Alter Präsident a.D., ein neuer tut manchmal leider weh…

Heinz Fischer im Gespräch mit Florian Scheuba

Mittwoch, der 9. November 2016. Der erste Tag der Buch Wien, eröffnet durch die Lange Nacht der Bücher. Es ist auch der erste Tag nach der US-Wahl. Nicht viele Menschen haben tatsächlich angenommen, dass Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das Gespräch zwischen Heinz Fischer, Bundespräsident a.D., und Florian Scheuba um „Donald Trump und die Folgen“ dreht.

Als ich bei der ORF-Bühne ankomme, sind bereits alle Sitzplätze belegt und auch um die Bühne hat sich eine recht beachtliche Menschentraube gebildet. Fischer, er macht nach seinem Ausscheiden aus dem Amt einen recht entspannten Eindruck, macht es sich auf dem Sofa gemütlich und lässt augenzwinkernd die ein oder andere spitzbübische Bemerkung in Richtung seines Interviewpartners fallen. Doch Fischer ist nicht aus politischen Gründen auf der Buch Wien, er stellt an diesem Abend selbst drei Werke vor. Eines davon ist die bei Ueberreuter erschienene Graphic Novel Heinz Fischer und die Zweite Republik, die Fischers Leben und politischen Werdegang erzählt. Eine übrigens recht informative und, wie ich finde, gelungene Graphic Novel, denn bisher war mir zu Fischers früher politischer Laufbahn, besonders seinem politischen Elternhaus, noch nicht viel bekannt.

Im Gespräch mit Scheuba wird Fischer in Bezug auf das politische Zeitgeschehen in seinen Aussagen deutlicher. Hat er sich als Bundespräsident dem Amt entsprechend meist neutral verhalten, so äußert er Kritik diesmal entschiedener. Das Publikum reagiert immer wieder mit Applaus auf seine Aussagen und man wird das Gefühl nicht ganz los, einige wünschten sich den „Bundesheinzi“ wieder zurück ins Amt. Fischer ist die Ruhe selbst, gegen Ende wird es dann aber doch ein bisschen monoton, nur ab und zu wird das Gespräch durch den frenetischen Applaus des im hinteren Teil der Halle stattfindenden Poetry-Slams unterbrochen.

Durch die aktuelle Debatte um Donald Trump geht aber letztendlich die Vorstellung der Graphic Novel dann leider etwas unter, ein wenig mehr Information und vielleicht ein Einblick in das Buch selbst wären besonders in Hinblick auf die graphische Umsetzung sicherlich noch interessant gewesen.

Beim Ausgang pflücke ich mir noch ein Gedicht, es fasst für mich die Stimmung des Tages zusammen:

Mein gepflücktes Gedicht des Wiener Zetteldichters Helmut Seethaler
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