A Vampyre Story in Draxylvanien

In einem Schloss im lauschigen Draxylvanien wird die Opernsängerin Mona de Lafitte von dem schrulligen Vampirbaron Shrowdy von Kiefer festgehalten. Dieser fällt Vampirjägern zum Opfer, Monas Chance endlich die Flucht zu ergreifen und zurück nach Paris zu eilen. Hilfe erhält sie von ihrer Fledermaus Froderick.

Soviel zum Inhalt. Klingt doof? Ist es aber nicht! Tatsächlich ist es den Machern von „A Vampyr Story“ gelungen ein doch ziemlich stimmiges Abenteuer vorzulegen. Klar, schließlich zeichnet Altmeister Bill Tiller (Curse of Monkey Island) für die Story verantwortlich.

Zum Spiel

Laut Verpackung haben wir es mit „Über 30 liebevoll handgezeichneten 2D-Locations zu tun“, und auch hier enttäuscht das Spiel nicht. Wir finden uns in einer wunderschönen Spielwelt wieder, in der auch Details nicht zu kurz kommen. Man verliert sich sehr bald in der düsteren, aber hübschen Comic Umgebung, und würde am liebsten selbst mal eine Nacht auf Schloss Warg verbringen. Auch die Figuren passen wunderbar ins Setting, von einigen kleineren Grafikfehlern abgesehen- nicht immer stimmt das Timing beim Ausführen von Aktionen, was dazu führen kann, dass Gegenstände schon mal durch die Luft schweben. Aber die Verwandlung von Mona in ihre „Fledermausform“ entschädigt für so einiges.

An der Steuerung gibt es auch wenig zu meckern. Durch gedrückt halten der linken Maustaste ruft man ein Kontextmenu auf, dass neben den üblichen Aktionen betrachten/benutzen, bzw. nehmen/ansprechen noch „hinfliegen“ beinhaltet. Schließlich können wir uns, wie erwähnt in eine Fledermaus verwandeln. So sollte man dann auch alle Optionen auf alle Gegenstände im Spiel anwenden. Zum einen wird jede Aktion mit jedem Objekt individuell kommentiert, zum anderen hilft es manchmal beim lösen von Rätseln, auch mal etwas anzusprechen, von dem man nicht unbedingt eine Antwort erwartet, oder man kann ein Objekt eben nur nutzen indem man hinfliegt. 
Die Fortbewegung ist elegant gelöst. Ausgänge sind mit einem Pfeil versehen, mit rechtsklick auf einen solchen verlässt man das Bild sofort. Den Gefallen bei einem Doppelklick ins Sprinttempo überzugehen tut uns Mona zwar nicht, aber durch drücken der Leertaste „beamt“ sie sich an den gewünschten Ort innerhalb des Bildes. Außerdem entdeckt man im Laufe des Spiels Geheimgänge, die das bewegen zumindest innerhalb des Schlosses erheblich abkürzen.

Das Inventar wird mit einem einfachen rechtsklick aufgerufen (hier sollte man auf die Pfeile die Ausgänge markieren achten, sonst wechselt man ständig das Bild, anstatt sein Inventar zu öffnen). Beim Inventar haben sich die Spielemacher zwei nette Gimmicks ausgedacht. Erstens nimmt Mona Sachen, die sie nicht direkt braucht nicht mit, sondern merkt sie sich nur, was durch einen bläulichen Schimmer angedeutet wird und holt sie erst, wenn sie sie braucht. Zweitens hat man auch seinen treuen Begleiter Froderick im Inventar. Es lohnt sich, ihn mit anderen Dingen im Inventar zu kombinieren, denn oft ist das die Lösung eines Rätsels.

Ach ja, Froderick…

Damit das Ganze hier nicht zu kritiklos wird — Froderick nervt. Zugegeben, nicht immer, aber doch recht häufig. Scheinbar hat man sich gedacht, es wäre lustig wenn er schrill und laut zu jedem Mist seine Kommentare ablässt, ist es aber nicht. Das ist dann auch die Gefahr, wenn man sich mal einen Gegenstand anschaut. Es kann einem passieren, dass jetzt ein schier end- und völlig belangloser Dialog zwischen Mona und ihrer Fledermaus folgt. Naja, wer sich über den Esel bei Shrek vor Lachen in die Hose macht kann wohl auch Froderick etwas abgewinnen, mein Ding wars nicht. Ansonsten ist die Sprachausgabe wirklich hervorragend gelungen. Nicht mal Monas pseudo-französischer Akzent wirkt peinlich. Und als besonderes Bonbon kann man sogar die englische Originalversion installieren.

Zum wichtigsten Teil: die Rätsel. Auch hier finde ich „A Vampyre Story“ gelungen. Es ist nämlich kein „gespielter Film“ wie so viele Adventures, in denen die Lösungen so offensichtlich sind, dass man sich einfach durch die Story klickt. Nein, hier muss man schon ab und dann seinen Grips anstrengen, und auch mal zu absurderen Mitteln greifen, ohne das die Rätsel komplett unlösbar sind und man frustriert die Lust verliert. Für den gewieften „Point and Klicker“ dürfte das alles kein Problem sein, als Einstieg in die Adventurewelt dürfte es allerdings ab und zu etwas arg knifflig werden.

Fazit zu A Vampyr Story

Man kann den ersten Teil von „A Vampyr Story“ also durchaus empfehlen, für kurzweilige Stunden wird gesorgt sein. Erster Teil? Richtig gehört. Das Spiel hört nämlich mittendrin auf. Scheint eine neue Mode zu sein, Grafikadventure mit Cliffhangern enden zu lassen, ohne das vorher groß anzukündigen. Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung ähnlich gut ist und relativ bald erscheint, damit ich nicht mein eigenes Review lesen muss, damit ich weiß worum es nochmal ging…