Alltag — oder auch nicht.

Auch 2016 fand die BuchWien in der überschaubaren Halle D der Messe statt. Neben den unzähligen Koch- und Kinderbüchern gab es tatsächlich auch Muttis, die sich außerhalb der Küche zu Wort melden — erfreulicherweise.

Während des Durchforstens der unendlichen Geschichte des Verlags- und Autorenprogramms der Buchmesse blieb ich beim Namen Doris Knecht hängen, von der ich meinen ersten Roman in Wien, Besser (2013), käuflich erworben hatte, las und durchaus positiv überrascht war — trotz des Dialekt-Charmes, dem ich sonst in der Literatur, mehr oder weniger erfolgreich, aus dem Weg gehen konnte.

Nun war diese Autorin also mit ihrem neuen Buch Langsam, langsam, nicht so schnell! auf der BuchWien 2016 vertreten und ich war sehr gespannt auf die letzte Lesung am Sonntag, den 13.11. um 16:30, auf der Ö1-Bühne, die praktischerweise direkt in der Mitte der Messe angesiedelt wurde, damit wirklich jeder Hans und Franz daran vorbeikam, sich über Gott und die Welt unterhielt und dann doch interesselos den Zuhörern wieder die Chance aufs Zuhören des Wesentlichen gewahr.

Glücklicherweise hatte ich bereits im Vorfeld einige Kapitel aus dem Alltagsgeschichtenbuch gelesen, das laut Czernin-Verlag Muttis als Zielgruppe abgreift — Ich bin auch kinderlos wahnsinnig gut unterhalten! Obwohl man tatsächlich anmerken muss, dass die Kolumnen aus dem Falter auf das Leben als berufstätige Mutter eingehen, die nach wie vor auch als Frau wahrgenommen werden will — nicht zuletzt von sich selbst. Die Autorin aus Vorarlberg schafft es jedoch mit einer ausgesprochenen Authentizität, Sarkasmus und Selbstironie die LeserInnen ein Stück an ihrem Leben mit Kindern teilhaben zu lassen und die Reflexion darüber nachvollziehbar darzustellen.

So trat Doris Knecht dann auch auf. Das Gespräch leitete Georg Leyrer vom Kurier, der die Gelegenheit direkt für Werbung für ein Kurier-Abo wahrnahm. Drei Kapitel las die Autorin. Unter anderem Aber du reißt dich diesmal zusammen, worin es um die Strapazen beim Zahnarztbesuch mit ihren Kindern, den „Mimis“, geht. Dabei waren zahlreiche Lacher, ein Schmunzeln oder wenigstens ein Oh-ja-das-kommt-mir-bekannt-vor gesichert. Genau so geht es in fast jedem Kapitel. Die Kinderlosen finden sich selbst als Kind in einigen Passagen wieder, was wiederum ein Achherrje-peinlich-Lachen auslöst.

Mein persönliches Fazit also: Der Standort der Bühne ist wirklich ganz großer Murks, was in den nächsten Jahren definitiv ausbaufähig ist. Trotzdem waren es unterhaltsame 30 Minuten. Das Zuhören hat genauso viel Spaß gemacht wie das Lesen, von dem man zumindest etwas länger was hat. Auch super: die größtenteils unzusammenhängenden Kapitel, die man zwischendurch durchstöbern kann. Ein absolut empfehlenswertes Buch, übrigens ebenso wie der bereits erwähnte Roman Besser.

Eines muss ich jedoch noch loswerden: Zwischendurch erzählte die Autorin dann noch einige Anekdoten, bei einer ging es um deutsche YouTuber, deren hochdeutsch ein schlechter Einfluss auf ihre „Mimis“ sei — bleibt zu hoffen, dass auch dies in die Sarkasmus-Schublade gesteckt werden kann oder es sich um ein Missverständnis handelt, andernfalls wäre mein norddeutsches Herz gekränkt.