Literatur als Abenteuer zu sich selbst

Der optimale Einstieg für (Buch-)Messe-Unerfahrene — von vielen Seiten gehört, von mir als solche, definitiv unterschrieben: Das ist also die BUCH WIEN.

Nach wenigen reizüberflutenden Momenten finde ich mich, dank des von der freundlichen Dame am Presseschalter erhaltenen Übersichtsplans, recht flott im eigentlich ohnehin recht überschaubaren, und konsequent unaufgeregt angeordneten Ständesystem zurecht. Ein schneller Blick ins Programm-heftchen, schon sind die Fixpunkte festgelegt.

Die Gestaltung der ORF-Bühne ist so gelungen, dass ich mich am liebsten schon während des ersten Autorengesprächs mit Mathias Énard aufs Sofa dazukuscheln möchte; selbstverständlich mit einem guten Buch, um den restlichen Nachmittag dort lesenderweise zu verbringen.

Doch ich muss schon weiter zum Forum, wo ich mich von dem mir unbekannten Autor Catalin Dorian Florescu überraschen lassen möchte. Nicht der übliche Kampf um ein Sitzplätzchen erwartet mich, sondern die absolute Auswahl — vorne, hinten, mittig — alles frei, ich wähle die altbewährte Mitte Mitte. Auch Florescu scheint etwas überrascht vom mäßigen Andrang, ist der Titel seines Buches „Der Mann, der das Glück bringt“ doch so einladend vielversprechend. Er nimmt es mit Humor, unterteilt die wenigen, vorwiegend weiblichen Interessierten in erste und zweite Klasse des Schiffes, auf dem er uns auf die Reise in sein neuestes Werk mitnehmen möchte. Florescu stellt sich kurz vor, denn auf der Bühne fehlt nicht nur das gemütliche Sofa von vorhin, sondern auch eine Moderatorin, die ihm diesen Part abnehmen würde. Er spricht über die Literatur als Abenteuer zu sich selbst, seine Heimat Rumänien, die bis heute seine poetische Seele nährt und seine persönlichen Erfahrungen des Auswanderns nach Zürich. In seinen Romanen greift er auf Traumata aus seiner eigenen Biografie zurück, Themen wie Angst und Hunger sind stets zentral. „Der Mann, der das Glück bringt“ handelt von Ray und Elena, die einander in einer schicksalhaften Nacht in New York begegnen und im Laufe dieser einen Nacht ihre noch schicksalhafteren Familiengeschichten miteinander teilen. Die Erzählung sprudelt von schwarzem Humor, der Schweizer Akzent tut sein Übriges. Zum Abschluss — ein kurzer Blick auf die Uhr, noch 4 Minuten darf er das Publikum belästigen — fasst er seinen charmanten, spannenden und abwechslungsreichen Vortrag bedeutungs-schwer zusammen: „Um die Zeit und die Menschen zu kennen, muss man sich selbst kennen.“ 
Ein gut gemeinter Ratschlag, wahrscheinlich nicht nur für Schriftsteller.

http://florescu.ch/

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