Dragoon Rides und TSPs: Was bitteschön geht denn gerade in Osteuropa?

Dieser Blog, Neue Bellona, dreht sich um Sicherheitspolitik. Und vor allem um Entwicklungen hinter den Kulissen, die nicht jeden Tag in den Nachrichten zu sehen sind. Eine dieser Entwicklungen war in den letzten Wochen auf einschlägigen Websites gut zu beobachten und zeigt die Nervosität die speziell in denUSA in Bezug auf Russlands Handeln in Osteuropa vorherrscht.

Sollten wir nervös werden?

Am 26. Februar, dem estnischen Unabhänigigkeitstag, fand eine Parade in der drittgrößten estnischen Stadt, Narva, statt. Narva liegt direkt an einer sehr sensiblen Stelle mit einem Grenzübergang zu Russland — und Narva ist der östlichste Punkt der NATO. Sollte Putin sein Konzept der hybriden Kriegsführung auf das Baltikum ausdehnen wollen, scheint Narva hierfür der ideale Punkt zu sein.

Der Dragoon Ride in Osteuropa

Im Rahmen dieser Parade tauchten neben anderen NATO Verbündeten auch so genannte Stryker Schützenpanzer der US-Armee auf. Damit paradierten erstmals überhaupt US-Soldaten in Schützenpanzern 500 Meter von der russischen Grenze entfernt. Und das während eines parallel stattfindenden Manövers auf der russischen Seite.

Damit aber nicht genug: knapp einen Monat später — dem 21. März- starteten besagte Stryker einen Marsch durch Osteuropa. In diesem so genannten “Dragoon Ride” bugsierte die US-Armee ausgehend von Estland, Litauen und Polen mehr als 500 Fahrzeuge durch Osteuropa mit dem Ziel Deutschland. Die Idee dahinter erklärte General Hodges folgendermaßen: “The whole purpose … is to assure those allies that live closest to the Bear that we are here,”

Präsenz in Osteuropa mit Strykern zu zeigen, ist allerdings nur eine Ausprägung einer neu gefundenen Präsenz der US-Armee in Osteuropa. Zwar sind wir noch lange nicht bei den Übungsgrößenordnungen wie bei den Reforger-Manövern, die ich noch als Kind in den 80ern mitbekommen habe. Dass die Nervosität aber auch bei den Amerikanern steigt, ist offensichtlich.

A-10 Jets in Poland (danke an TheAviationist.com)

So wurden heute zwölf eigentlich in den USA stationierte F-15 Jagdflugzeuge zu vorgeschobenen Basen in Bulgarien vorverlegt. Parallel wurden speziell für die Panzerabwehr ausgerüstete Jagdbomber vom Typ A-10 gerade nach Rumänien und nach Polen verlegt. Der Name dieser Manöver ist TSP: Theater Security Package oder Kriegsschauplatz Sicherungspaket.

In Osteuropa geht gerade einiges. Zweifellos will Amerika demonstrieren, dass sie Herr im Hause sind und dass der Grenzübertritt den Bündnisfall zur Folge hat.

Beängstigend, dass man dafür zu so offensichtlichen Mitteln greifen muss.

Like what you read? Give Gerald Hensel a round of applause.

From a quick cheer to a standing ovation, clap to show how much you enjoyed this story.