Krimi-Autor verliert gegen den Schnupfen

Das volle Programm einer Hab-mich-nicht-richtig-angezogen-Erkältung hält mich die ersten drei Tage davon ab, die Buch Wien zu besuchen. Für einen kurzen Ausflug am Sonntag mustere ich meine Kräfte — und bereue es ein wenig, mich zur Ö1 Bühne begeben zu haben.

Dort ist Bernhard Aichner um 12 Uhr bei Wolfgang Popp zu Gast, um über seinen neuen Kriminalroman (Interview mit einem Mörder) zu sprechen und zwei Auszüge daraus vorzulesen. Mit dem Buch kehrt Aichner sowohl zu dem Totengräber Max Broll, als auch zum Haymon-Verlag zurück. Wenig bewusst und ungeachtet des Verlages, bin ich seinen Büchern bisher ausgewichen. Da er es bei dieser Lesung nicht schafft, mich mein Rotz-bedingtes Selbstmitleid vergessen zu lassen, wird es vorerst dabei bleiben.

Aichner selbst meint, es habe ihm Spaß gemacht, wieder an einem Broll-Krimi zu schreiben, weil diese humorig und „sehr politisch unkorrekt“ seien. Ein Beispiel dafür liefert er, als er die ersten Seiten des Buches vorliest: Der neue schwarze Pfarrer in Brolls Ort, der den Dorfbewohnern eine Portion Fremdenhass austreiben konnte, baut im Kräutergarten Marihuana an. Obwohl Aichner seine Lesung an dieser Stelle unterbricht und anmerkt, dass er hier — nach langjähriger Erfahrung als unglücklicher Ministrant — seinen fiktiven Lieblingspfarrer in das Buch hineingeschrieben hätte, bleibt mir ein unangenehmer Geschmack im Mund, den auch das x-te Ricola Zitronenmelisse des Tages nicht gleich vertreibt.

Die psychologische Spannung, die sich in diesem Roman ganz aus der Beziehung zwischen Broll und Täter entwickeln soll, erschließt sich mir auch nicht als Aichner einen Dialog der beiden vorliest, der mir platt und inszeniert anmutet. Ebenso wenig kann ich aus Aichners Mörder-Stimme Klaus Kinski heraushören, wie es Wolfgang Popp gelingt. Zugegeben, meine Ohren sind ja auch zu.

Jedenfalls bin ich ganz froh, mich bald wieder nach Hause zu schleppen. Dieser doch recht gehypte Krimi-Autor konnte gegen meine erkältungsinduzierte Apathie nicht ankommen. Die Messe-Luft ist nicht das einzige, was da trocken blieb.

Peter Fankhauser, 13.11.2016

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