Können Low-Tech Phones die Welt verändern?

Das Smartphone beeinflusst unser Leben in jeglicher Hinsicht. „Lad mich! Gib mir WLAN! Du hast eine neue E-Mail! Les sie, jetzt sofort!“ Das Smartphone ist unser täglicher Begleiter und bestimmt unser Leben.

Wir sitzen in der Bahn und anstatt die Landschaft an uns vorbeiziehen zu lassen und mal abzuschalten, beantworten wir sofort die 20 neuen WhatsApp-Nachrichten, scrollen durch die Instagram-Fotos unserer virtuellen Freunde und schauen was Trump so Spannendes bei Twitter veranstaltet.

Ist dieses Verhalten notwendig? Das Mobiltelefon war ursprünglich dafür gedacht auch ortunabhängig erreichbar zu sein. Heute ist die ständige Erreichbarkeit vom Segen zum Fluch geworden.

Ein alter Bekannter wird zum Messe-Hit

Gestern wurde auf dem Mobile World Congress in Barcelona das passende Produkt zum Thema vorgestellt: Das Nokia 3310.

Wer wird da nicht nostalgisch? Das Nokia 3310 war im Jahr 2000 der absolute Bestseller unter den mobilen Endgeräten. Man konnte Bildmitteilungen verschicken und natürlich Snake spielen. Viele weitere Funktionen oder einen riesigen App Store brauchte das Gerät nicht, um zu begeistern.

Das neue Modell hat nun zumindest eine 2-Megapixel Kamera und ein farbiges Display. Und Snake gibt es auch heute noch. Ansonsten bleibt es bei den reduzierten Funktionen des Vorgängers. Damals State of the Art, heute ein absoluter Exot.

Der Trend: Low-Tech Phones

Vieles deutet darauf hin, dass Nokia gar nicht weit neben dem Zeitgeist liegt und das Low-Tech Phone zu einem Trend-Produkt werden könnten. Ein nahezu unzerstörbares Mobiltelefon, dessen Akku für eine Ewigkeit hält und das dann auch noch einfach zu bedienen ist — schlecht wäre das mit Sicherheit nicht.

Normalerweise misst sich technologischer Fortschritt darin immer weitere tolle Features und Funktionen zu ergänzen. Die Armbanduhr wird heutzutage zu einer Smartwatch, mit der man telefonieren, Nachrichten schreiben und im Internet surfen kann. Nicht, dass man noch das neueste (und dann doch meist belanglose) Update von seinem Lieblingsstar verpasst — #justinbieber.

Der neue Trend ist also bewusst auf komplizierte und teure Technik zu verzichten und Low-Tech schätzen zu lernen.

Einer der Vorreiter dieser Bewegungen ist The Light Phone. Die Initiatoren hinter dem Projekt haben eine triviale und doch so wichtige Erkenntnis frühzeitig gehabt. Das typische Smartphone — das mobile Endgerät, welches wir täglich rund um die Uhr mit uns herumtragen, ist kein einfaches Mobiltelefon mehr. Es ist ein kleiner Computer.

Ein Computer, der immer bei uns ist. Doch wir gehen nicht wie ein Computer mit ihm um. Wir schalten ihn nicht aus. Wenn wir ihn im Büro oder Zuhause lassen, wären wir nicht mehr erreichbar. Aus diesem Grund wäre es durchaus sinnvoll, ein Gerät zu besitzen, mit dem man die ursprünglichen Funktionen eines Handys ausüben kann: Telefonieren und SMS schreiben, nur eben ohne das Ablenkungspotential unserer modernen Smartphones.

Das Beste aus beiden Welten

Einfach mal wieder bei einem Spaziergang zur Ruhe kommen und nur im Notfall erreichbar sein. Seinen Partner mal wieder entspannt zum Essen ausführen und nur für den Babysitter ein Handy dabei zu haben. Mit Freunden einen entspannten Urlaub genießen und trotzdem den Daheimgebliebenen ein Lebenszeichen senden zu können.

Wie viele Stunden verbringen wir täglich an unseren Smartphone-Computern? Wie viel Lebenszeit würden wir dazugewinnen, wenn wir sie nicht mehrmals täglich benutzen würden? Wie viel verpassen wir in unserem Leben?

Der Filmemacher Gary Turk beschäftigt sich genau mit dieser Frage und regt mit seinen Videos zum Nachdenken an. Hätten wir unsere große Liebe vielleicht nie kennengelernt, wenn wir unser Smartphone nach dem Weg gefragt hätten?

Turk trifft den Nerv der Zeit. Er fordert auf:

,,Look up from your phone! Live life the real way!“

Low-Tech Phones geben uns die Möglichkeit, wieder ein Mobiltelefon bei uns zu tragen und keinen Mini-Computer, der unser Leben bestimmt. Ein Gerät, mit dem wir jederzeit erreichbar sind, aber nicht dazu verführt werden, kostbare Lebenszeit zu verschwenden. Man ist nicht mehr auf der Suche nach WLAN, einer Steckdose oder den neusten Statusupdates. Man genießt stattdessen den Moment, kommt zur Ruhe und geht mit offenen Augen durch das Leben.

von Hannes Putzig und Nina Feldkamp

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