusionierende Erfahrungen, habe ich meinen idealistischen Glauben an das spirituelle Leben als Selbstrettung und Ausweg aus der Gesellschaft aufgegeben. Ich versuche nicht mehr, in eine spirituelle Welt zu entfliehen, sondern bringe die Spiritualität in meinen Alltag ein.

Ich widme mich also meinen „westlichen“ Aufgaben und meiner Rolle als Mann. Heute beschäftige ich mich mit den Menschen, die ich früher versucht habe zu meiden und versuche ihre Einstellung zu verstehen. Ich habe eine Familie und sitze in einer Agentur an meinem Schreibtisch. Heute führe ein, damals hätte ich gesagt spießiges Leben, und bringe mein spirituelles Training, so häufig es geht mit ein.

Ich musste also einen langen Weg gehen und bin erst durch meine Veränderung zu einer realistischen Sichtweise gekommen. Eine Sichtweise die sich mit den wirklichen Beziehungen, dem Alltag und den ethnischen Dimensionen des spirituellen Lebens beschäftigt. Vielleicht muss es auch so sein; wie bei vielen Erfahrungen müssen wir erst den Berg erklimmen, um auf den Gipfel zu kommen.

Photo by Nicolas Cool on Unsplash

Heute habe ich verinnerlicht, dass ich die Dinge die ich verdränge oder vermeiden will, in mein Leben einschließen muss und nichts hinter mir lassen kann. Spiritualität bedeutet, zu ergründen, wer ich bin und nicht was ich will.

Spiritualität hat nichts damit zu tun nach Indien, Tibet oder Machu Picchu zu gehen, sondern nach Hause zu kommen.

Als ich das begriffen habe, habe ich eine Art spirituelles Leben entdeckt, dass erfüllt ist von Zufriedenheit und Unverfälschtheit; es ist eben beides, gewöhnlich und extraordinär. Diese Spiritualität erlaubt mir, das Wunder des Lebens zu genießen und dem Licht des göttlichen, durch mich zu scheinen.

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Celebrating the art of being a Modern Man.

Steffen Schulz

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👨‍💻Life & Business Strategist 🌱 🏋️‍♀️Writer & Trainer www.modernman.info

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