Keine Sorge — wir sterben nicht aus!

Am vergangenen Wochenende fand von 10. bis 14. November die alljährliche BUCH WIEN im Messezentrum statt. Dort machte ich mich auf die Suche nach dem heißumstrittenen Medium Buch.

Ich ging mit gemischten Gefühlen zur Buch Wien. In einer Zeit, in der nur vom Aussterben des Mediums Buch und dem ständigen Konkurrenzkampf zum „verpönten“ E-Book gesprochen wird, war ich auf eine Schlammschlacht gefasst, auf einen Überlebenskampf mit wehmütigem Blick in vergangene Zeiten.

Doch dem war nicht so. Meine ersten Gesprächspartner waren zwei Mitarbeiterinnen der BUCH WIEN, die mir auf meine Frage, was denn in ihren Augen das Highlight der Buchmesse wäre, mit einem Lächeln „die Kinder“ antworteten. Die Kinder würden ihre Kreativität hier ausleben können und neben Basteleien auch noch erstaunlich gute Buchtitel wie „100 Teebeutel und ein Punkt“ kreieren, erzählten mir die beiden. Dies hebte meine Laune und meine Erwartungshaltung auf den Rest der Messe und ich hielt meinen Fokus auf das Angebot für die kleinsten BUCH WIEN — Besucher. Die Ausstellerin eines Kinderbuchverlages berichtete mir von der Aufregung, wenn Kinder neue Bücher entdecken und der Freude in den Augen der Eltern, wenn sie sich nostalgisch an das erinnern, was sie selbst einmal vorgelesen bekamen.

Die Beschäftigung mit Literatur für Kinder führt mich zum Verlag Audiamo. Dort erschließt sich mir das, in Österreich wenig etablierte, Medium des Hörbuchs. Im norddeutschen Raum (Berlin und Hamburg) ist das Hörbuch eine angesehene Kunstform, in Österreich ist es hingegen noch unterschätzt und als Kinderkram abgestempelt. Doch die Szene boomt erklärt mir die Verlagsausstellerin. Ob Krimi, Reiseführer oder Weltliteratur, das Hörbuch gewinnt an Beliebtheit und österreichische Hörbücher mit vertrauteren Akzenten und Dialekten entstehen. So stelle ich mir nun die Frage, was geschieht mit dem Medium Buch auf der BUCH WIEN? Es gäbe keine Konkurrenz zwischen den Medien, wurde mir bei Audiamo erklärt, und auch als Besucher der Buchmesse erlebt man die friedliche Koexistenz der Medien. Ob Hörbuch oder antiquarische Ausgabe, die BUCH WIEN gibt allem Raum, wie auch das provokante Plakat der IG Autorinnen zeigt. Auf diesem ist ein Haufen USB Sticks abgebildet und mit „Gesammelte Werke“ betitelt.

Auch der Gebrauchsgegenstand Buch erhält einen Mehrwert. Die Künstlerin des Labels ANA chron., die aus alten Büchern mit Geschick Taschen, Geldbörsen und vieles mehr kreiert, erzählt, dass durchaus Interesse vorhanden wäre und dass die Besucher nicht so bibliophil wären wie gedacht und nicht wehmütig auf die zerschnittenen Werke schauen würden.

So kann die diesjährige BUCH WIEN als multimediale Plattform für Literatur und Kunst rund um den Gegenstand Buch welcher Ausdrucksform auch immer gesehen werden. Auch Heinz Sichrovsky schließt sein Gespräch mit Michael Köhlmeier und Konrad Paul Liessmann mit den pathetischen Worten: “ Die Literatur wird weiterleben, ich glaube an den menschlichen Geist und dass der Horizont des Menschen nicht beim Außenspiegel des Autos und dem oberen Randes des PCs endet.” Danke schön.