Wie man zum Minimalist wird in 5 Schritten
Minimalismus vereinfacht unser Leben und hilft, sich auf das Wesentliche zu fokussieren
In den nächsten 5 Minuten erfährst du,
- was es bedeutet Minimalist zu sein
- warum heute immer mehr Leute zu Minimalisten werden und
- wie auch du in fünf Schritten zum Minimalist wirst
Was bedeutet es, ein Minimalist zu sein?
Ein Minimalist lebt, wie das Wort bereits sagt, minimalistisch. Das beinhaltet, dass wir nur dann Dinge kaufen, wenn sie wirklich einen Nutzen haben oder tatsächlich gebraucht werden. Minimalisten sind nicht grundsätzlich gegen Konsum, denn jeder von uns konsumiert auf seine Weise. Es handelt sich bei Minimalisten jedoch um einen achtsamen, nachhaltigen Konsum.
Ein Minimalist versucht beispielsweise mit wenigen Kleidungsstücken auszukommen, wählt diese jedoch nach nachhaltigen Kriterien aus (Haltbarkeit, Produktionsweise, Herkunft, Material usw.), um nicht bald wieder etwas kaufen zu müssen. Gleichzeitig wähle ich persönlich neue Sachen so aus, dass sie farblich zu allen anderen Kleidungsstücken passen. Denn dann bekomme ich auch mit ganz wenigen Kleidungsstücken viele Kombinationsmöglichkeiten hin.
Ähnlich spielt es sich beispielsweise mit Dekoration oder Möbeln ab. Ein Minimalist wird selten viele Einrichtungsgegenstände oder Dekoartikel haben. Er versucht sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Platz in seiner Wohnung oder seinem Haus nur mit den Dingen füllen, die einen persönlichen Wert haben.
Eine der großen und schwierigen Aufgaben eines Minimalist ist es in diesem Zusammenhang sich emotional von Dingen zu lösen. Zu verstehen, dass auch Erinnerungsstücke materieller Natur sind und nicht die wirkliche Erinnerung, denn die haben wir ja immer bei uns.
Dieser Schritt ist mit Abstand der Schwierigste und kann von Person zu Person länger oder kürzer dauern. Doch sobald diese mentale Blockade überwunden ist, liegt der Weg zum Minimalismus und dem Abschied von materiellen Dingen frei vor uns.
Wichtig ist zu verstehen, dass es im Minimalismus kein Richtig oder Falsch gibt.
Niemand muss sich an einem Wochenende von allen Dingen trennen können. Es kann auch 3 Monate oder ein Jahr dauern. Minimalistisch zu leben stellt unser gesamtes Wertesystem auf den Kopf und dafür sollte sich jeder seine eigene Zeit nehmen.
Warum Minimalismus unser Wertesystem auf den Kopf stellt? Die gesamte Konsumwirtschaft ist darauf ausgelegt, dass wir uns neue Dinge kaufen sollen. Es gibt Tausende von Menschen, die sich tagtäglich nur damit auseinandersetzen, wo die Dinge im Laden positioniert sein müssen, um Kunden zum Kaufen anzuregen. Wie der Geruch, die Lichter, die Musik eingestellt sein muss, damit sie anregend wirken. Das gleiche gilt für online.
Deren Ziel ist, dass wir auf die innere Stimme im Kopf hören, die uns sagt, dass wir Dieses oder Jenes unbedingt brauchen, um glücklich zu sein. Und diesen Mythos gilt es als Minimalist zu durchbrechen — und das ist härter als man denkt.
Warum wollen heute viele zu Minimalisten werden?
Ich spreche in diesem Punkt hauptsächlich aus meiner eigenen Erfahrung, denn die Gründe, Minimalist zu werden, variieren natürlich von Person zu Person. Es gibt aber trotzdem einen Grundsatz, der mich und viele andere vom Minimalismus überzeugt hat.
Ich hatte das vermeintlich perfekte Leben. Mann, Hund, gutes Gehalt, toller Job und doch war ich unglücklich. Irgendwann begann ich mich für die vielen Arbeitsstunden zu belohnen, weil ich mir dachte, wenn ich dieses neue Outfit habe, dann bin ich glücklicher.
Und so kam es, dass ich mehr und mehr bestellte, aber kein bisschen glücklicher wurde — nur ärmer.
Irgendwann kam dann mein Burnout und ich brach unter völliger Erschöpfung zusammen. Eine schwierige Zeit, aber ein guter Zeitpunkt sein bisheriges Leben zu überdenken.
Ich habe erkannt, dass je mehr ich gearbeitet habe, desto mehr habe ich mich von meinem sozialen Umfeld entfernt. Je mehr ich mich entfernt habe, desto unglücklicher wurde ich. Je unglücklicher ich wurde, desto mehr habe ich gekauft. Und je mehr ich gekauft habe, desto mehr musste ich arbeiten, um wieder Geld zu verdienen.
Und dies ist ein Punkt, den viele Minimalisten verbindet: Wir haben gekauft, um uns glücklicher zu stimmen, bis wir bemerkten, dass diese Strategie nicht funktioniert.
Wenn ich zurück blicke, fühlt es sich oft an, als wäre ich fremdgesteuert gewesen. Fremd gesteuert von der Konsumwirtschaft & -gesellschaft, der ich mich kampflos unworfen hatte.
Und genau deshalb ist Minimalismus in diesen Situationen so kraftvoll: Minimalismus hilft dabei, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Ähnlich wie Achtsamkeitsübungen dabei helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
Im Minimalismus umgibt man sich vorwiegend mit Dingen, die im Hier und Jetzt wichtig sind und verabschiedet sich von allem anderen.
Für mich persönlich, hat diese Werteverschiebung mein ganzes Leben verändert und vorallem vereinfacht. Ich fühle mich freier und unabhängiger als zuvor und finde mehr ‘Purpose’ in den Dingen, die ich tue und besitze.
In einem der nächsten Blogposts werde ich im Detail auf die Effekte des Minimalismus eingehen und wie er mein Leben genau verändert hat. Jetzt geht es aber erstmal darum, wie man überhaupt zum Minimalisten wird.
Wie wird man zum Minimalist in 5 Schritten
So, in diesem Teil hoffe ich, dass ich euch den Weg zum Minimalismus so ‘actionable’ wie möglich erläutern kann. Denn ich persönlich kann es gar nicht leiden, wenn ich einen Artikel lese und danach immer noch nicht weiß, wie ich durchstarten soll. Deshalb, hier die fünf wichtigsten, ersten Schritte, um Minimalist zu werden:
So werde ich zum Minimalist #1 — Löse dich von materiellen Dingen
Der erste und ‘einfachste’ Schritt ist der Abschied von materiellem Besitz. Das Ziel ist, dass wir nur noch die Sachen in unserem Haus haben, die wirkliche eine Aufgabe erfüllen oder einen Mehrwert zu unserem täglichen Leben beisteuern. Es gibt viele verschiedene Techniken, wie man an das Ausmisten herangehen kann. Ich erzähle euch jetzt einfach mal von meiner :)
Insgesamt haben mein Mann und ich circa 1,5 Monate gebraucht, bis wir uns emotional von allem lösen konnten und sind dabei in Schritten vorgegangen.
- Ich habe mit meinem Kleider- & Schuhschrank begonnen. Da ich ein Pullover-, Jacken- und Sneakerssammler war, versprach ich mir den größten Durchbruch bei den Klamotten. Am ersten Wochenende habe ich einfach alle Sachen in einen Müllsack, die ich in den letzten 6 Monaten nicht getragen habe. Am selben Tag kamen die Säcke zur Kleidersammlung, damit ich nicht anfangen, die Sachen wieder rauszuholen.
- Am zweiten Wochenende bin ich wieder zum Kleiderschrank und habe alles aussortiert, das ich zwar hin und wieder trage, aber eigentlich gar nicht sooo schön an mir fand. Dann ging es weiter zum Schuhregal. Hier nahm ich mir vor, nur noch 2 Sneakers, 2 Pumps, 1 Set Birkenstock und 1 Set Winterschuhe zu behalten. In Farben, die mit allen meinen Kleidungsstücken kombinierbar sind. Alle anderen gingen sofort in die Kleidersammlung.
- Am dritten Wochenende ging ich wieder zum Kleiderschrank. Dieses mal war die Aufgabe, dass ich nur noch die Kleidungsstücke behalte, die miteinander kombinierbar sind. Am Ende waren das 3 Pullover, 3 Tshirts, 1 Longsleeve, 4 Hosen, 2 Kleider, 1 Rock, 1 Short und 2 Sets Sportkleidung.
- Am vierten Wochenende kam der emotionale Durchbruch. Ich nahm mir meine heilige Buchsammlung vor. Für ein Jahrzehnt habe ich mich über meine Buchsammlung definiert und war so stolz auf die vielen Werke, die dort in meinem Schrank standen. Doch irgendwie habe ich an diesem Wochenende verstanden, dass ich nicht die Büchersammlung bin. Sie spiegelt mich nicht wieder. Das Intellektuell ist immer noch da, auch wenn die Bücher nicht mehr da sind. Plötzlich wurde mir klar, dass viele Menschen gar nicht den Zugang zu guter Literatur haben und ich mich glücklich schätzen kann, dass ich das Geld und die Bildung erhalten habe, mir diese Sammlung zu ermöglichen. Auf einmal fand ich es auch peinlich, dass ich wollte, dass die Besucher in meinem Haus über mich als Intellektuelle dachten, wenn sie die Sammlung sahen. Deshalb entschied ich mich im ersten Schritt nur die Bücher zu behalten, die ich meinen Kindern später zum lesen geben wollte. Als Resultat spendeten und verkaufen wir ca. 1500 Bücher.
- Am fünften Wochenende war nichts mehr sicher. Da ich mich von meinem vermeintlich wichtigsten, emotionalen Besitz —Bücher —getrennt hatte, war meine emotionale Blockade überwunden. Plötzlich hatte nichts mehr so richtig viel Wert für mich und es war so einfach, Dinge wegzutun. Damit startete ich meinen zweiten Anlauf auf das Bücherregal und trennte mich fast jeden Tag, Schritt für Schritt, von weiteren Büchern. Heute besitzen wir noch ca. 20 Bücher, die uns wirklich am Herzen liegen. Ansonsten verkaufen oder spenden wir jedes neue Buch, das wir kaufen.
Am gleichen Wochenende nahm ich mir dann die Dekorationen vor und warf rigoros ALLES weg. Ich wollte nichts mehr rumstehen haben, das keinen Mehrwert bietet. Deswegen behielten wir nur 3 kleine Blumenvasen, Pflanzen und unsere Wandbilder. - Am sechsten Wochenende nahmen wir uns Küche, Bad, Keller und alle anderen Schränke vor. Wir haben gerne Gäste, deswegen beschlossen wir ein Sechserset zu behalten, d.h. 6 Teller, 6 Gabeln/Messer, 6 Gläser usw. Dann haben wir alle Pfannen und Töpfe weg, die irgendwie doppelt waren oder nur selten genutzt wurden. Schlußendlich behielten wir 2 Pfannen (groß & klein) und zwei Töpfe. Und genau so sind wir in allen anderen Räumen vorgegangen. Wir behielten 2 Sets Bettwäsche und Handtücher, denn wenn ein Set in der Wäsche ist, kann das andere benutzt werden.
So werde ich zum Minimalist #2 — Spende/verkaufe den Exzess
Wie zuvor schon erwähnt war ein zentraler Punkt, dass wir uns schnell von den aussortierten Dingen gelöst haben. Wir haben einfach alle Dinge in verschiedene Berge aufgetürmt.
- Dinge, die gespendet werden: Hier gibt es viele Möglichkeiten und tatsächlich ist das auch ein riesiger Motivationsfaktor, weil man sich nach dem spenden gut fühlt. Die Dinge finden einfach einen neuen Besitzer, der sie mehr schätzen wird als man selbst. Spenden kann man z.B. beim Roten Kreuz, Caritas, Büchereien, Secondhand Läden, Kleidersammlung…
- Dinge, die verkauft werden: Da wir hauptsächlich englische Bücher hatten, die die Bücherei nicht gebrauchen konnte, verkauften wir unsere Sammlung auf momox.de. Das war super einfach und wir haben uns noch ein bisschen was dazu verdient. Ähnlich mit Kleidungsstücken oder Möbeln, die wertvoll waren. Die haben wir auf Kleiderkreisel oder Ebay verkauft.
- Dinge, die verschenkt werden: Einige Sachen waren noch schön und ich wusste, dass einige Freunde oder Familienmitglieder interesse daran haben könnten. Ich habe dann Bilder davon gemacht und sie an Freunde geschickt oder wenn die sie nicht haben wollten, kamen sie auf Ebay Kleinanzeigen zu Verschenken. Das lief sehr gut.
- Dinge, die weggeworfen werden: Leider konnten viele Dinge, vorallem Deko, nicht mehr verkauft oder gespendet werden. Diese Sachen kamen dann direkt auf die örtliche Deponie. Wir mussten tatsächlich relativ viel Geld bezahlen, aber es gibt auch viele Gemeinde-Wertstoffhöfe, die kostenlos Sperrmüll annehmen.
So werde ich zum Minimalist #3 — Impuls-Käufe vermeiden
Der erste Schritt ist getan, doch das war tatsächlich der einfachere. Minimalismus bedeutet ja nicht, dass man ausmistet, damit man wieder neue Sachen kaufen kann und es bald genauso voll aussieht. Sondern es geht darum, langfristig achtsam zu kaufen. Damit das gelingt, muss man zunächst die Impuls-Käufe unterbinden, d.h. das Päckchen Gummibärchen an der Kassentheke oder das Paar Schuhe beim Vorbeigehen am Schaufenster.
So gelingt’s:
- Kochliste
Plane deine Gerichte für die Woche vor und schreibe auf, welche Produkte du dafür brauchst. - Einkaufsliste
Füge dem Einkaufszettel täglich hinzu, wenn dir ein Nahrungsmittel ausgeht. Und wenn du einkaufen gehst, kaufst du nur die Dinge, die auf der Koch und Einkaufsliste stehen. Wenn du etwas vergessen hast, dann kaufe es trotzdem nicht, sondern schreib es auf den Zettel und bring es nächstes mal mit. - Finanzplan
Rechne durch, wie viel Geld du nach Abzug aller laufenden Kosten sparen kannst. Teile diesen Betrag in Budgets auf, die mit deinen größeren finanziellen Unkosten übereinstimmen, z.B. möchten wir nächstes Jahr in den Urlaub fahren und eine Wohnung kaufen. Dann ziehen wir das Urlaubsbudget vom Gesamtbetrag ab und rechnen aus, ab wann wir die Anzahlung für eine Wohnung realistisch erreichen können, wenn wir konstant den gewünschen Betrag sparen. Da ich dieses Ziel vor Augen habe, ist es für mich viel einfacher ‘Nein’ zu sagen, wenn ich schöne Schuhe im Schaufenster sehe, weil ich weiß, dass mir diese 100€ später fehlen werden. Zusätzlich mache ich mir wöchentliche Budgets, z.B. 30€ für öffentliche Verkehrsmittel, 50€ für Café & Restaurant etc.. Das ermöglicht, dass ich trotzdem Spaß haben kann am Geld ausgeben und mich nicht immer schlecht fühlen muss, denn das Geld ist ja genau für diese Sache geplant worden. Für Kleidung plane ich mir jedoch nur 2x im Jahr ein Budget ein und witzigerweise habe ich seitdem gar kein Interesse mehr am Shopping. Hätte ich nie erwartet.
So werde ich zum Minimalist #4 —Nachhaltig einkaufen
Das gleiche System kann auch auf Nahrungsmittel angewendet werden. Wie zuvor erwähnt, macht es Sinn sich einen Kochplan zu machen und nur die Lebensmittel zu kaufen, die wirklich gebraucht werden. Das spart Geld und reduziert die Lebensmittelverschwendung.
Wir haben uns zusätzlich dazu entschieden Lebensmittel-Retter-Boxen von etepetete zu bestellen. Da erhalten wir jede Woche genau so viel Gemüse und Obst, wie wir verbrauchen. Mir ist auch aufgefallen, dass wir seither noch gesünder essen, einfach, weil wir die Sachen bis zur nächsten Box aufbrauchen möchten und dann lieber eine Gemüsepfanne statt Nudeln mit Sauce zubereiten.
So werde ich zum Minimalist #5 — Achtsam leben
Um Minimalismus zu verinnerlichen, hilft es sehr achtsam zu leben. Beispielsweise haben wir uns immer mehr auf Hobbies fokussiert, die kein Geld kosten, z.B. wandern und laufen.
Wir verschenken keine materiellen Dinge mehr, sondern spenden lieber im Namen des Beschenkten für ein gutes soziales Projekt.
Wir bündeln unsere Meetings mit Freunden an bestimmten Tagen, damit wir die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel gering halten, d.h. manchmal treffe ich 4–5 Freunde back-to-back an einem Tag.
Da wir kaum mehr shoppen und weniger Geld ausgeben, habe ich beschlossen nur noch halbtags zu arbeiten. Die gewonnene Zeit investiere ich jetzt in Familie, Freunde und eigene Projekte, wie diesen Blog. Denn, wie oben erwähnt, war die soziale Isolation ein großer Faktor im Kaufrausch.
Auf ins minimalistische Leben
Es gibt verschiedene Wege, Minimalist zu werden. Der hier Beschriebene ist nur ein Beispiel, der für mich funktioniert hat und immer noch funktioniert. Spannend war vorallem, wie sich während es ganzen Prozesses, die Einstellung zu materiellen Dingen verändert. Wie befreiend es ist, Krempel loszuwerden und bewusst seine Einkäufe zu tätigen. Für mich war dieser Wandel ein Geschenk, denn nun habe ich mehr Zeit, mehr Geld, mehr Freunde und mehr Freiheit.

