Lost Horizon — eine Abenteuerreise

Mit Lost Horizon wirft Deepsilver — nach der Geheimakte Tunguska Reihe — ein weiteres, klassisches Abenteuerspiel ins Rennen. Und wenn ich klassisch sage, meine ich klassisch. Sowohl die Story, als auch das Setting, die Schauplätze, und auch die Charaktere.

Story

1936. Ein britischer Ex-Soldat -Fenton Paddock — hat sich in seiner neuen Heimat Hongkong eigentlich ganz gut eingerichtet. Klar, er hat etwas Stress mit den Frauen und auch die chinesische Triade ist hinter ihm her, aber das sind alles keine größeren Probleme für einen waschechten Helden. Kompliziert wird es erst, als er auf Geheiß seines ehemaligen Vorgesetzten dessen Sohn und seinen ehemals besten Kamerad und Freund in Tibet suchen soll. Da ist er nämlich verschwunden. 1936…Hongkong…Tibet…ein verschwundener, britischer Soldat… könnten da etwa die Nazis hinter stecken, die in Tibet nach einem Artefakt suchen, dass ihnen unendliche Macht verleihen und den baldigen Krieg entscheiden würde? Na klar! Indiana Jones lässt grüßen! Also auf nach Tibet und mal sehen, ob wir das nicht verhindern können!

Spiel

Lost Horizon ist ein reines Point-and-Click Adventure. Über die Steuerung muss man nicht viel sagen, ein intelligenter Cursor sorgt für ein reibungsloses Abenteuervergnügen. Jeder, der schon ein oder zwei Point and Click Adventure gespielt hat wird keine Probleme mit der Steuerung haben.

Graphisch ist Lost Horizon absolut auf dem neusten Stand. Die Schauplätze sehen durchweg richtig gut aus, seien es die Tibetanischen Hochebenen, die Wüsten Marokkos oder das Berlin der 30er Jahre. Auch die Figuren sehen soweit gut aus und bewegen sich flüssig durch ihre Welt. In Gesprächen wird sogar die Kameraperspektive variiert, was das Spielfilmgefühl noch steigert. Okay, hier ist die Grafik vielleicht dann doch nicht ganz „State-of-the-art- vergleicht man die gerenderten Gesichter etwa mit „heavy rain“. Aber mich hat das ehrlich gesagt nicht sehr gestört. Durch die dynamischen Kameraschnitte und die teils actionreichen Zwischensequenzen entsteht eine wirkliche Abenteuerstimmung, eben im Stile von Indiana Jones.

Die deutschen Sprecher machen ihren Job auch sehr gut. Lediglich die Stimme von Kim, Paddocks bildhübscher Begleiterin, überschlägt sich manchmal etwas und ist einen Tick zu schrill. Aber auch das kann natürlich persönliches Empfinden sein. Die Dialoge selbst sind insgesamt auch sehr gelungen. An manchen stellen wirken die „flotten“ Sprüche von Paddock vielleicht etwas aufgesetzt, aber eigentlich passen sie zu ihm.

Die große Stärke des Spiels sind jedoch nicht die Story, nicht die Graphik und auch nicht die Dialoge. Die Stärke des Spiels sind die Rätsel. Auch wenn sie den erfahrenen Spieler nicht vor unlösbare Aufgaben stellen, sind sie nicht im vorbeigehen gelöst wie bei einigen Genre-Konkurrenten. Deepsilver hat es hier, meiner Meinung nach, besser als bei der Tunguska-Reihe, geschafft, den Spagat zwischen logisch und trotzdem nicht zu einfach, zu schaffen. Und spätestens im letzten Kapitel war ich überzeugt. Hier muss man mit zwei Charakteren spielen und die Art wie man mit diesen beiden interagieren muss ist wirklich super gelungen. Doch da will ich natürlich nicht zu viel verraten, dass muss schon jeder selbst erspielen.

Fazit zu Lost Horizon

Vielleicht ist die Nähe zu Indiana Jones etwas zu groß und vielleicht hätte man sich einen etwas spannenderen, weniger klischeehaften Helden ausdenken können, aber mit Lost Horizon ist Deepsilver doch ein guter Wurf gelungen. Die Erwartungen nach Geheimakte Tunguska waren groß und sind nicht enttäuscht worden. Jeder, der auf klassische Abenteuer steht — seien es Abenteuerfilme oder Abenteuerspiele — ist mit Lost Horizon uneingeschränkt gut bedient. Es ist ein durchaus spannendes, actionreiches Spiel mit einer guten Story. Man fühlt sich einfach gut unterhalten.