(Be-)Sinnliche Bücherzeit

Neben der Eröffnung der ersten Adventmärkte Wiens hatte das zweite Novemberwochenende ein weiteres kulturelles Ereignis zu bieten: Die Buch Wien feierte am Mittwoch mit der langen Nacht der Bücher ihren Auftakt. Ein Rundgang.

Kein Zweifel — die Besucherzahlen sind gut. Das bemerke ich schon vor dem Betreten der Messe Wien an dem vollen Würstelstand vor der Eingangstüre. Nach einer kurzen höflichen Taschenkontrolle wird mir auch schon der Eintritt in die Bücherlounge gewährt, wo man sich in bequemen Sesseln in seine literarischen Neuentdeckungen vertiefen und diese dann an kleinen Ständen erwerben kann. Auch zwischen den verschiedenen Verlagsständen ist die freundliche und entspannte Atmosphäre greifbar: Die Vertreter sitzen zusammen an kleinen Tischen und trinken Wein, von den Bühnen schallen die unterschiedlichen Darbietungen und aus der Kochbuch-Ecke riecht es nach Kaiserschmarrn.

In der Kinderbuch-Ecke grinst ein Mann unter dem Bauch eines Plastikdinosauriers hervor — vor ihm stehen ein paar faszinierte Kinder. Nicht weit entfernt vergnügen sich ganze Familien bei einem Denkspiel, das angeblich ihre IQ-Punkte ermitteln soll und gleich gegenüber ist eine große Malecke aufgebaut — man hat sich hier augenscheinlich viel Mühe gegeben, auch die kleinsten Besucher angemessen zu unterhalten. Ihre Eltern können sich währenddessen, falls nötig, bei einer Massage entspannen — um einen Stand in der Nähe sind hierzu mehrere Sessel aufgestellt, auf denen Schultergürtel hängen, die sich mit einem Knopfdruck in eine warme Wohltat verwandeln lassen.

Gleich gegenüber kann man bei dem Bücherquiz der Buch Wien sein Wissen unter Beweis stellen — Autor Radek Knapp und der Buch Wien-Programmleiter Günter Kaindlstorfer stellen den Besuchern vor Publikum schwierige Fragen zu Kunst und Kultur. Die danach sicher nötige Stärkung wird auf der Kochbühne zur Verfügung gestellt, wo live mit Pfannen und Gewürzen experimentiert wird — die davor wartenden Besucher schwärmen von dem zuvor servierten Kaiserschmarrn.

Auch die anderen Bühnen sind mehr als gut besucht: Spätankömmlinge wie ich müssen sich für einen Blick auf die Geschehnisse der Peotry Slam-Nacht auf der Wasnerin-Bühne auf die Zehenspitzen stellen — der Menschenring gewährt kaum einen Blick auf die beliebten Moderatoren Mieze Medusa und Markus Köhle. Unterdessen schütteln auf der ORF-Bühne die unterschiedlichsten Autorenstars die Hand Florian Scheubas; unter anderem kommen Heinz Fischer, Arne Dahl und Stefanie Sargnagel zu Wort, Otto Schenk reißt charmant ein paar Witze und die Journalisten Eric Frey und Franz Kössler sprechen zwar negativ überrascht, aber doch humorvoll über die Folgen der US-Wahl (woran sich Florian Scheuba erwartungsgemäß lebhaft beteiligt).

Nach einem letzten kurzen Verabschiedungsrundgang erledige ich gegen Mitternacht auch noch den Bücherkauf — dank der zahlreichen spannenden Neuerscheinungen kann nun von einer gestressten Geschenke-Suche keine Rede mehr sein.

Als Buch Wien-Neuling bleibt mir hier wohl nur noch zu sagen: Danke und bis nächstes Jahr!