Die Einsamkeit der Wale

Eine Ode an Berge, Wale und die Vater-Tochter-Beziehung. Oder doch ein höchst ironischer Text, der all das durch den Kakao zieht? Über die Performance von Franziska Holzheimer auf der BuchWien.

Ich muss gestehen, dass es schon ein Weilchen her ist, seitdem ich das letzte Mal auf der BuchWien war. Deshalb war ich umso gespannter, welche Atmosphäre, welche Stimmung mich erwarten würde. Hanna — sie besucht ebenfalls dieses Seminar — und ich beschlossen, die “Lange Nacht der Bücher” zu besuchen. Eine gute Entscheidung. Besonders gespannt war ich auf das Bühnengespräch mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer. Hanna hat darüber einen informativen Artikel verfasst. Auch wenn dieses Interview äußerst interssant war (insbesondere, da auch die US-Wahlen thematisiert wurden), blieb mir an diesem Abend jemand ganz anderer in bleibender Erinnerung: Franziska Holzheimer, Poetry Slammerin und Performance-Künstlerin, die auf einer angrenzenden Bühne an der Poetry Slam-Nacht auftrat und mich mit ihrem Text verzauberte.

Dieser handelte von einer Episode aus ihrer Kindheit: Die junge Franziska musste Woche für Woche mit ihrem Vater Bergsteigen gehen, klettern und Steilhänge erklimmen. “Nähmaschine” (die Füße rattern aufgrund von Kraftmangel oder Aufregung in den Sicherungen) und des Vaters belehrende Erklärungen bereiteten ihr Kopfzerbrechen. Nur um sich am Gipfel anhören zu können, wie schön es nicht hier oben sei. Denn wenn man hier steht, sehen sogar Wale winzig aus und es scheint, als seien sie ganz einsam und verloren im großen Ozean. Noch nervt es Franziska, doch je länger sie das Panorama betrachtet, das sich vor ihr ausbreitet, desto mehr zieht sie die Faszination der Berge (oder der winzigen Wale, wer weiß?) in ihren Bann.

Vielleicht faszinierte mich dieser Text so, weil es mir als Kind und Jugendliche ähnlich erging. Doch was mir noch viel mehr gefiel war, mit wieviel Leichtigkeit, Witz und Ironie Franziska den Text vortrug — und doch konnte man hinter all dem einen ernsten Hintergrund — die etwas komplizierte Beziehung zu ihrem Vater — spüren.

Eine begabte Künstlerin, von der man hoffentlich noch mehr hören wird und die mir sicherlich in bleibender Erinnerung bleiben wird.

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