TRAINITY Modell — Ein Modell für Trainings

Es gibt unterschiedliche Wege ein gutes Training zu konzeptionalisieren und durchzuführen. Dabei können Dauer, Methoden und Herangehensweise variieren. Wenn man sich gute Trainings einmal von der Metaebene anschaut, kann man meistens drei Hauptaspekte erkennen: Inhaltlicher Input — Übungen — Reflexion.

<<You can find the english version of the TRAINITY Model here>>

Die Kombination aus diesen drei Aspekten habe ich griffig zusammengefasst und nenne sie TRAINITY Modell. In diesem Blogpost geht es um grundlegende Aspekte für gute und erfolgreiche Trainings, basierend auf dem TRAINITY Modell.

INPUT: Informieren und Handlungen inspirieren

ÜBUNGEN: Wissen anwendbar machen

REFLEKTION: Horizont erweitern und Theorie-Praxis-Transfer auf die eigene Person durchdenken

TRAINITY Model als Modell für Trainings

Was macht also ein gutes Training aus? Bei der Konzeptionierung des ersten Trainings wird diese Frage aufkommen, spätestens bei der Konzeption eines Train-the-Trainer. . Jedes Training sollte erklären, warum das gewählte Thema relevant und wichtig ist,elche Übungen eine praktische Anwendbarkeit schaffen können und wie durch Reflexion das Verständnis sowie die Wissensableitung unterstützt werden kann. An diese Grundfragen lehnt sich das TRAINITY Modell an und betrachtet die grundlegenden Aspekte eines guten Trainings etwas genauer.

INPUT: Informieren und Handlungen inspirieren!

In Trainingskontexten sind Trainer/innen typischerweise Personen, die mehr Wissen zu dem Trainingsthema haben als ihre Teilnehmer. Das bedeutet, dass Trainer/innen mit ihrem Wissen und Erfahrungen den Teilnehmern einen Mehrwert bringen können. Dies ist einer der Hauptunterschiede gegenüber dem Moderator. Moderatoren sind Experten für Prozesse, nicht für den Inhalt. Sie können eine Gruppe begleiten ohne inhaltlich involviert zu sein. Bei Trainer/innen geht es immer darum, der Gruppe das Wissen auf eine Weise zur Verfügung zu stellen, ohne dass es zur Über- noch zur Unterforderung kommt. Dies ist ein schmaler Grat, den Trainer/innen stets situativ anpassen müssen, um die bestmögliche Form der Wissensvermittlung zu finden. Für Beginnergruppen ist es wichtig die Inhalte leicht verständlich und klar zu vermitteln, Fachbegriffe zu erläutern und den Kontext des Wissens darzulegen. In Gruppen mit erfahrenen Teilnehmern geht es meistens darum tiefer in die Materie einzutauchen, Kontexte, Beispiele und Ableitungen gemeinsam zu definieren. Es kann sonst passieren, dass eine Gruppe schnell die Konzentration und Motivation verliert, wenn die Inhalte nicht gruppenspezifisch adressiert werden. Je mehr Vorwissen die Gruppe bereits hat, desto wichtiger ist es sie Teil des Inputs werden zu lassen, um das Wissen der Gruppe zu nutzen und Teilnehmer aktiv teilhaben zu lassen. Gute griffige Beispiele sind Teil eines jeden guten Inputs, egal welchen Kenntnisstand die Teilnehmer besitzen. Wiederholungen von Hauptaussagen sowie visuelle Unterstützung der Inhalte sind dabei äußerst wichtig und für erfolgreichen Input unumgänglich.

Die Mission von guten Inputs

Die Mission von guten Inputs besteht also darin als Trainer/in bestmögliche (viable) Wege zu finden, um die situativ wichtigsten und relevantesten Inhalte aufzubereiten und gut erklärbar zu vermitteln. Je nach Wissensstand der Gruppe hängt die inhaltliche Dichte sowie die bewusste Setzung von Begrifflichkeiten ab. Gute Inputs bleiben im Gedächtnis, da sie direkt sinn- und bildhaft mit bereits bestehendem Wissen verknüpft werden können.

ÜBUNGEN: Wissen anwendbar machen!

In Trainings entscheiden die Trainer/innen darüber, welche Übungen zur Aneignung sowie dem besseren Verständnis des neuen Wissens am besten unterstützen können. Entscheidend ist es Übungen zu wählen, die für die spezifische Teilnehmergruppe bereits machbar sind und das neu gelernte Wissen praktisch erfahrbar wird. Auf diese Weise wird das neue Wissen direkt mit neuem Handlungswissen verknüpft und vertieft. Trainingskontexte sollen ein “sicherer Ort” sein, an dem ausprobiert werden kann, ohne direkt die Konsequenzen in der Praxis zu haben. Auf diese Weise wird für den Einsatz und für das Ableiten das Wissen für die Praxis “geprobt” und ausprobiert. Dies bringt meistens Sicherheit und ein besseres Verständnis gegenüber den Inhalten und der eigenen Kompetenz dieses Wissen zu nutzen. Es macht es wahrscheinlicher, dass Teilnehmer nach dem Training das gelernte Wissen tatsächlich anwenden, da sie die ersten Erfahrungen in der Anwendung bereits gemacht haben. Es macht grundsätzlich Sinn Übungen zu wählen, in denen ein sinnhafter Bezug zur Praxis hergestellt wird. Übungen die lächerlich erscheinen oder zu unangenehm wirken, werden meistens von Teilnehmern gemieden oder nicht richtig ausgeführt. Die Gruppe kann je nach Übung und Kontext, in unterschiedliche Einheiten aufgeteilt werden. Es wird meistens unterschieden in

  • Plenum (Großgruppe mit allen Teilnehmern),
  • Kleingruppen,
  • Tandems oder
  • Einzelübungen.

Alle Einheiten haben ihre Vor-und Nachteile und müssen demnach stets in der Konzeption bewusst und sinnhaft gewählt werden. Ein Tipp hierzu ist: Je persönlicher die Übungen oder die zu bearbeitenden Themen sind, desto besser eigenen sich meistens Kleingruppen bis Einzelübungen. Auf diese Weise sind Teilnehmer eher bereit sich auszuprobieren. Gemeinsam kann danach, auf freiwilliger Basis, im Plenum darüber reflektiert werden. Auf diese Weise entscheiden Teilnehmer selbst, was sie teilen wollen und was nicht.

Die Mission von guten Übungen

DIe Mission von guten Übungen ist es das Wissen für echte Situationen handhabbar zu machen. Das bedeutet, dass der Transfer des Wissens durch gute Übungen bereits im Training passiert und in der Praxis ohne große Schwierigkeiten adaptiert bzw. angewendet werden kann. Es ist wichtig nicht nur praktische Erfahrungen zu machen, sondern häufig auch die Hemmschwelle der Anwendung zu minimieren. Gute Trainer/innen finden eine gesunde Balance, ihre Teilnehmer sowohl dabei zu unterstützen ihre Komfortzone in Übungen ein wenig zu verlassen als auch sich gleichzeitig sicher und geschützt zu fühlen.

REFLEKTION: Horizont erweitern und Theorie-Praxis-Transfer auf die eigene Person durchdenken

In Trainings unterstützen Trainer/innen die gelernten Inhalte sowie die Übungen durch gemeinsames Reflektieren. Auf diese Weise wird ein tieferes Verständnis geschaffen, Ableitungen werden gebildet und Anwendungsmöglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen herausgearbeitet. Es ist von großer Wichtigkeit genug Zeit zum gemeinsamen Reflektieren zu haben, um den Lerneffekt zu verstärken und den Erfolg des Trainings zu erhöhen. Teilnehmer erhalten die Möglichkeit Themen in neuen Zusammenhängen zu verstehen, andere Sichtweisen kennenzulernen und neue Erkenntnisse zu generieren. In Reflexionseinheiten wird stets die Möglichkeit gegeben die eigene Sichtweise kritisch zu überdenken und neue Sichtweisen in das eigene Gedankengut aufzunehmen. Reflexion findet demnach sowohl auf vorangegangene Erfahrungen statt als auch auf die Verknüpfung des neu erworbenen Wissens mit den zukünftigen Ableitungen für die Praxis statt. Erfahrene Trainer/innen leiten Reflexionsprozesse auf eine Weise an, dass bedeutungsvolle Gedanken, Ableitungen und Erkenntnisse entstehen können. Ein Tipp hierzu: Gerade wenn ein Training/ eine Übung nicht ganz nach Plan läuft, macht es Sinn über die gemeinsamen Erfahrungen zu reflektieren. Häufig entstehen neue Erkenntnisse, die sowohl die Teilnehmer als auch Trainer/innen weiterbringen.

Die Mission guter Reflexion im Training

Die Mission guter Reflexion im Training ist an bisherigen Erfahrungen anknüpfend neues Wissen anwendbar zu machen. Wichtig ist es, dass Reflexion auf das Wissen, die eigene Person und die Person im Spannungsverhältnis der eigenen Kontexte gewährleistet wird. Dann kann das Verständnis vergrößert werden und ein richtiger Mehrwert entsteht. Reflexion schafft demnach erst dann einen Mehrwert, wenn für die Praxis neue Ableitungen zur Veränderung der Haltung und/ oder Umsetzung entstehen.

Zusammenfassung:

Gute Trainings brauchen einen gut durchdachten Mix aus Wissensvermittlung, Wissen handhabbar erleben und darüber reflektieren zu können. Das TRAINITY Modell kann dabei helfen solche Trainings zu konzeptionieren, indem auf eine gute Balance der drei Kernaspekte (Input, Übungen, Reflexion) geachtet wird. Somit kann das TRAINITY Modell auch als eine Art Absicherung sowie zur Eigenkontrolle genutzt werden. Wichtig ist herauszuheben, dass das Modell kein lineares, sondern ein variables Modell ist. Es gibt also keine feste Reihenfolge, sondern je nach Thema, Kontext und Teilnehmergruppe unterschiedliche, sachlogische Aneinanderreihungen. Ich empfehle einen agilen Ansatz bei der Entwicklung von Trainingskonzepten zu wählen und Trainings stets mit den gemachten Erfahrungen weiterzuentwickeln. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass das Training sich im Laufe der Zeit verändert und (neuen) Gegebenheiten anpasst. Hierzu kann hervorragend das Feedback der Teilnehmer genutzt werden.

Unter Berücksichtigung des Urheberrechts darf das TRAINITY Modell gerne benutzt und verbreitet werden. Train-the-Trainer Trainings werden von uns angeboten und können auch als Inhouse Training angefragt werden. www.perturbaris.de


Originally published at perturbaris.de on October 11, 2017.