Mit Kompass durch den „Buch Wien-Dschungel“

Die Buch Wien — oder für mich auch: Reizüberflutung vom Feinsten. Neben den unendlich vielen Eindrücken, bin ich unter anderem mit einem Kompass nach Hause gegangen.

Am Freitag, den 11. November, ging es für mich das erste Mal zur Buch Wien. Zu Beginn meines Besuchs habe ich einen mehr oder weniger kurzen Rundgang durch die Halle gemacht, um mir einen Überblick zu verschaffen — was sich bei so vielen Verlagsständen als ziemlich unmöglich herausgestellt hat. Ich war also schon von Beginn an etwas überfordert, wusste nicht, wo ich zuerst hingehen bzw. hinsehen sollte. Nach diesem (quasi nicht verschafften) „Überblick“ habe ich mir den Programmplan etwas näher durchgesehen. Nach kurzem Überlegen war klar, welche Vorträge bzw. Lesungen ich auf jeden Fall besuchen möchte. Ein Gespräch mit Mathias Énard hat für mich besonders spannend geklungen: Ein französischer Autor, der drei Jahre in Syrien gelebt und einen Roman mit Wien als Handlungsort geschrieben hat — das kann nur interessant werden, dachte ich. Und genau so war es.

Mathias Énards Roman „Kompass“ wurde mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Auch die Handlung klingt vielversprechend: Franz Ritter, in Wien wohnhaft und schwerkrank, versucht — ähnlich wie Scheherazade in „Tausendundeine Nacht“ — durch das Erinnern an frühere Erlebnisse die Nacht zu überstehen und so dem Tod zu entrinnen. Diese Erinnerungen führen die Leserschaft unter anderem in den Orient.

Spätestens als Énard über den Hintergrund des Romans gesprochen hat, war ich vollkommen überzeugt. Er selbst hat Arabisch studiert und bereits drei Jahre in Syrien gelebt, und seitdem ist der Orient ein Teil von ihm. Mit seinem Roman möchte er zeigen, dass keine wirkliche Grenze zwischen Orient und Okzident existiert. Er hat außerdem Wien als Handlungsort gewählt, da Wien für ihn das Tor zum Osten darstellt und eine Weltstadt der Musik ist.

Nach dem kurzen, aber sehr spannenden Vortrag musste ich das Buch natürlich gleich mit nach Hause nehmen. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass Énard in seinem Text scheinbar auf Musikbeispiele verweist, die leicht zu finden sein sollen, kann ich es kaum erwarten, mit dem Lesen und Hören von „Kompass“ zu starten.