Design als Hilfssystem

»Design — Protest«


1. Das Design Dilemma

Das Seminar »Designwissenschaften« bei Prof. Dr. Kerstin Plüm im WS 11/12 entwickelte aus der Gegenüberstellung der Begriffe »Design« und »Protest« die Aufgabe einen Missstand aufzuzeigen, von dem sich die Seminarteilnehmer in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang oder einem Teilbereich betroffen fühlten. Darüber hinaus konnte eine Lösungsperspektive unter Zuhilfenahme von Design aufgezeigt werden.

Während des Seminarverlaufs bereiteten die Studierenden zwecks persönlicher Themenfindung Referate zu unterschiedlichen Protestformen vor. Stiller Protest, ziviler Ungehorsam, Boykott und Sabotage, Revolution oder Reformation. Die vorgestellten Protestformen wurden zumeist anhand einer Person vorgestellt, die selbst die Diziplinen Kunst oder Design nutzten, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen. So wurde es möglich sich durch Hintergrundinformation und offener Diskussion eine persönliche Haltung zu den thematisierten Protestformen zu erarbeiten.

Gestaltung ist Haltung

Aus der Perspektive eines Kommunikationsdesigners heraus theoretische Arbeit zu leisten, erfordert zunächst eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Disziplin Design, und der eigenen Rolle, in die man durch die gewählte Ausbildung hineinwächst. Dabei ist es hilfreich sich der unterschiedlichen Möglichkeiten zur Ausprägung eigenen Spezialistenwissens und die damit verbundenen Arbeitsfelder, die einem Designer offen stehen, bewusst zu sein. Andererseits geschieht eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Profession nicht zwangsläufig — obwohl die Disziplin in sich dankbar ausdifferenziert ist und ein theoretischer Zweig besteht — da die Ausbildung zum Kommunikationsdesigner in erster Linie eine abhängige Anstellung zum Ziel hat. Um das Gefühl der Alternativlosigkeit noch zu verstärken, besteht innerhalb des Studienzweigs kein Konsens darüber, welche Haltung man als Professioneller entwickeln sollte und obwohl die berufliche Selbstständigkeit oder eine weitere fachliche Spezialisierung durchaus begrüßt werden, sind die sich daraus für die meisten Berufsanfänger ergebenden Perspektiven keine realistische Alternative und somit eine Anstellung in einem des Konsumzyklus angeschlossenen Produktionszweigs die allgemein angesehene Entscheidung. Möchte man jedoch nicht die Rolle eines Beschleunigungsmotor, für einen dem Menschen gleichgültig gegenüberstehenden Konsumzyklus, einnehmen, sieht man sich bereits während der Ausbildung ohne Orientierung.

Qualität zur Manipulation

Kommunikation übt bereits unbewusst Einfluss auf die Entscheidungen aus, die wir alltäglich treffen. Die durch die Ausbildung zum Kommunikationsdesigner erhaltenen Werkzeuge zur Medienbearbeitung sind durch ihre, für Laien nicht mehr zu durchschauende, Qualität zur Manipulation uns täglich umgebender Medien und Informationen äußerst machtvoll. Eine grundlegende Berufsethik, die ein professioneller, zielgerichteter Umgang dieser Werkzeuge mit sich bringt, wird hingegen nicht vermittelt. Kommunikationsdesign, als teils wissenschaftliche, teils handwerkliche Profession gestaltet Kommunikation nach vordefinierten Zielen und übt damit eine nicht zu unterschätzende Macht über unser Verhalten aus. Der damit verbundenen Verantwortung sind sich die meisten Professionellen aber entweder nicht bewusst, oder sie sind nicht bereit diese zu übernehmen. Der Grund für diese Ignoranz oder Abwehrhaltung liegt zum Teil in mangelnder diesbezüglicher Ausbildung und Vorbereitung, aber auch in einer Schutzreaktion begründet. So kann es überfordernd wirken, sich einer (diffusen) gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu sein, während die eigene Existenz an einen Wirtschaftszweig gebunden ist, der einem verantwortungsvollen Humanismus zuwider handelt. Somit verhindern wirtschaftliche Zwänge eine kritische und verantwortungsvolle Positionierung, da auch in der Ausbildung keine prägnant zu erkennenden Alternativen angeboten werden.

Die goldene Schnittmenge

Ist es für professionelle Kommunikationsdesigner möglich eine — einem humanistischem Menschenbild gemäße — gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen? Ist es dabei realistisch eine Tätigkeit zu finden, von der man leben kann, nachdem man den Zweig Marketing und Werbung ausgeschlossen hat? Verbleiben überhaupt Arbeitsfelder nachdem man dies getan hat? Und kann eine solche Möglichkeit aus der Schnittmenge von Methoden und Bedarf hergeleitet werden?

Ganzheitlich ‘was Anderes machen

Die akademische Disziplin Kommunikationsdesign bietet ganzheitliche Lösungsstrategien an. Diese Strategien sollen nicht allein zur Verkaufssteigerung genutzt werden, sondern können auch realistisch eingesetzt werden, um gesellschaftlich relevante Prozesse anzutreiben. Optimal sollte Kommunikationsdesign eingesetzt werden, um zu Veranschaulichen und das Aufnehmen und Erlernen von Informationen intuitiverer zu gestalten.

Das Briefing als Wegweiser aus dem Dilemma

Um zu verstehen, welche Handlungsoptionen das Kommunikationsdesign ermöglicht, ist es sinnvoll zu verdeutlichen, welche Werkzeuge die Disziplin bereitstellt. Wenn man die im Folgenden näher vorgestellten Werkzeuge und Methode genauer betrachtet, ist fest zu stellen, dass Kommunikationsdesign viele Schnittmengen mit anderen Disziplinen und deren Arbeitsfeldern bietet. Darüber ist realistisch zu erkennen, wo ein Befarf besteht, Kommunikationsdesign einzusetzen und wie dies für den Designer als Akteur wirtschaftlich tragbar ist. So ist vorstellbar, andere Problemfelder zu bearbeiten, als das der Konsumsteigerung in der Privatwirtschaft.

2. Der Designprozess als Handlungsperspektive

Kommunikationsdesign teilt sich Methoden mit anderen akademischen Professionen. Dieser interdisziplinäre Charakter ergibt sich aus einem Zusammenspiel von Theorie und Praxis während des Designprozesses. Dessen Ablauf vollzieht sich dabei immer gleich und vereinigt in sich Techniken der Sozialwissenschaft, des Marketings, der Psychologie und der Kunst. Der Designprozess beginnt mit einer strategischen Phase, in der die Analyse einer Problemstellung vorgenommen wird. Hier erfolgt eine Zusammenfassung der Aspekte, die zum Umfeld des Problems gehören. Dies geschieht kontextuell und ganzheitlich. Darauf folgt eine konzeptionelle Phase in der eine Lösungsperspektive beschrieben wird. In der nächsten Phase wird die Idee entwickelt, die im Rahmen des zuvor erarbeiteten Konzepts, die Lösung für das am Anfang des Designprozesses stehende Problem darstellt. In diesen frühen Phasen des Designprozesses kommen quasi-wissenschaftlich, Methoden der Forschung zum Einsatz, indem der Designer beschreibt, analysiert und beobachtet.

Der Analyse, Strategie, Konzeption und Idee folgt eine durchaus handwerkliche Phase, in der mittels der Werkzeugpalette eines Kommunikationsdesigns die theoretisch erarbeitete Idee zur Lösung in die Praxis übersetzt wird. Diese Werkzeugpalette bietet Schnittmengen zur Kunst und Architektur und des Managements. All dies steht unter einem unternehmerischen Aspekt, in dem psychologisch, soziologisch und wirtschaftlich die Frage »Wie erreiche ich meine Zielgruppe & welches Budget steht zur Verfügung?« zentral ist. Was den Designer bei all dem auszeichnet, ist seine ganzheitliche Perspektive auf die von ihm betriebenen Prozesse. Dies ist bezeichnend für die Disziplin Design, und kann durchaus auf alle vorstellbaren Probleme übertragen werden.

Die Werkzeug- und Methodenpalette

Elementar für das Kommunikationsdesign sind der Einsatz von Grafik, die sich aus Form und Farbe zusammen setzt. Daraus entwickelt sich das Symbol, das bereits einen kulturellen Bedeutungsinhalt transportiert. Einen weiteren grundlegenden Formenkanon bietet die Typografie, eine zur eigenständigen Wissenschaft erhobenen Teildisziplin des Kommunikationsdesign, die den Entwurf und den Einsatz von Zeichen zum Inhalt hat. Diese Methoden des Design bedienen sich bereits soziologischer und psychologischer Erkenntnisse, die Wahrnehmungs- und Farbpsychologie, sowie Lesegewohnheiten thematisieren. Im Spezialistenwissen zur Postproduktion von Bild, Bewegtbild und Klang liegt eine immense Macht zur Manipulation.

Das Editorial Design, als Unterdisziplin des Kommunikationsdesign bietet eine weitere wesentliche Methode, die der Kontextualisierung von Inhalten innerhalb eines Mediums. Hierbei geschieht eine Ordnung und Strukturierung der Inhalte mittels auf geometrischer Berechnung basierenden Rastern, wobei die Berücksichtigung von Lesegewohnheiten und Wahrnehmungspsychologie eine maßgebliche Rolle spielt.

Einen Kontext zwischen verschiedenen Inhalten herzustellen ist auch intermedial möglich, wenn man sich die sogenannte »Erweiterte Realität« oder englisch; »Augmented Reality« vor Augen führt: Mit der Hilfe von Geräten, die gleichzeitig Eingabe-, sowie Ausgabegerät sind, ist es möglich die abgebildete Aufnahme der Umgebung mit verschiedenen Informationsebenen zu überlagern. So bietet ein mit dem Internet verbundenes Mobiltelefon, die Möglichkeit, ein mittels der eingebauten Kamera aufgenommenes Bild einer bekannten Landmarke, auf dem eingebauten Bildschirm darzustellen und diese Darstellung mit verschiedenen, aus dem Internet bezogenen Meta-Informationen zu versehen. So ist es möglich durch ein abbildgebendes Gerät die Abbildung in Echtzeit mit verschiedenen Informationsebenen zu betrachten.

Bildgebende Geräte umgeben uns dabei bereits ganz selbstverständlich im Alltag. Wobei die Eingabegeräte sich rasant entwickeln. So verschwinden Tastengesteuerte Eingabemedien zusehens aus unserem Alltag und werden durch berührungssensitive Eingabemedien ersetzt, wobei diese bereits im Begriff sind von sprach- und gestengesteuerter Eingabe ersetzt zu werden. Damit sich die Nutzer zurecht finden, entwerfen Designer unter dem Begriff »Interface Design« immer neue Benutzeroberflächen, wobei die Prinzipien, nach denen entworfen werden, die gleichen sozio-kulturellen und evolutionären sind, die sich in den Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie und den Lesegewohnheiten abzeichnen.

Werbung versucht durch Kommunikationsdesign und andere ästhetische Disziplinen, wie Street Art, Performance und Kunst Einfluss auf die Konsumenten auszuüben, aber ohne diese zu ermündigen. Eher ist ein gegenteiliger Effekt zu beobachten; es geht darum die Menschen zu entmündigen und an das zu bewerbende Produkt zu binden, sie zu unkritischen Konsumenten zu erziehen oder sie einzubinden, wenn sie kritisch sind und dabei doch immer einen Schritt voraus zu sein, damit in letzter Konsequenz ein Kauf zustande kommt.

Es werden dabei nicht nur Konsumenten angesprochen und Trends aufgegriffen, sondern über Strategien auch Konsumverhalten geprägt und Fetische geschaffen, die wiederum das Lebensgefühl der Konsumenten beeinflussen. Es ist ein Spiel, in dem es darum geht zu gewinnen, wobei dem Verlierer das Gefühl gegeben werden soll der Gewinner zu sein, nachdem er durch Fetisch und Status seinen Lebensstil vermeintlich aufgebessert hat. Medial gesehen ist eine Werbekampagne omnipräsent, alle Kanäle bespielend, kann sie offen in einem aggressiven Dauerfeuer auf die Konsumenten abgefeuert werden oder subtil infiltrierend einwirken.

Da auch in den Schulen Design als Disziplin nicht gelehrt und somit transparent gemacht wird, um potentielle Konsumenten nicht zu ermündigen, haben der Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen, im Rahmen der Modefotografie irreführende und zum Teil gefährliche Auswirkungen auf die Rezipienten. Ebenfalls gefährlich werden können der von der Werbeindustrie inszenierte Marken- und Konsumfetisch, sobald Menschen sich verschulden, um durch den Besitz von Statusobjekten eine Verbesserung ihres Lebensstils zu erreichen.

3. Design als Hilfssystem

Kommunikationsdesign bietet ausserhalb der Verkaufssteigerung maßgeblich zwei Wirkungsfelder, die ebenso etabliert, aber in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so präsent sind. In einem vor Marktzwängen geschützten Bereich, kann Kommunikationsdesign Inhalte zugänglich machen. Die Mechanik ist dennoch eine mit der Werbung vergleichbare, da auch hier eine Prägnanz im Ausdruck des Senders und eine Begeisterung beim Empfänger ausgelöst werden sollen. So bietet zum Beispiel ein Ausstellungskontext vielfache Möglichkeiten eine Idee zu entwickeln, eine Geschichte zu erzählen und dies anhand gezielt ausgewählter Medien zu tun.
Kommunikationsdesign kann Menschen mit mangelnder Medienkompetenz unterstützen, den Erfordernissen des Alltags gerecht zu werden.

Schlechtes Kommunikationsdesign ist mindestens fahrlässig

Unbewusst wirken die Regeln der allgemeinen Wahrnehmungspsychologie auf die Rezipienten ein. Dabei stehen dem Kommunikationsdesigner die Erkenntnisse zur Lesetypografie, Farbpsychologie und der Gestaltgesetze zur Verfügung. So ist es Kommunikationsdesign möglich Einfluss auf die Aufnahme von Informationen zu üben. Dies geschieht häufig in Entscheidungssituationen, in denen auf der Basis von Vorannahmen der innere Monolog »Kaufe ich etwas«, »Lese ich etwas«, »Kann ich mich orientieren« nicht einmal bewusst wird. Ungültige Kommunikation irritiert dabei, indem es sich der Aufnahme verweigert. Dies kann in Bezug auf bestimmte Informationen, die nicht bereit gestellt werden sollen, durchaus intendiert sein, wie zum Beispiel das sprichwörtliche »Kleingedruckte« in einem Kaufvertrag. Für den Kunden kann dies eine Verschuldung zur Folge haben.

Der Zusammenhang, dass Elemente der Kommunikation auch unbewusst auf uns wirken, kann zum Beispiel in unübersichtlichen Situationen als belastend empfunden werden. Sich der Aufnahme verweigernde Kommunikation kann dabei irritieren und missverständlich sein, was in Flucht-, und Gefahrensituationen, oder in einem System der Bildung — also immer dann, wenn Leben davon abhängen — fatale Auswirkungen haben kann.

Kommunikationsdesign als Werkzeug der Edukation

Eine Ausstellung setzt konzeptionell Inhalte zu einander in Beziehung, was Kuratieren genannt wird. Dieses Vorgehen trägt eine Autorenschaft und verfolgt ein Ziel. In diesem Zusammenhang der Wissensvermittlung kann ein Designer sowohl selbst kuratieren, als sich auch auf die Konzeption der Informationsvermittlung und deren Elemente beschränken. Eine Ausstellung ist als Format zur Wissensvermittlung mit einer gewissen Einstiegshürde im Nachteil. Es ist ein exklusives Format, allerdings ist von Vorteil, dass das Format den Rahmen der Wissensvermittlung selbst bestimmt und dabei alle optimalen Medien einsetzen kann. So kann es sehr prägnant sein.

Die meisten Reziepienten erreicht das staatliche System zur Schulbildung. Im Rahmen der Grund- und Weiterführenden Schulen besteht ein großer Bedarf die Lehr-, und Unterrichtsmaterialien, wie Schulbücher und Arbeitshefte bestmöglich zu gestalten. Beispiele für mangelhaft, oder fahrlässig gestaltete Unterrichtsmaterialien finden sich leicht. So etwa, eine irreführende Illustrationen die eine Arbeitsaufgabe in der Mathematik begleitet, ohne den Kontext zu behandeln, oder ein schlecht strukturiertes Textbuch das mit zu vielen Informationsebenen und Auszeichnungsfarben verwirrt. Ebenso Texte, die sich der Aufnahme verweigern, da die Zeilen zu dicht zueinander gesetzt sind, weshalb es für das Auge ermüdend ist, die gebotenen Informationen aufzunehmen. Wenn es dort um die Vermittlung von Inhalten geht, kann der Designer eine maßgebliche Rolle bei der Gestaltung und Weiterentwicklung didaktischer Materialien, also Lehrmaterialien für die Schule spielen. Wo es — vergleichbar mit kaum einem anderen Medium — entscheidend ist, die präsentierten Inhalte möglichst optimal zu vermitteln, kann der Designer eine Zentrale Rolle nicht nur bei der fachlichen Gestaltung der Materialien spielen, sondern auch als Vermittler zwischen Wahrnehmungspsychologie und ihrer Anwendung durch die Lehrkräfte.

Der unterbewusste Einfluss von Kommunikation beschränkt sich nicht auf die Medien, die wir gezielt konsultieren, um an Wissen zu kommen, sondern wirkt auch durch die Medien, die uns alltäglich in umgeben. Die verantwortungsvollste Aufgabe die Kommunikationsdesigner übernehmen können, teilt eine Schnittmenge mit der Architektur. Konzept und Entwurf von Orientierungssystemen für den Verkehr, den öffentlichen Raum, temporäre Großveranstaltungen und für öffentliche Gebäude. Wir besuchen große Sportveranstaltungen und Museen, nutzen Flughäfen und Autobahn ganz selbstverständlich und sind dennoch stark auf die bereitgestellte Kommunikation, die speziell an den Ort angepasst sen muss, angewiesen. Dabei orientieren wir uns, um zu unserem Ziel zu gelangen an den Namen, Symbolen und Farbcodierungen dieser Systeme. Besonders direkt und prägnant muss Orientierung in Flucht-, und Katastrophensituationen funktionieren.

Orientierungssysteme, Gebrauchsanweisungen und Benutzeroberflächen haben als gemeinsamen Nenner das Icon: Sprachfreie Symbole, die in maximal reduzierter Form eine Metainformation kommunizieren. Diese Metainformation kann eine Handlungsanweisung, einen Sachzusammenhang oder einen Hinweis auf eine Funktion beinhalten. Dabei ist es wichtig, dass ein Icon prägnant auf seine wesentliche Aussage reduziert ist, damit der Nutzer die kommunizierte Funktion schnell erfassen und immer wieder erkennen kann, sobald sie erlent ist. Die Anforderung an Sprachfreie Kommunikation ist es, selbst erklärend zu funktionieren. Kommunikationsdesign kann, wenn es die Wirkungen der Gestaltgesetze, der Lesegewohnheit und der Farbpsychologie nutzt, die Wahrnehmung lenken und eine Fokussierung auf prägnante Inhalte erreichen, ohne eintönig zu sein. So ist es dem Designer möglich die Informationsaufnahme zu erleichtern und dadurch Interesse weckend und Konzentrationsfördernd zu wirken. Bei der Nutzung von Kommunikation hat jeder Mensch eine unterschiedlich gelegene Einstiegshürde. Unter dem Stichwort »Usability«, also Benutzbarkeit, sollte es für einen Kommunikationsdesigner das Ziel sein, einen Einstieg in die kommunizierenden Medien zu vereinfachen und die Erlernbarkeit zu steigern.

Kommunikationsdesign als Werkzeug der Emanzipation

Kommunikationsdesign kann als Hilfssystem zur Lebensbewältigung dienen. Dort wo es in kompexen und unüberschaubaren Situationen die wesentlichen Informationen prägnant herausstellt und daraus Handlungsmöglichkeiten veranschaulicht, kann Kommunikationsdesign als Methode der Orientierung, Ordnung und Strukturierung von überfordernden Lebensweltlichen Aufgaben und Problemen dienen. In diesem Fall bedeutet dies Hilfestellung zu geben, um an Wissen zu kommen und den Umgang mit gewonnenen Informationen zu erleichtern.

Es bieten sich verschiedene Szenari an, im Rahmen derer Kommunikationsdesign den Nutzern Hilfestellung leistet, um an Wissen zu gelangen. Zum Beispiel entstehen mehr und mehr Benutzeroberflächen für Anwendungen, die quasi sozialarbeiterische Funktionen übernehmen, wie zum Beispiel Rechnungen und Folgekosten zu veranschaulichen, eine Schuldenberatung verständlich aufzubereiten, Aufgaben zu hierarchisieren.

Einige Formate bieten sich nur an, wenn man die initiativ Interessierten erreichen möchte, wie zum Beispiel in der Erwachsenenbildung, das heisst, in Workshops und Weiterbildungen, z.B. in der Volkshochschulkurse, die von Bildungsvereinen getragen werden. Eine weitere Möglichkeit mit höherer Verbreitung, als eine Kursbasierte Weiterbildung in städtischem, lokalen Umfeld könnte die Publikation von Formaten über das Internet sein. Eine vergleichbare Methode bot in der Ära des Fernsehens das so genannte Telekolleg. Dabei wurden über prägnante Videotutorials eine Kurssituation zu einem bestimmten Fachthema simuliert. Dies hat sich heutzutage in das jederzeit konsultierbare Medium Internet verlagert. So bietet die Open Source Bewegung offene Alternativen und die Möglichkeit über Anleitungen in gut zu verbreitenden Formaten Bildung zu vermitteln. Social Media kann Lernplattformen bereitstellen.

Um komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge intuitiver zu verstehen, können Infografiken helfen. So auch der Umgang mit Medien und Produkten, dort können Bedienungsanleitungen, die sprachfrei funktionieren helfen. In Bezug auf das oben genannte Problem (Überforderung mit Lebensweltlichen Aufgaben) kann Kommunikationsdesign es leisten Inhalte zu ordnen und zu systematisieren, dieses System und seine Teilbereiche ästhetisch wiedererkennbar darzustellen und darüber eine unübersichtliche Situation (sei es im öffentlichen Raum, in Formularen, in der Benutzeroberfläche von Medien und Geräten) übersichtlicher zu gestalten. Dabei kann Design es leisten jedes Element des Systems, sowie das System insgesamt zu optimieren und zu reformieren. Inhalte können so veranschaulicht werden. Menschen, die sich durch zu viele Kommunikationsebenen und -Hierarchien überfordert fühlen, können ermündigt werden, sich eigene Strategien zur Fokussierung anzulegen und durch diese Lebensaufgaben zu bewältigen. In diesem Zusammenhang wäre Kommunikationsdesign fast eine sozialpädagogische Einrichtung. Wenn ein sozialer Zweck gegeben ist, spricht man auch von Projekthaftigkeit von Design.

Darüber hinaus wäre ein zusätzliches Modul an der Schule denkbar, um die Medienkompetenz zu fördern und Transparenz zu schaffen, um mit den von der Werbeindustrie inszenierten Images kompetent umzugehen. So liesse sich vielleicht eine Verschuldung von Menschen verhindern. Ein solcher »Design-Unterricht« könnte durch eine dem Kommunikationsdesign nahe stehende Berufsgenossenschaft getragen werden, die sich transparent »in die Karten gucken« lassen könnte. Wäre dies vergleichbar mit der Protestform der »Sabotage«, sobald dadurch der Industrie Kunden entzogen werden?

4. Schluss

Zusammengefasst

Kommunikationsdesign kann eingesetzt werden um Einfluss auf die Aufnahme von Informationen zu üben. Im Positiven bedeutet dies, Kommunikationsdesign kann helfen zu fokussieren und zu organisieren. Optimal sollte Kommunikationsdesign eingesetzt werden, um zu veranschaulichen und das Aufnehmen und Erlernen von Informationen intuitiverer zu gestalten. Eine Möglichkeit kann die Gestaltung von Instrumenten der Wissensvermittlung sein. Eine andere Möglichkeit wäre die Werkzeuge und Methoden zur Errichtung eines Hilfssystems zur Lebensbewältigung zu schaffen. Es besteht ein Lebensweltlicher Bedarf nach diesen Instrumenten. Dabei sind sowohl privatwirtschaftliche, als auch staatliche Träger vorstellbar. Wichtig ist dabei, dass die Konzeption und der Entwurf weitestgehend von wirtschaftlichen Zwägen losgelöst statt finden, um den Menschen im Mittelpunkt des Interesses zu stellen.

Ausblick

In der Praxis kann das bedeuten seine Ausbildung zu nutzen um für Bildungsträger wie Schulbuchverlage, das staatliche Bildungsministerium, oder private Träger zu arbeiten, um dort didaktische Materialien, medienbasierte Strategien zur Lebensbewältigung und Therapiemethoden zu entwickeln und zu verbessern.

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