Kingsman: The Golden Circle — Matthew Vaughn

Was für eine perfekte Fortsetzung.

Matthew Vaughn hat sich in den letzten zehn Jahren einen Namen gemacht als Regisseur in Hollywood. Mit “Stardust” konnte er 2007 erstmals beweisen, dass er mit einem grossen Budget einen Film schaffen kann der voller Humor, Action und Herz ist. Was folgte war ein kritischer Hit nach dem anderen mit “Kick Ass”, “X-Men: First Class”, “X-Men: Days of Future Past” und natürlich “Kingsman: The Secret Service”, der Vorgänger und die Grundlage für “Kingsman: The Golden Circle”.
In jedem dieser Filme kann man seine Entwicklung als Regisseur miterleben und zusehen, wie Actionsequenzen besser und besser werden.

Nachdem Eggsy im ersten Film die geheime Kingsman Agenten Organisation kennengelernt, nach langem Training Teil davon wurde und zum Schluss den Bösewicht Valentine (Samuel L. Jackson) zur Strecke bringen konnte, muss er nun feststellen, dass die Britischen Kingsman keinesfalls die einzige nichtstaatliche Geheimagenten Organisation ist. Tatsächlich verschlägt es unsere Helden im zweiten Teil nach Amerika wo sie auf die Statesman treffen, welche ein westlicher Ableger der Kingsman ist. Poppy (Julianne Moore), Drogenbaronin und Anführerin des “Golden Circle”, von dem der Film seinen Namen erhält, will den Präsidenten von Amerika zwingen alle Drogen zu legalisieren, indem sie ein grossteil der Menschheit vergiftet. Somit beginnt das Rennen gegen die Zeit um den Plan des Golden Circle aufzuhalten bevor alle vergifteten sterben.

Gerade die Actionsequenzen sind Elemente der Kingsman Filme welche es von anderen Actionfilmen der letzten 30 Jahren stark unterscheidet. Seit den Matrix und Bourne Trilogien konnte man solche Sequenzen in zwei grobe Kategorien einordnen. Die ruhigen Medium und Wide Shots in Filmen wie Matrix und Haywire etc welche die Action wunderschön zeigen und man somit jederzeit den Überblick über die Handlung und die Geographie der Szene behält und auf der anderen Seite des Spektrums, Filme wie Bourne und praktisch alle anderen Action Filme seit 2002. Diese zeichnen sich durch Close ups und verwackelter Kamera aus. Das führt, wenn korrekt eingesetzt, zu hektischen und Energie geladenen Momenten die sehr intensiv einfahren können. Zu oft allerdings wird diese sogenannte “Shaky Cam” Technik benutzt um den Eindruck zu erwecken, dass etwas wesentlich intensiver aussieht, als es tatsächlich ist. Dies kann sein weil die Choreographie fantasielos, die Schauspieler untrainiert sind oder die Stuntleute möglichst versteckt werden sollten. Das alles kann zu verwirrenden Szenen führen in denen im schlimmsten Fall der Zuschauer “ausklinkt” weil er keine Chance mehr hat mitzubekommen was überhaupt passiert, wer involviert ist und wo das alles stattfindet.

Matthew Vaughn hat nun einen Weg gefunden, diese Techniken zu kombinieren um das beste beider Welten zu nutzen. Die Kamera “fliegt” während den Kampfsequenzen mit den Bewegungen mit und verfolgt so immer das wichtigste Element im jeweiligen Shot, sei das ein Messer, ein Regenschirm oder ein Bierglas welches als Wurfgeschoss benutzt wird. Alles das wird je nach Szene in unterschiedlichen Geschwindigkeiten gezeigt, weil aber die Technik immer dieselbe bleibt, fällt es dem Zuschauer auch in hektischen Situationen nie schwer die Handlung mitzuverfolgen.

Wie bereits erwähnt, ist “Kingsman: The Golden Circle” eine direkte Fortsetzung seines Vorgängers und darauf wird auch bei jeder Gelegenheit eingegangen. Charaktere entwickeln sich auf eine natürliche Art weiter und es entsteht kein “machen wir einfach nochmal alles aus dem ersten Film” Gefühl.
Es ist ein Jahr vergangen seit dem Ende des ersten Films. Die Geschichte vergeudet keine Zeit und 30 Sekunden nach Filmstart sind wir bereits tief in der ersten Action Sequenz. Eine Fesselnde Verfolgungsjagd durch London mitten in der Nacht in einem Taxi in dem auch noch gekämpft wird.
Diese erste Sequenz löst eine Kettenreaktion aus, welche zwei unserer Hauptcharaktere, Eggsy “Galahad” (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong) in die USA verschlägt wo sie die Amerikanische geschwister Organisation der britischen Kingsman finden: die Statesman.

Die Kingsman Filme parodieren gerne viele der Klischees sämmtlicher Spionage Filme wie die klassischen James Bond Geschichten was bedeutet, dass gewisse Bösewichte zum Beispiel Prothesen haben welche gleichzeitig als tödliche Waffen dienen. Diese leicht phantastischen Elemente sind im zweiten Film wesentlich stärker vertreten. Wem das also beim ersten Film nicht gefallen hat, dem wird der neue wesentlich mehr Mühe bereiten. 
Wer sich aber zurücklehnen und entspannen mag, wen es interessiert was Galahad, Lancelot, JB, Merlin und co anstellen nachdem sie die Welt das erste mal gerettet haben, wer abwechselnd lachen, weinen und sich an den Stuhl gefesselt fühlen will, dem empfehle ich dringend “Kingsman: The Golden Circle” im Kino schauen zu gehen. Wer aus irgendeinem Grund den ersten nicht gesehen hat, jetzt aber denkt, dass das noch interessant klingt, dem rate ich dringend den ersten zuerst zu schauen. Dieser Film ist darauf ausgerichtet Fans des ersten Films eine neue Story zu erzählen.
Eine perfekte Fortsetzung.

(Geschrieben für www.effingermedien.ch)