In der Unterströmung

Wenn die Dunkelheit dich flutet.

Versunken

Dieses Leben. Grelle, bunte Farben. Lichter und Lärm. So viele Menschen, so viele Emotionen. Alles dringt in mich ein, wie Wasser in meine Lungen. Zieht mich nach unten. Nach innen.
Ich suche die Stille, doch das Rauschen der Unterströmung ist ohrenbetäubend. Ich suche nach Licht, doch hier unten innen herrscht nur Finsternis. Ich suche Klarheit, doch das Chaos um mich herum, lässt sich einfach nicht in Systeme ordnen.
Ich stehe hier inmitten des Stroms meines Bewusstseins, am tiefsten Grund eines unendlich weiten Meeres und werde immer weiter fortgetrieben…

Ich atme ein. All diese Reize… Ihren schärfsten Punkt immer auf mich ausgerichtet. Von überall, ohne Unterlass. Schon mein ganzes Leben lang. Ich atme aus.

Bildschirmflackern, drei kurze, grelle Blitze. Tonnen von Daten.

Es fühlt sich an, als wären meine Filterschleusen schon immer ein Stück zu weit geöffnet, so dass permanent viel zu viel, viel zu intensiv in mich einfließt und alle Synapsen flutet.

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Farben (explodieren, implodieren, explodieren) und Formen verlangen unaufhörlich Neuinterpretationen. Verwandeln sich, bleiben nicht stehen, rasen und schlagen Haken. Verschlingen Unmengen neuronaler Bahnen.

Töne, Musik, übervoll und übersteuert. Bergen unendlich neue Klangkosmen in ihren satten Körpern voller Zwischentönen. Verlangen, dass ich sie auseinandernehme und immer wieder neu zusammensetze, damit ich sie verarbeiten und ablegen kann. Unmengen. xxxX x Neuronaler Bahnen. XXXXX XXx

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XXXXxxXXxxXXxxXxxxXxx xxXXxXX XxxxxxX XxxxxX xXxX xXxXx xxxXXxx xXXXXXXXXXXXXXXXXX xxXXXXxXxxxxxxxxxx X Menschen, ihre Geschichten. Und wie sich Millionen Facetten in ihren Gesichtern (um)formieren, wenn sie sprechen, lächeln oder sie traurig sind. Ich schaue sie an und sehe hinein, obwohl ich nicht will. Permanente Neueinschätzungen, Analysen, Auswertungen - in Lichtgeschwindigkeit. Mein Verstand feuert aus allen Rohren und eine neu entstandene, hyperrotierende Galaxie an Impulsen, kracht in die nächste und die nächste. Während sich alle internen Systeme, immer weiter gegenseitig aufpeitschen, auf Hochtouren laufen (oft kurz vor dem Kollaps) und tiefer und tiefer gehen. Axon-Explosionen setzen Sprengungskettenreaktionen in Gang, elektronische Nervenimpulsleitungen schlagen wildgeworden im Wasser umher, schlagen Funken, zischen und kreischen.

Störgeräusche, weißes Rauschen.

xxX xX xx Ich dachte immer dieser permanente „Input-Overflow“ sei ganz normal und natürlich: die geballte Wucht des Lebens in und um uns, dem jeder einfach nunmal ausgesetzt ist. Kannte es es ja nie anders.

Meine Kindheit und Jugendzeit bestand aus zwei extremen Tagesformen: Völlig überdreht weil komplett überreizt oder in mich gekehrt, still und verschlossen, zum eigenen Schutz(versuch) xxx x x x xxxXX x vor den Haifischzähnen der Außenwelt. xxxxxxx xxx xx xxxx xx Xx xxxxxxxxx xxxxx xXxxxx x x x xxxxxxXXXX xXXX xxxxX XX X xxxxxxxX X XXXXX xx X X XXx XXXX xx xXXXXX XxX x

Inmitten von Sirenen

Erst traten sie nur vereinzelt und in bestimmten Situationen auf, irgendwann hatte ich sie dauernd und überall. x xx x Und wusste nicht, was überhaupt mit mir los war. Komplett ahnungslos, war ich ihnen völlig ausgeliefert und jedes Mal bis ins Mark erschüttert. x

Urplötzliche Tauchgänge in die Tiefen der Hölle.

Xx Dann ging alles ganz schnell: Obwohl ich (eher instinktiv) die Handbremse zog undxX xmeinen 60 bis 80 Stunden Job gekündigt hatte, trafen sie mich mit voller xWucht.

Die beiden eng befreundeten Dämonen aus der Dunkelheit.

Ob es einen Gott oder Himmel gibt, weiß ich nicht. Doch die Hölle, die Hölle gibt es definitiv. Ich habe sie schon oft besucht. Sie ist furchterregender als alles, das man sich vorstellen kann.

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Sieben Monate später voller innerem Schrecken, Terror, unendlicher Traurigkeit und schlimmsten XXXXXXxAttacken und Zuständen, war ich mit Hilfe einer XXXXXxXXXXXxxx wieder der Alte. xx Wobei, nach so einer Grenzerfahrung ist man nie wieder der Alte. Wenn man erst Mal in den endlosen Abgrund im Kopf geblickt hat und weiß, zu welcher Grausamkeit der eigene Verstand fähig ist, verändert man sich für immer. xX x Man ist nach ein paar Wochen oder Monaten, um Jahre gealtert.

Sperrfeuer an Störgeräuschen.

Diese unbeschreibliche Unterströmung - und der dauerpräsente Horror vor einem erneuten Sog in die Tiefe. Verräter meiner Seele. Und dann diese tonnenschwere Traurigkeit: Künstlich injiziertes Gift, wie Zitteraale in meinen Venen. Xx xx XXXxxxxxxxxx xx X xxx xX x xX xx x x xx XXXXX xXXX xXXXXXX xXXX xxx xxxxxX x Sechs Jahre hatte ich Ruhe und dachte, diese dunkelste Episode meines Lebens würde sich nie wieder wiederholen. Ich wollte sie ganz weit wegschieben von mir, um sie eines schönen Tages, endlich ganz vergessen zu können (wie naiv ich doch damals war). xx x

DoXxh dann kamen sie wieder. x

Dieses Mal war der Einschlag so gewaltig und die Unterströmung so rasend, tosend und vehement, dass meine Augen durch sie in Mitleidenschaft gezogen wurden. (Das nennt man Psychosomatik) Und mir hatte man immer erzählt „Dir kann nichts passieren, das ist alles nur in deinem Kopf“. XxxX X x

Da waren sie wieder, die beiden Reiter der Apokalypse (als wäre das eine ohne das andere nicht schon genug). Gepaart mit einer neuen XxxxXX xx X um meine Gesundheit (um meine Augen bzw. zu erblinden), die sich wiederum durch diesen starken, anhaltenden Sog immer weiter verschlechterten (…und das nennt man Teufelskreis). xXXXXXXXxxxXx xxXXXXXXXXXXX x x x x x x xxx X xxx X xXXXXXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXxxXXXXXXX XXXXXXXXXXXx x x x Xx

Ich ertrank in Hilflosigkeit und Ohnmacht und hatte keine Vorstellung mehr, wie ich da je wieder heil rauskommen sollte, um wieder leben und auch funktionieren zu können. x xx Immerhin war ich mittlerweile XXX alleinverdienender Vater von 2 kleinen Kindern. Die Familie durchzubringen ist ja schon für jeden Gesunden, die vielleicht größte Verantwortung und Sorge imXxxx xxxxx xx x x xx x x x. xx x x xx x Leben. xxx x

Knacken. Oszillierendes Pfeifen. Stimmen?

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AxXxlles Licht war erloschen. Es gab keinen Ausweg mehr, mich von all dem SchmerzxxxXXXx zu befreien. Doch! Einen gibt es immer XXXxxX xxxx X und der funktioniert todsicher.

“Ich habe genug gelitten. Jeder wird das verstehen. Hätte ich keine Kinder, dann…”

Als ich zum ersten Mal im Leben wirklich ernste XxxxXXgedanken hegte, die immer lauter und vehementer wurden, gab ich auf und lies mich in eine xXXiXXkx x einweisen. Es folgten 3 Monate voller TxXXxxpXx, starken Medikamenten und alles was zu solch einem Alltag unter anderen “VexXXxxxxxn x”eben so dazugehört. Was für eine wahnwitzige Zeit. x x xx xxxx XXxWelch seltsamer Schwenk in meinem Leben, in eine so schräge, abgedrehte Realität. XxXXX xx Wirklich unbeschreiblicxX. Noch heute bin ich fassungslos, welche Haken das Leben schlagen kann und wie schnell sich Realitäten komplett umkehren können.

Wieso ich? Wieso passiert mir so etwas? Ich bin doch kein schlechter Mensch?!

Als ich wieder draußen im “echten Leben” war, war ich schlauer aber keineswegs x x geheilt. So funktioniert das wohl nicht. Es geht nicht darum, die XXXXXXxX loszuwerden - sondern mit ihr in Balance zu leben. Wie schön und harmonisch das doch klingt.

Ich hatte kleine und leider auch große xRückschläxeXXXx und kämpfe und beisse mich noch bis heute durch, um wieder in meine Mitte zu kommen. XXXXXXXXxxX XXXXXXXXXXXXXXXxxxxxxx xxxxxxxxxxxXxxxx xxxxxxx Raus aus dem unheimlichen XxOzean (oder besser: tauchen lernen?) mit XxxxStörgeräuschen Xxxx x auf Minimum und Achtsamkeit auf Maximum. Ich, im jetzt und hier.xxX x xXxXXXXX X

Leise, verzerrte Stimmen im Störungsrauschenmeer. Grelle Lichtblitze.

xIch habe viel über mich gelernt. Xx Über mein inneres Kind, meinen Druckmacher und mein erwachsenes Ich. XxX Über innere Stimmen, die gehört werden wollen, sonst zeigen sich sich als xXXXXXXx (verrückt!). Über einen inneren Gedankenfilter, den ich fortan zwischengeschaltet habe, der so früh wie möglich erkennen soll, welches dämonische Flüstern vom Druckmacher kommt und XXXXXXX XXXX XX xsomit nicht XXxx gut für mich ist (denn er ist ein gottverdammter Lügner!). XXx x x x x XXXXXXXX x

Plötzlich wird alles schwarz. Der Sturm scheint vorbei. Für den Moment.

Den Buddhismus, der mich in meiner Jugend so interessiert und fasziniert hat, habe ich für mich wiederentdeckt. Meditation, Achtsamkeit, Xx x Gelassenheit und (Selbst-)Liebe sind eine große Hilfe für meinen Weg zu meiner Mitte, zum Licht. An die Wasseroberfläche. Raus aus dem Mariannengraben.

Ich schwximmexxx.

Omid heisst Hoffnung

Hier stehe ich jetzt also (was, nach allem was passiert ist, xxx x keine Selbstverständlichkeit ist) und verleugne den Ozean in mir nicht mehr XXXXXX XXX XXXXXxxxXX.

Was mache ich jetzt? Ich mache weiter…

Ohne Dunkelheit kann man die Sterne nicht sehen. Und wenn mich das Leben das nächste Mal wieder KO schlägt, drehe ich mich eben auf den Rücken und betrachte sie, oder höre ihrem Gesang zu. The trick is to keep breathing. And to do more of what makes you happy.

Ich atme ein. Lasse meinen manischen Perfektionismus los und meine Obsession meine Arbeiten immer mit 110% fertigzustellen. Ich atme aus. Keinen Druck mehr! Nicht immer wieder neu anfangen, weil es nicht perfekt geworden ist. Es ist ok nicht perfekt zu sein. 60% reichen völlig aus. Atme ein und lasse die xXX x zu, sie wird bald zu meinem FreundXx. Ich atme aus. Lasse meine Gedanken weiterziehen und glaube nicht mehr alles was ich denke. Ich höre auf zu rennen und komme dadurch an.

Ich atme ein. Bin ruhig. Hier und jetzt. Ich atme ausx X XXXX x


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