Split (2016) Filmkritik

“Etcetera”
Drei Mädchen werden von einem Mann entführt, dem 23 gespaltene Persönlichkeiten diagnostiziert wurden. Sie versuchen der Gefangenschaft zu entfliehen, bevor eine vermeintlich noch gefährlichere 24. Persönlichkeit erscheint.

Vorab: Es gibt Filme, die noch mehr als andere davon profitieren, wenn man sie völlig uninformiert anschaut. Split ist definitiv einer davon. Also sei gewarnt, auch wenn diese Kritik wie üblich keine expliziten Spoiler enthält.

Das ehemalige Hollywood Wunderkind M. Night Shyamalan erlebt derzeit mit The Visit und nun auch Split nach einem tiefen Fall so etwas wie seinen zweiten Frühling. Nachdem The Visit trotz minimalem Budget gut unterhalten konnte, hat sich um Split ein bemerkenswerter Hype gebildet. Schwer zu sagen, ob das einzig an der reizvollen Prämisse liegt, oder einer kollektiven Faszination für Comeback-Geschichten.

Nicht erwarten darf man eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild multipler Persönlichkeiten, die Shyamalan lediglich als Vehikel benutzt um die Bühne für die Plotpunkte und seinen Hauptdarsteller zu bereiten.

Visuell ist Split sehr ansprechend und hält ein paar wirklich schöne Einstellungen und Kamerafahrten bereit. Auch sonst ist der gesamte Film rein handwerklich tadellos inszeniert und trägt eine eigene Handschrift.

James McAvoy ist ein hochbegabter Schauspieler und optimal besetzt in der Rolle des Kidnappers, dessen 23 Persönlichkeiten miteinander konkurrieren und teilweise schlagartig wechseln. Auch wenn nur ein paar seiner Persönlichkeiten eine nennenswerte Rolle einnehmen, ist es eine Freude McAvoy beim Wechsel zwischen unterschiedlichsten Charakteren zu beobachten. Er ist der Dreh und Angelpunkt und man stellt sich besser nicht vor, was mit einem weniger begabten Schauspieler an seiner Stelle aus Split geworden wäre.

Völlig blass hingegen bleiben die drei jungen entführten Mädchen, woran auch die immer wieder eingestreuten Rückblicke nichts ändern. Insbesondere Anya Taylor-Joy, bekannt aus The Witch, bekommt kaum Gelegenheit ihr enormes Talent auszuspielen. Warum die Mädels ihre spärlich gesäten Szenen noch dazu stets in spärlich vorhandener Bekleidung spielen müssen, ist unklar und fühlt sich etwas deplatziert an.

Split lebt von seiner launigen Prämisse und James McAvoys Performance. Das reicht aber nicht aus für einen vollwertigen Film und erst recht nicht bei einer Laufzeit von zwei Stunden. Das Drehbuch hat schlicht zu wenig Substanz, um einen wirklich in die Geschichte zu ziehen. Shyamalan hat aber natürlich noch ein As im Ärmel, das es in sich hat.

Wenn man dann in der letzten Szene begreift, was Shyamalan trotz seines legendären, manche mögen sagen berüchtigten, Rufs gerade mit einem angestellt hat, dann wird das ein kleines, spezielles Publikum ganz sicher komplett umhauen und begeistern. Und tatsächlich kann man davor nur seinen Hut ziehen. Die zwei Stunden davor werden dadurch allerdings zwar vielleicht anders, aber nicht besser.

Fazit

Eine reizvolle Prämisse, eine tolle Performance, ein Shyamalan, aber sonst leider wenig bemerkenswertes. 6/10

Vorsicht, Spoiler.

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