Bundesliga: Freitagsspiele ohne TV-Übertragung?
Im Juni vergangenen Jahres war der Jubel in der DFL-Zentrale groß. Geschäftsführer Christian Seifert präsentierte den neuen TV-Vertrag und sorgte dabei für ein Funkeln in den Augen der Sportfunktionäre. Ganze 4,64 Milliarden Euro erlöst die DFL in den nächsten vier Jahren durch die Inlands-Vermarktung der TV-Rechte für die beiden höchsten deutschen Spielklassen. Pro Saison erhalten die 36 Profivereine also insgesamt 1,16 Milliarden Euro, während sie sich in der abgelaufenen Saison mit bescheidenen 680 Millionen Euro begnügen mussten.
Wo läuft das heute Spiel gleich nochmal?
Die Übertragungsrechte für alle 306 Spiele der Fußball-Bundesliga wurden in verschiedene Pakete aufgeteilt. Die DFL hatte sich bereits im April 2016 verpflichtet, die Rechte für Internet, TV und Mobile nicht komplett an einen Anbieter zu vergeben. Daraus entstanden insgesamt acht Vermarktungspakete für die Liveübertragungen. Sky sicherte sich dabei den Großteil der verfügbaren Spiele:
- Bundesliga-Konferenz am Samstag (15:30 Uhr) + Bundesliga-Konferenz am Dienstag/Mittwoch (20:30 Uhr) im Rahmen englischer Wochen
- 176 Einzelspiele am Samstag (15:30 Uhr) und am Dienstag/Mittwoch (20:30 Uhr) im Rahmen englischer Wochen)
- 30 Bundesliga-Spiele am Samstag (18:30 Uhr)
- 60 Bundesliga-Spiele am Sonntag (15:30 Uhr + 18:00 Uhr)
- 281 Einzelspiele der 2. Bundesliga + 94 Konferenzen der 2. Bundesliga (Freitag, Samstag, Sonntag, Dienstag oder Mittwoch)
- 25 Spiele der 2. Bundesliga (Montag und Donnerstag um 20:30 Uhr)
Die aufgezählten Spiele vermarktet Sky klassisch über Satellit/Kabel, Mobile (Sky Go / Sky Ticket) und im Web-TV (Sky Go / Sky Ticket).
Beim verbleibenden Pay-TV-Rechtepaket wurde Sky allerdings vom Discovery-Konzern ausgestochen, der sich auf dem deutschen TV-Markt für Eurosport verantwortlich zeigt. Eurosport überträgt somit ab der kommenden Saison alle 30 Bundesliga-Spiele am Freitag (20:30 Uhr) sowie jeweils 5 Bundesliga Spiele am Sonntag (13:30 Uhr) und am Montag (20:30 Uhr), die eingeführt wurden, um den Europaleague Teilnehmern gerecht zu werden und ausreichende Pausen zwischen den Spielen zu garantieren.
Krieg der TV-Welten
Soweit, so bekannt. Noch im November sahen sich Sky-Kunden auf der sicheren Seite. So ist der von Rechte-Inhaber Discovery betriebene Sportkanal Eurosport 2 (HD) bereits seit Jahren beim Empfang über Satellit oder IPTV Teil des Sky-Pakets. Doch das reicht nicht. Discovery hat sich dazu entschieden, die 40 Bundesliga-Partien nicht auf den bisher verfügbaren Sendern auszustrahlen.
Damit ist klar: Wer alle Spiele der Bundesliga sehen möchte, muss zusätzlich investieren. Doch selbst investitionswillige Kunden stoßen bei der Vermarktungspolitik von Eurosport an ihre Grenzen. Aktuell steht nur fest, dass die Partien im Eurosport Player zu sehen sind. Hierbei handelt es sich um ein reines Online-Streamingangebot, das aktuell mit 29,99 EUR pro Jahr zu buche schlägt und zukünftig 59,99 EUR kosten wird.
Doch auch mit einem Abo ist der Fußballgenuss auf dem Fernseher noch nicht gesichert. Eurosport bietet zwar Anwendungen zum Abruf der Programme an. Diese sind aktuell allerdings nur für Smartphones mit Anroid- oder iOS-Betriebssystem und den Apple TV verfügbar. Auf den TV streamt man das Ganze nur mit einem Chromecast-Stick, der eine Verbindung zum Handy herstellen muss. Anwendungen für TV-Geräte, den deutlich beliebteren Amazon Fire TV Stick oder Spielekonsolen sucht man derzeit vergeblich. Auch der Chromecast-Stick (39 EUR) schafft keine absolute Abhilfe. Nutzer klagen in den Bewertungen der App über stockendes Bild, schlechte Bildqualität und regelmäßige Aussetzer. Viele Fans der Bundesliga werden deshalb auf die Übertragung der 40 Spiele verzichten müssen.
Noch schlimmer stellt sich die Situation für Gastronomiebesitzer dar: Der Eurosport Player darf gemäß der aktuellen Bedingungen ausschließlich im privaten Rahmen genutzt werden. Das bedeutet, dass Besitzer von Sportsbars und Kneipen aktuell keine Möglichkeit haben, die Partien am gastronomisch wichtigen Freitagabend live zu übertragen. Vier Wochen vor Saisonbeginn ist auch hier noch keine Lösung in Sicht.
Ein freiwilliger Verzicht von Sky?
Wirft man einen Blick auf die Rechtevergabe, fällt das sogenannte “OTT-Paket” auf. Das Over-The-Top-Content-Paket beinhaltet laut Ausschreibung “3 Bundesliga-Spiele pro Spieltag exklusiv für Web-TV und Mobile”. Dahinter verbirgt sich die Trennung der Übertragungswege. Mit diesem Paket wollte die DFL der eingangs angesprochenen Pflicht nachkommen, nicht alle Übertragungsrechte an einen Käufer zu vergeben.
Durch die Aufteilung der Rechte zwischen Discovery und Sky kam das Paket zwar nicht zur Versteigerung. Das OTT-Paket bedeutet aber auch, dass Sky entgegen der weitläufigen Meinung sehr wohl die Möglichkeit hatte, alle Spiele für die Übertragung im linearen Fernsehen (Kabel/Satellit) zu erwerben. Ein Bericht der WirtschaftsWoche erwähnt das Branchengerücht, Sky habe auf das Paket der 40 Bundesligaspiele spürbar weniger geboten.
Sky ging offensichtlich davon aus, dass eine Einigung mit Eurosport erzielt wird und somit auch zukünftig alle Spiele über die Sky-Plattform empfangbar sind. Zudem sollten wohl Blackouts, also nicht empfangbare Spiele, bei Sky Go und dem Sky Ticket vermieden werden. Vor allem letzteres soll bei Sky eine neue Vermarktungssäule darstellen. Zum Preis von 29,99 EUR pro Monat oder 9,99 EUR pro Tag erhält man Zugriff auf die Livespiele . Im Gegensatz zum gängigen Sky-Angebot ist hierbei kein Vertrag über mindestens zwölf Monate nötig. Beim Verkauf der OTT-Rechte wäre die Übertragung von 102 Spielen nicht zulässig gewesen.
Auch die Furcht vor der drohenden Web-Konkurrenz dürfte Sky zum Verzicht bewogen haben. Für das OTT-Paket interessierten sich mit der Deutschen Telekom, der Perform Group (DAZN) und Amazon gleich drei Big Player, die sich im Sportbereich etablieren wollen. Beim genauen Blick auf das Paket und die Beschränkung auf Web und Mobile kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass die DFL einen Einstieg dieser Big Player begrüßt hätte.
Letztendlich ist Sky durch das Taktieren bei der Rechtevergabe maßgeblich daran beteiligt, dass 40 Bundesliga-Spiele auf TV-Geräten praktisch nicht empfangbar sind. Dafür wurden drei große Konkurrenten vorerst in Schach gehalten.
Zukunftsmöglichkeiten
Dass sich die Situation bis zum Anpfiff am 18. August ändert, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Dabei hätte Eurosport durchaus Möglichkeiten, die mehr oder weniger realistisch sind.
Discovery könnte nach wie vor eine Einigung mit Sky erzielen. Denkbar wäre hierbei etwa ein Eurosport Premiumkanal, den Kunden kostenpflichtig auf ihre bestehende Smartcard zubuchen können. Mit Sportdigital.TV bietet Sky bereits seit mehreren Jahren einen Premiumkanal an, der aktuell für 5,99 EUR/Monat zubuchbar ist. Diese Lösung erscheint aktuell am wahrscheinlichsten, da auch Sky von einer effektiven Preiserhöhung profitieren würde.
Eine weitere Möglichkeit stellt für Discovery die Einführung eines eigenen Pay-TV-Pakets dar. In Kabelnetzen müsste hierfür eine Einigung mit den einzelnen Netzbetreibern (z.B. Unitymedia, Vodafone, Kabel BW) erzielt werden. Gegen einen Zusatzbetrag kann der Netzbetreiber den Kanal dann auf der bestehenden Smartcard freischalten.
Für Zuschauer, die ihr TV-Signal per Satellit erhalten, gestaltet sich die Sache allerdings schwieriger. Die Smartcards von Sky stellen zum derzeitigen Zeitpunkt den größten Anteil dar. Daneben befindet sich nur HD+ der Gesellschaft SES S.A. flächendeckend auf dem Markt, das den Empfang der privaten TV-Programme in HD ermöglicht. HD+ bietet aktuell jedoch keine Premiumoption an. Zudem wäre bei der exklusiven Verbreitung über HD+ ein zweiter Receiver nötig, da SES auf ein anderes Verschlüsselungsverfahren setzt als Sky. Sollte Discovery ein völlig eigenständiges Paket auf den Markt bringen, wäre ebenfalls ein zusätzlicher Receiver samt Smartcard nötig.
Während die Verbreitung in den Kabelnetzen durchaus noch realistisch ist, ist das Aufschalten eines neuen Satelliten-Kanals ohne Kooperation mit Sky nahezu ausgeschlossen.
Die Bundesliga nur im Stream — ein Horrorszenario rückt näher.


