Narratives eat Strategy for Breakfast — Wie man Wirtschaft und Gesellschaft durch Erzählungen in die Zukunft führt

Zukunft entsteht aus Entscheidungen, die wir heute treffen. Dabei behaupten wir gerne, objektive Fakten sorgfältig abzuwägen und nach gründlichem Nachdenken rational zu entscheiden. Schauen wir aber ehrlich auf unseren Alltag treffen wir die meisten Entscheidungen spontan und aus dem Bauch heraus. Was hat die Menschheit dabei schon immer beeinflusst? Erzählungen, Mythen, Geschichten an die wir glauben. Die Wirkung dieser Narrative ist stärker als wir gerne zugeben. Warum investieren gerade Millionen Menschen in Bitcoin? Weniger, weil so viele Menschen die technischen Zusammenhänge verstehen und rational Kosten und Nutzen vergleichen. Vielmehr, weil die Erzählung einer unabhängigen, aufregenden und etwas mystischen neuen Währung Menschen fasziniert. Die Erzählung der Bitcoin führt zu Entscheidungen, Millionen und Milliarden werden investiert, das Narrativ wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

And the Oscar goes to…

Welche Narrative haben Erfolg? Dank der aktuellen Pandemie sind wir alle Experten für die Verbreitung von Viren — dieses Wissen können wir auf Narrative übertragen. Die Weitererzählung des Narrativs entspricht der Ansteckungsrate eines Virus, die Vergessensrate ders Narrativs entspricht einer durchstandenen Erkrankung. Ebenfalls wie bei einem Virus können kleine Mutationen, kleine Veränderungen einer Erzählung zu dramatischen Veränderungen ihrer Verbreitung führen. Welche Veränderungen erhöhen die Verbreitung? Robert J. Shiller, ein Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften hat das in seinem 2019 erschienenen Buch „Narrative Economics“ analysiert. Ausgewählte Kriterien für den Erfolg eines Narrativs:

* Gelegenheit zur Erzählung: Menschen wechseln im Gespräch selten komplett das Thema, also setzen sich Narrative besser durch, wenn sie in häufig vorkommenden Situationen eingebracht werden können

* Bildliche Details: die klassische Serviette, auf die im Restaurant eine Strategie gezeichnet wurde setzt sich gut durch, da sie viele Assoziationen auslöst

* First-Mover-Effekt: Narrative mit einem höheren Neuheitsgrad lösen stärkere Emotionen aus und verbreiten sich besser

* Wahrheitsgrad: Die Verbreitung wird von einem niedrigen Wahrheitsgehalt nur geschwächt, wenn die Erzählung sehr offensichtlich falsch ist.

Über die Eigenschaften der einzelnen Narrative hinaus verstärkt sich die Verbreitung von Narrativen stark, wenn sie als Konstellation, als Kombination verschiedener Narrative auftreten. Nun wissen wir also, wie wir unsere Narrative gestalten sollten. Aber wie bauen wir sie auf? Dabei hilft uns eine andere Quelle.

Baukasten für erfolgreiche Narrative

Analysiert man die erfolgreichen Erzählungen der Menschheitsgeschichte stellt man fest, dass sie sieben immer wiederkehrenden Grundmustern folgen. Die Elemente nahezu jeder Geschichte lassen sich also einer der sieben klassischen Handlungsstränge zuordnen: Beispiele sind „Die Reise und die Rückkehr“ (Orpheus oder Alice im Wunderland) und „Die Überwindung des Monsters“ (Dracula oder Star Wars). Hören wir ein Narrativ, das einem der Grundmuster folgt erkennen wir die Dramaturgie, können das Gehörte den Elementen des Musters zuordnen und erinnern uns aufgrund der logischen Zusammenhänge noch besser.

Das Gehirn als Geschichtenerzähler

Was Narrative so ansteckend macht ist die Struktur unseres Gehirns. Narrative sind Erzählungen, die eine Folge von Ereignissen aus der Perspektive einer Person beschreiben. Das Gehirn liebt Narrative, es liebt die individuelle Perspektive: wir strukturieren unser eigenes Wissen in Form von Erzählungen, deswegen reagiert das Gehirn so stark auf Narrative. Nimmt das Gehirn Fakten wahr wird es kaum aktiviert, wenige Bereiche sind an der Verarbeitung neutraler Fakten beteiligt. Hören wir dagegen eine Geschichte feuern verschiedenste Gehirnregionen, neue Zusammenhänge werden hergestellt, ein kohärentes Bild aus Kausalzusammenhängen wird aufgebaut. Das Gehirn mag Kausalzusammenhänge sogar so sehr, dass kleine Lücken in der Geschichte notfalls einfach mit spontanen Annahmen gefüllt werden, um ein stimmiges Bild zu erzeugen. Das Narrativ wird vom Gehirn mit verschiedensten anderen Erinnerungen vernetzt, emotional bewertet und kann über diese Assoziationen viel leichter wieder abgerufen werden als einzelne Fakten: das gehörte Narrativ ist sofort parat, wenn eine Entscheidung getroffen wird. [https://www.wissenskurator.de/storytelling-das-gehirn-will-geschichten/]

Geschichten aus der Zukunft

Mit navigate by fiction haben wir einen Prozess entwickelt, der Gruppen hilft, Narrative für mögliche Zukünfte zu entwickeln. Statt einer rational korrekten aber wenig motivierenden Strategie entstehen in unserem Prozess aktivierende Narrative. Die Narrative verbreiten sich, Ihr Umfeld identifiziert sich mit diesen Geschichten aus der Zukunft und eine neue, bisher unmögliche Realität entsteht.

NxF-Papers

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navigate by fiction — der Prozess für kollaborative Zukunftsgestaltung.

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Einfach. Zukunft. Machen.

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