“20 Minuten hats gheißen, oder?”

Stefanie Sargnagel liest im Rahmen der langen Nacht der Bücher

Als Auftakt der Buch Wien 2016, fand am letzten Mittwoch, den 9. November die lange Nacht der Bücher statt. Abschluss fand das Lesefest mit der jungen österreichischen Autorin Stefanie Sargnagel unter Moderation von Florian Scheuba, der den ganzen Abend lang durch das Programm der ORF-Bühne führte.

Wer die Anekdoten der ehemaligen Callcenter-Mitarbeiterin kennt, weiß, dass nun Leben einkehren würde auf und vor der ORF-Bühne. Im Publikum finden sich viele Anfang/Mittzwanziger wieder, aber auch der ein oder andere in die Jahre gekommene Messegast hat sich um 23:15 noch auf einen der freien Stühle begeben. Lang war diese Nacht der Bücher nämlich für viele nicht, wenn man bedenkt, dass noch zwei Stunden zuvor dichtes Gedränge herrschte.

Scheuba kann es natürlich nicht lassen auch Sargnagel auf die Stunden zuvor entschiedene US-Präsidentschaftswahl anzusprechen und als er sie nach ihrer Meinung zu Donald Trumps Social Media Aktivität befragt, meint sie, dass es heute im Internet ohnehin so sei, als lese man „500Milliarden Bild-Zeitungen auf einmal“.

Offenkundig hat die Autorin Erfahrung als Leserin. Sie habe aber wenige Begegnungspunkte mit dem Literaturbetrieb, da sie zwar viel auf Lesereise sei, aber eigentlich nie von Literaturhäusern o.Ä. gebucht werde, sondern vorrangig z.B. im Rahmen von unabhängigen Kulturvereinen auftrete und auch ihr Verleger Stefan Redelsteiner ursprünglich aus der Musikbranche komme, so Sargnagel selbst.

Zum Glück fühlt sich Scheuba, der den übrigen Abend mitunter seinen Moderationsauftrag auf einer Buchmesse mit einem Talkshowabend zu verwechseln schien, nach anfänglichem Geplauder doch noch dazu berufen, die Jungautorin zu bitten etwas vorzulesen, woraufhin diese mit „20 Minuten hats gheißen, oder?“ wenigsten die letzte Lesung des Abends noch zu so einer macht.

Und schon geht das Feuerwerk an Alltagsbeobachtungen in Form von Facebook-Statusen los. Die sichtlich geübte Leserin führt mühelos von „vitalfetten“ Wanderbegegnungen in den Tiroler Bergen, über ihre persönliche Erwin-Pröll-Theorie bis hin zu einem Familiendialog, den sie in der Straßenbahnlinie 6 aufgeschnappt hat. So kontrovers ihre Texte auch immer wieder diskutiert werden mögen, als sie von ihrer Fantasie einer Entspannungs-CD erzählt, auf der alte Frauen Mehlspeisennamen vor sich hin sagen, lacht das gesamte Publikum. Ihr kurzweiliger Auftritt wird von einer Kostprobe ihrer Battlerap-Fähigkeiten gekrönt. Ob es nun an der Uhrzeit, am Wein oder doch an ihrer ehrlichen, ungezwungenen Nonchalance liegt, jedenfalls mussten selbst die betagteren Messebesucher über die von Fäkalsprache gesäumten Rhymes kichern.