Neues von der Insel: Weihnachtsstimmung made in UK

Und bald ist wirklich schon wieder Weihnachten… unfassbar, wie schnell dieses unglaublich intensive und ereignisreiche Jahr 2016 vergangen ist. Die letzten fünf Wochen im Überblick: Husten, Fieber, Erkältung und Zähne. Vor allem B und M haben sich ein ausdauerndes Bakterien-Ping-Pong-Spiel geliefert, aber pünktlich zur Heimreise scheinen alle gesund zu sein (klopf auf Holz).

Dezember in Burnham

Seit dem letzten Post waren noch drei Besucher da: K aus P, Oma zu Ms erstem Geburtstag und Opfer des Lufthansa Streiks und S aus B. Richtig gelesen, Klein M ist ein Jahr alt, schläft fast durch, hat inzwischen vier Zähne, brabbelt wie eine Große, geht gerne in die Kita und ist eine begeisterte Tänzerin. Und jetzt wartet ihr zweites Weihnachtsfest, an das sie sich ziemlich sicher auch nicht erinnern können wird, aber das sie definitiv schon sehr bewusst erleben wird. Grund genug, um zu prüfen, inwieweit die Insel für ausreichende Weihnachtsstimmung sorgt.

Advent, Advent, hier nix brennt
Das Wetter ist eigentlich immer noch sehr angenehm, relativ mild, nur die grauen Tage werden zahlreicher — also nicht soviel anders als in D, nur wärmer. Vorteil: Der Adventskranz kann schon am Nachmittag entzündet werden, sehr zur Freude von Klein M. Beichte: Es ist genau genommen kein Adventskranz, sondern eher eine moderne Improvisation von vier Kerzen mit winterlicher Deko. Grund: Zum einen mussten die Kerzen außerhalb der Reichweite von Klein M platziert werden und zum anderen gibt es hier keine Adventskränze. Genauer gesagt gibt es hier schon weihnachtliche Kränze, die wie Adventskränze aussehen nur ohne Kerzen, aber diese stellt man nicht auf dem Tisch auf, sondern hängt sie an die Tür. Alternative Dekoration der Tür: Man bringe eine riesengroße Schleife an, so dass die Tür wie ein hübsches Geschenk aussieht.

Adventszeit ist Diskozeit
Das Anschalten der Weihnachtsbeleuchtung wird hier in jedem Ort mit einem großen Event gefeiert, oft verbunden mit einer Parade (wobei eine Parade hier auch schon ein Marsch von 20 Personen ist), die ein wenig an Faschingsumzüge erinnert. Und Santa Claus flitzt von Fußgängerzone, zu Kindergärten, Einkaufszentren, Paraden und Schulen, ist aber so häufig in der Gegend, dass man ihn auf jeden Fall mal zu Gesicht bekommt und die Kinder ihre Wünsche loswerden können. Geht man die High Street in der Dämmerung entlang, hat man das Gefühl auf einer Partymeile zu sein, denn die Lichterketten blinken in allen Farben wie wild um die Wette. Ein Grund dafür mag sein, dass Weihnachten hier nicht besinnlich ist, sondern vielmehr eine große Feier zu Ehren der Liebe, auf die alle hinfiebern. So werden im Radio zwar immer mal wieder Weihnachtslieder gespielt, aber die fröhlichen Gute-Laune-Lieder und nicht die deutschen stimmungsvollen — natürlich darf auch hier “Last Christmas” nicht fehlen, allerdings bei Weitem nicht so penetrant.

Weihnachtszeit ist Jumper-Zeit
Traditionell wird am 24. abends die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, entweder von den Eltern oder aber man schaltet den Fernseher ein und lauscht einem Prominenten auf dem Kinderkanal, dieses Jahr Tom Hardy. Da die große Bescherung am 25. gleich morgens stattfindet, muss die Garderobe weniger festlich als viel mehr praktisch und schnell anzuziehen sein. Deshalb ist hier der Christmas Jumper DAS Must have. Die kitschigen Weihnachtspullover werden hier stolz zur Firmen-Weihnachtsfeier, zum Einkaufen oder Besuch eines Christmasmarktes getragen — dabei geht es wohlgemerkt meist eher darum, den hässlichsten Christmas Jumper zu haben.

Christmas Market vs. German Market
Was tatsächlich sehr fehlt sind die Christkindlmärkte. Bath soll wunderschön sein, ist aber dann doch nicht mal eben um die Ecke. Wichtig bei der Suche: Es gilt nicht einen Christmas Market zu finden, denn das kann zu einer herben Enttäuschung werden, sondern einen German Market, der am ehesten den deutschen Christkindlmärkten entspricht. Einen solchen gibt es beispielsweise in Winchester rund um die imposante Kathedrale. Mit Eisfläche, vielen vielen Ständen und ähnlich voll wie in Deutschland, war das schon ein ganz guter Ersatz. Aber das Verhältnis von Verkaufs- zu Fress- und Trinkständen war in totaler Schieflage. Es gab einen Burger-, einen Bratwurst- und einen Roast-Stand und zwei Stände mit Glühweinähnlichen Getränken. Die kulinarische Vielfalt hat gefehlt, aber die Krakauer hat trotzdem gut geschmeckt, auch Klein M.

Fazit: In Weihnachtsstimmung kommt man auf der Insel auf alle Fälle, nur eben ein wenig anders.