Programmieren lernen mit B-O-B-3

Ein Gespräch mit Katja Bach von nicai systems über ein begeisterndes Pilotprojekt in Aachen.

Ab heut habt ihr drei Tage lang die Chance in Workshops auf der IdeenExpo mit dem Microboard B-O-B-3 Programmieren zu lernen. Auch außerhalb der Mitmach-Messe in Hannover entdecken Kinder und Jugendliche mit diesem Tool die Welt des Codens. Wir haben uns Katja Bach unterhalten, die das Projekt von Beginn an begleitet.

Katja Bach entwickelt u.a. die Unterrichtsmaterialien für B-O-B-3, dank denen Kinder und Jugendliche ab Klassenstufe 5 schnell praktische Programmiererfahrungen sammeln können

Start Coding: Katja, wie bist zu dazu gekommen B-O-B-3 zu entwickeln?

Katja Bach: Ich arbeite schon länger bei nicai system, dem Unternehmen, das B-O-B-3 entwickelt. Da ich selber früher als Ausbilderin im Bereich mathematisch-technischer Softwarentwicklung tätig war, liegt mit die Entwicklung von Tools am Herzen, mit der Kinder und Jugendliche möglichst früh praktische Erfahrungen mit Technologien sammeln können. Bei nicai systems werden seit 10 Jahren verschiedene Roboter und Boards zusammen mit Partnerschulen entwickelt. Durch diesen Austausch ist vor gut zwei Jahren auch die Idee für B-O-B-3 entstanden.

SC: Für wen habt ihr B-o-B-3 entwickelt?

KB: Es eignet sich für die Vermittlung von praktischen Programmiererfahrungen für Lernende ab der fünften Klasse. Dieses Jahr haben wir ein Pilotprojekt mit 223 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5 und 6 durchgeführt, in dem wir völlig begeistert feststellen konnten, dass diese Altersgruppe mit B-O-B-3 ziemlich schnell ins Code Schreiben einsteigt.

SC: Was genau lernen die Kinder und Jugendlichen mit B-O-B-3?

KB: Programmieren! (lacht) Das Tolle an B-O-B-3 und dem dazu gehörigen Online-Lernkurs ProgBob ist, dass alle ab der ersten Übung damit beginnen textuell zu programmieren — es wird also direkt Code geschrieben. Somit bietet er einen einfachen Einstieg in komplexe Programmiersprachen wie C und C++, die zentral für die meisten Softwareprodukte unserer Zeit sind. Aber auch Sprachen wie HTML5, PHP, Java und JavaScript, die grundlegend für das Internet und Webanwendungen sind, können so ganz einfach durch praktische Anwendungsaufgaben erlernt werden.

SC: Wie war das Pilotprojekt mit den 227 Schülerinnen und Schülern gestaltet?

KB: Erst mal haben wir einen Workshop mit den Lehrerinnen und Lehrern veranstaltet, die B-O-B-3 mit ihren Klassen ausprobieren wollten. Es ist natürlich wichtig, dass sie die Materialien und die Hardware kennenlernen und durch praktische Anwendungen Berühungsängste abbauen. Schließlich lernen auch Lehrerinnen und Lehrer nie aus! Als Nächstes haben wir Auftakt-Workshops mit ihnen und ihren Klassen veranstaltet, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre Roboter erst einmal zusammengelötet und die ersten Tutorials ausprobiert haben. Später haben sie dann meist einmal in der Woche selbstständig in einer Doppelstunde an den Online-Tutorials weitergearbeitet. Zwischendurch sind wir auf einen Besuch vorbei gekommen und waren extrem begeistert von der guten Stimmung und den schnellen Lernerfolgen.

Lauter begeisterte Gesichter bei einer der Klassen des Pilotsprojekts — 70% der Pilotgruppe besteht aus Mädchen, die alle Programmieren gelernt haben.

SC: Was hat euch bei dem Projekt besonders gefreut?

KB: Es ist super mitzukriegen, dass technische Dinge wie Löten und vergleichsweise abstrake Themen wie textbasiertes Programmieren in Kombination mit B-O-B-3 beinahe ausnahmslos Begeisterung und anhaltende Lernmotivation ausgelöst haben. Und das in einer Testgruppe, die zu 70% aus Mädchen besteht! Außerdem haben wir in einer kleinen Umfrage ermittelt, dass rund 98% der Schülerinnen und Schülern das Projekt gut oder super gefallen hat. Besonders interessant ist hierbei, dass nur 63% dieser Gruppe angaben, dass sie Mathe gerne oder sehr gerne in der Schule behandeln. Diese Ergebnisse zeigen uns, dass wir mit den richtigen, praktischen Methoden früh Begeisterung für Themenbereiche wecken können, die bei vielen Schülerinnen und Schülern ohne Praxisbezug häufig sehr unbeliebt sind.

Außerdem haben auch die Lehrerinnen und Lehrer das Projekt als sehr positiv wahrgenommen. Die sind im Zweifelsfall natürlich glücklich, wenn ihre Klassen glücklich sind. Zusätzlich haben sie es als Entlastung gesehen, dass die Schülerinnen und Schüler in ihren individuellen Geschwindigkeiten mit den Online-Tutorials lernen konnten und sie als an einzelnen Stellen als unterstützende Beratung hinzugezogen wurden.

SC: Das klingt wirkllich nach einem super Start für B-O-B-3 in der Schule. Was muss deiner Meinung nach passieren, damit vermehrt Technologieverständnis an Schulen in Deutschland vermittelt wird?

Mit B-O-B-3 werden abstrakte Techologien einfach und praktisch erfahrbar.

KB: Es sollte einfach mehr Technik- & Informatikprojekte geben, in denen Kinder und Jugendliche mit Themen und Methoden abgeholt werden, die ihnen Spaß machen. Außerdem brauchen wir mehr Konzepte, die für die Lehrpersonen einfach durchführbar sind und sie deshalb schnell zur Umsetzung überzeugen. Dann brauch es natürlich auch finanzielle Untersützung für Hardware und Fortbildungen. Unser Pilotprojekt wurde z.B. durch Unterstüzung der Stadt Aachen, die Grün Software AG und das zdi Netzwerk Aachen & Kreis Heinsberg ermöglicht, die sich für digitale Themen und Innovationsförderung in unserer Region einsetzen und deshalb verschiedene Werkzeuge sowie die Hardware finanziert haben.

SC: Super, dann wünschen wir euch und allen Teilnehmenden weiterhin viel Freude und Erfolg bei euren Workshops auf der IdeenExpo. Vielen Dank für das Gespräch.