Demut und Hingabe

Da sind wir doch am Ende des Tages bei Matthäus gelandet, genauer, bei Pasolinis Matthäusverfilmung.

Mit dem Blick auf die blondgelockten Blauaugen in den Krippen dieser Welt wurde es wohl vor nun schon 50 Jahren Zeit für eine etwas herbere Darstellung in Schwarz-Weiß, die dann im Einklang mit der Musik von Bach das ganze Spektrum der Emotionen zum Leuchten bringen kann.

Und wenn dann noch schwarzer Gospel den Besuch der Heiligen Drei begleitet – das trifft.

Aber eigentlich drehten wir unsere engen Runden um ein echtes Tabu-Wort: Demut. Oder auch Hingabe. Um das, was bleibt, wenn alles andere geht. Wenn das Leben sich so benimmt, dasss nichts mehr planbar ist. Wenn das Leben sich alles nimmt, was mein Leben zu sein schien. Wenn das Leben nimmt, was es mich zu meinen Leben hat werden lassen: Meine Kraft, meinen Verstand, meinen Willen. Wenn das Leben auf den Gründonnerstag zusteuert. Wenn die Liebe zu Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele, mit ganzem Verstand schroff die Frage aufwirft, wessen Wille denn nun geschehen soll. Demütig sich hineinbeugen in den Willen eines anderen, des Anderen. Sich hineinbeugen, nicht hineinbiegen lassen. Nicht zum Opfer werden, sich ganz entschlossen hingeben. Ein Handelnder bleiben oder werden, auch wenn gerade das zusammenbricht, was ich als meine Welt aufgebaut habe.

In den biblischen Texten sind viele Marien unterwegs – Maria von Nazareth als Urbild der Demut sagt den entscheidenden Satz: „Mir geschehe nach deinem Willen“ – Maria von Magdala ist die Maria, die sich einfach zu den Füßen ihres Meisters als Hörende auf ihn und als Bleibende in seiner Gegenwart, als Kontemplative im Angesicht des Heiligen niedersetzt. Sie ist es auch, die ihn nach dem Tod, in dem sie alles, nämlich ihn, verloren hat, wieder erkennt, auch wenn er unfassbar geworden ist. Doppelt redet er sie an: Er kennt ihren Namen und spricht ihn aus – und er lässt sich von ihr nicht halten – sein Leben ist durch die Hingabe gewandelt, ist nicht mehr definiert, lässt sich nicht mehr halten. Freier kann er nicht werden, von dieser Freiheit soll Maria künden.