Leicht desillusioniert

Möglicherweise stelle ich zu hohe Ansprüche, ich hatte zumindest eine gänzlich andere Vorstellung von der Buch Wien. Da ich bisher noch keine Buchmesse besucht hatte, dachte ich anfangs, dass man mit brandneuen Büchern von allen Seiten überflutet wird, doch dem war hier leider nicht so.

Am Donnerstag, dem 10.11.2016, besuchte ich mittags neben vielen Schulklassen und Senioren die Messe; der Eintritt war an diesem Tag frei. Man sah dort zu der Zeit vergleichsweise wenige Besucher, es gab noch lange kein Gedränge. Mit dem Studentenausweis wurde man nach einer kurzen Taschenkontrolle schnell durchgelassen, was das Ganze einfach und ungezwungen machte.

Mein erster Eindruck war, dass ich sehr viele mir bereits bekannte Bücher sah, also entdeckte ich für mich nichts wirklich Neues. Vieles kannte ich aus dem Internet oder sogar aus der Buchhandlung, weswegen ich mich nicht angesprochen fühlte. Aufgrund dessen wollte ich mich auch nicht setzen, um mir eine Lesung anzuhören. Mich störte außerdem, dass so wenig aus dem fantastischen Genre vertreten war, welches ich bei privater Lektüre bevorzuge. In einem für mich uninteressanten Genre gehe ich nicht zum Messestand hin und spreche die Verlagsvertreter an.

Es handelte sich mehr um ein Durchschlendern und Bewundern der verschiedenen Verlage, Stände und Artikel rund ums Buch. Viele große Messestände wurden von zwei bis drei Verlagen besetzt. Dabei kam es aber selten zu einer gelungenen räumlichen Abgrenzung, damit die Zugehörigkeit eines Buches zum Verlag erkennbar wurde. Manche Verlage hatten dieselbe große Fläche für sich alleine zur Verfügung. Zuletzt gab es Stände, die relativ klein und nur für einen Verlag waren. Hierbei wurde nicht vom Herzstück abgelenkt — das Wesentliche stand im Mittelpunkt. Die besondere Präsentation der Bücher fehlte jedoch bis auf ein paar Ausnahmen bei den meisten Verlagen. Es wurde klargemacht, welche Bücher man im Verlagsprogramm hat, mehr aber auch nicht. Ich hatte also viel zu große Erwartungen an die Buch Wien gestellt, die leider nicht erfüllt wurden.

Meiner Meinung nach war auch das Programmheft für die schnelle Suche nach geeigneten Vorträgen eher unvorteilhaft gestaltet. Ein Lageplan fehlte mir darin — die einzelnen Stände hätten auf einem eigenen Plan verzeichnet werden sollen, damit man sich gut zurechtgefunden hätte. Teilweise war es auch ziemlich schwer, sich im Shop zurechtzufinden, da viele Bücher in Regalen am Rand so gut versteckt waren. In ein Buch hätte ich zum Beispiel unheimlich gerne hineingelesen, da ich nicht bei der Lesung war, dieses war jedoch unauffindbar. Auf meiner Suche fand ich schließlich ganz unverhofft ein anderes Buch, auf welches ich sonst womöglich nicht gestoßen wäre.

Zuletzt brachten auch sehr positive Elemente wie etwa ein Buchbinder, besondere handgemachte Notizbücher und der beeindruckende Antiquariatsbereich Abwechslung hinein. Dabei empfand ich es vor allem interessant, in natura zu sehen, wie ein Buch gebunden wird. Dies ließ mich dann noch einmal den Blick auf die ausgestellten Bücher ändern und den Aufwand hinter jedem Buch überdenken.