Nintendo Entertainment System

Die schönste Zeit meiner Kindheit hatte 8-Bit.


Hallo, mein Name ist Ali Reza.

Ich bin als Experte für Digitales in der Werbe- und Medienbranche tätig und berate Unternehmen und Marken konzeptionell in Sachen Neue Medien / Online. Meine Spezialität dabei: ich bin ein echter 360° Medien-Allrounder, also Multichannel Multimedialist! Nur so kann ich meinen Kunden den für Sie besten Marketing-Mix aus dem breiten Spektrum der Neuen Medien zusammenstellen und immer optimal skalieren.

Doch wie kam es dazu, dass ich auf allen Kanälen gleichzeitig zuhause bin (und mich dabei so wohl fühle)? Die Anfänge meiner Faszination für Film, Bild, Ton, Web ect. liegen in meiner Kindheit.

Hier schreibe ich darüber…


Ein Gongschlag ertönt und lässt die Luft vibrieren. Es gibt Eco-Systeme.

Ein weiterer Gongschlag, mein Magen hüpft flatternd auf und ab. Es gibt Sonnensysteme.

Ein dritter Gongschlag! Lauter und länger als die ersten beiden zuvor. Mein Glas “Dr.Pepper” zittert sich limoverschüttend zur Kante rüber und hüpft auf einer der letzten Schallvibrationen idiotisch jauchzend vom Tisch. Es gibt Unterhaltungssysteme.

Nicht nur etwa kleine, popelige Geräte oder Plattformen. Gong! Nein. Gleich ganze Systeme! Gong!!! *reißt sich mit beiden Händen sein Hemd vorne auf, wirft den Kopf zurück und schreit gen Himmel* Entertainment-Systeme! Gongeligongeligong!!!

Auf so einen Namen muss man erst Mal kommen, Kinners!

Ein ganzes, komplettes System! Nur fürs Entertainment. Gon… Na jetzt ist gut mit diesem ollen Gong hier! Gib - den - Stab - her! Gong!!! Was zum??? Wirst du wohl…?! Gogongg!!! Aufhören sag ich! Heeer damit! *knack* So. Hier. Und hier.

Wo war ich doch gleich stehengeblieben? Ah ja…

Wie der geneigte Leser meines Mediums hier schon weiß, hatte mir mein werter Herr Papa den Gameboy verweigert (“Macht Augen kaputt.”) und mir das NES versprochen, wenn ich nur Einsen im Zeugnis mit heim brächte.

Ich hab also (wie fast immer auf der Grundschule) ein Zeugnis mit lauter Einsen mit nach Hause gebracht (Hach ja… die Zeiten vor dem ganzen dreckigen Rock n Roll, den vielen Drogen und den Weibern… war so unschuldig und ich so rein… *seufzt tief, lehnt sich zurück und setzt sich nen Schuss*)…

- 9 Stunden später -

Wo bin ich?! Iieh, raus mit der Nadel. *pling* Aus meinem Auge… Ah ahso ja… *reusper* Weiter im Text…

Bevor ich das NES also von meinem Vater für meine Streberhaftigkeit geschenkt bekam, konnte ich die Konsole im “real,-”, damals hieß die Multisortimenter-Kette noch “basar,-” (sprich: “Bassa”, mit feuchtem Z), an einem Ausstellungsstück gleich am Eingang (wo Eltern ihre Bälger für die Zeit während des Einkaufs dort parken konnten) anschauen, testen und spielen.

By the way:
Bin ich eigentlich der Einzige hier, der die Bezeichnung für einen orientalischen Wochenmarkt: den Basar, als ach so ansprechenden Namen für eine westliche Konsumkette, eher billig und unpassend findet?! Also ich kann mich jedenfalls nicht dran erinnern, das dort jemals und spätestens an der Kasse um die Einkaufsendsumme gefeilscht wurde oder etwa schnurrbärtige Verkäufer mit Turban und Schuhen mit hoch- und eingerollten Spitzen, vor ihren Regalen standen und diese brüllend an die Einkaufswagenschiebende Kundenmeute bringen wollten “Heeey Sie da mit dem fetten Kind! Kommen Sie reeein zu mir in die Wurstfachabteilung. Heute alles billlliggerbilllliggerbilllligger!”.

Hmm… Na ja wahrscheinlich nicht. Denn sonst hätte man den Namen ja nicht in “real” (sprich: “Ri-äl”, oder?) umgeändert.

Genau: Aus dem Basar wurde der Real. End of story. Tschüss.

Huh? Moment mal… *nasepopel, Popelbrocken wegschnipp, Fensterscheibe einschlag* Achso ja - hier geht es doch eigentlich um das NES herrje!

Also wo waren wir? Genau, im realen Basar. Wo ich bei jedem (!) Einkauf meiner Eltern (mind. ein Mal die Woche) also im Eingangsbereich stand und “Mario Bros” (ja, ich dachte früher natürlich, man spricht es “Bross” aus. Mariobrossss!) spielte und spielte und immer wieder spielte.

Und wenn die Konsole mal ausgeschaltet sein sollte und man sie nicht ohne weiteres wieder einschalten konnte, ohne den Glasquader, unter dem sie sich, gesichert wie ein Schatz von unvorstellbarem Wert (ja, das war sie für mich) befand, aufzuschließen oder einzuschlagen (wie oft war ich kurz davor!), gab es einen Aufstand und Anschiss meinerseits, gegenüber den Mitarbeitern, der sich wirklich gewaschen hatte.

“Was ihnen eigentlich einfiele, die Konsole nicht einzuschalten, wenn sie doch ganz klar zu Werbezwecken da stand und an sein musste, um ihren Zweck zu erfüllen. Gott solle mit seinem Zorn alle Einhörner töten, wenn sie nicht gleich den Glasquader aufschlössen und…”

…und so weiter und so fort. Meine Argumente waren unschlagbar, meine Zunge war scharf und mein Hass unendlich. Bis man das NES umgotteswillen wieder anschaltete (meistens) oder mich kurzerhand rauswarf (1x passiert, zum Ein-/Ausgang wars ja nicht weit).

Und wehe beide Controller waren besetzt! Don’t even get me started!

Ich sage nur soviel: Rückwärts zurück bis fast zum Eingang und dabei den Todfeind nie aus den Augen lassen. Dann Anlauf (und Geschwindigkeit auf)nehmen und mit einem beherzten Sprung und “Dropkick”, die elende Drecksau, die meinen Controller besetzt, mit beiden Beinen volle Kanone in den Fernseher ballern. Ka-Blaaam!

*2Pac-Song ertönt und man hört Polizeisirenen* “Die Motherfucker, die Motherfucker, die!!! Ich bin Player 1! Huah! Player One for life, Motherfuckaaaa! U-huah!”

Huhuhuhahahahuahuahuaharrrharrharrghhusthustuhustreusper… Na ja mehr sag ich gar nicht.

Und da wir schon mal dabei sind: “The war was fo’ real yo, at that time” und meine Homies - die Nintendo-Kids - und ich, waren natürlich Spinnefeind mit den Sega-Trollos am Konsolenstand mit der Konkurrenzkonsole von “Sega” um die Ecke. Damals hatten wir Kids (wenn überhaupt) nur eine und nicht gleich mehrere Konsolen und mussten uns entscheiden:

Nintendo oder Sega. Mario oder Sonic.

Es galt klar Stellung für das eine oder andere Lager zu beziehen und Farbe zu zeigen. Hmmm… Warum eigentlich? Kinder sind bescheuert. Mittlerweile finde ich “Sonic” auch ganz cool und ehrlich gesagt hätte ich damals nicht Nein gesagt, wenn man mir zusätzlich noch eine Sega-Konsole geschenkt hätte. Oh Hoppla! Ähm,… ich meine natürlich: Nintendo for life! *macht akrobatische “Gangsigns”, Eastcoast, Westcoast und so, mit den Fingern beider Hände*

Wenn ich beim Verfassen dieser Zeilen so zurück denke, war der Besuch im “basar,-” bei Bruchsal und das “Mario Bros.” zocken am NES damals (während meine Eltern sich gefälligst Zeit lassen sollten bei ihrem Einkauf), echt eines der kleinen Highlights meiner multimedialen Kindheit.

Good clean fun. Hach jaaa…

Oh, ist das eine Träne da auf meiner Wange? *schnüff* Ich hab grad nur was ins Auge gekriegt… Ach was soll’s… Rabäääh-wuhuhuu… *heult mit zusammengekniffenen Augen, weit aufgerissenem Mund mit flatternder Zunge und reichlich Tränen, die wie in Zeichentrickfilmen so auf beiden Seiten des Gesichts in der Luft hängen*

- 47 emotionale Minuten (und vielen Barbara Streisand Balladen) später -

Ich hab also ein Zeugnis mit lauter Einsen mit nach Hause gebracht und nach einer Weile, nicht gleich, hat mir mein “Babba” das Nintendo Entertainment System gekauft — und zwar in einer Sonderedition! Woo-Hooo!

Quelle: Ebay

Das NES Special-Bundle kam mit Konsole (ach nee?!), gleich 3 (!) Spielen auf einer Cartridge (Mario Bros., Nintendo World Cup, Tetris) und nicht nur 2 (!) Controllern, sondern auch einer klobigen Slot-Erweiterung namens “Four Score” für gleich 4 (!!!) Controller.

Quelle: Ebay

Für die jungen Leser unter euch: Damals hatten Controller noch Kabel, waren also noch nicht “wireless” und mussten noch an die Konsole angesteckt werden. Da an der NES-Konsole selbst aber nur 2 Controller-Slots und Spiele wie “Nintendo-Soccer” aber sogar für 4 Spieler gleichzeitig waren, musste man sich mit der 4er-Steckplatz-Erweiterung (sah aus wie eine ISDN Buchse mit Kabel dran) als Zwischenstück weiterhelfen oder nutze sie einfach als Verlängerungskabel zwischen Controller und Konsole.

Diese Konsole war damals mein teuerstes und wertvollstes Spielzeug überhaupt gewesen und ich habe sie geliebt und vergöttert. Bis dato kannte ich es eben gar nicht, ein eigenes Stück Technik zu besitzen, das so teuer und toll war. Was jetzt vielleicht das neuste Apple iPhone für manche ist: ein höllisch teures Luxus-Gadget das man hegt und pflegt und liebt, war seinerzeit diese Konsole und alle Spiele, die ich (sehr selten weil sehr teuer) dazu bekam, für mich. Haaach ja… Da krieg ich heute noch Pippi in den Augen.

Ich erinnere mich noch genau: das komplette erste Jahr gab es keine weiteren Spiele für mich, denn ich hatte ja gleich 3! Solche Sammelcartridges mit gleich mehreren Spielen im Bundle mit der Konsole gab’s danach leider irgendwie auch nicht mehr, hmm? Schade Marmelade.

“Mario Bros.”

kannte ich schon in- und auswendig und habe es trotzdem immer und immer wieder gezockt (mache ich übrigens heute noch sehr gerne!),

“World Cup” und “Tetris”

Quelle

fand ich beides erstmal nicht so prall, bis ich mal auf den Geschmack gekommen war. Das Nintendo-Fußball war und bleibt bis heute, eines der seltsamsten Sportspiele, die ich je gespielt habe! Und Tetris? Ich glaube, jeder der dieses Spiel mal selbst gespielt hat, weiß wie (süchtig machend!) es ist, wenn man erst einmal Blut geleckt hat. Dann will man immer mehr und mehr! Diesem Umstand sind dann irgendwann Mal meine Eltern verfallen und haben, nachts wenn wir Kinder schon längst im Bett lagen, gezockt, bis in die frühen Morgenstunden! Und am nächsten Morgen durften wir uns dann beim Frühstück Sätze anhören wie

“Euer Vater hat es bis zum Geiger geschafft! Ach was, dieses Mal war es ein ganzes Orchester!”

Quelle

Gemeint waren damit die Outro-Screens, die erschienen, wenn man nur lange genug gezockt und genug Punkte gesammelt hatte. Je nach Punktzahl sah man nur einen Violinenspieler oder eben ein ganzes Orchester (und viele weitere Motive).

Ja, meine Eltern waren Tetris-Junkies!

Ich stelle sie mir gerade vor, wie sie so im Wohnzimmer sitzen, in dem um 3 Uhr morgens nur noch der auf Stumm gestellte Fernseher weiß auf ihren müden Gesichtern flackert und den sonst dunklen Raum erhellt. Dabei essen sie gekringelte Chips vom Aldi, mit Speckgeschmack und kucken und reden wie Kiffer.

“Jetzt gib mir den Controller, du warst jetzt drei Mal hintereinander! Haben wir noch Fürst Pückler Eis im Kühlschrank? Nein? Heeerjeee! Kannst du mir dann Rühreier machen?”

Nur sind sie auf Tetris und ziehen sich immer wieder den einen oder anderen Viererblock rein und kichern und lachen, weil sie am Ende immer irgendwelche Violinenspieler sehen.

Alles in allem war meine NES Zeit vielleicht sogar die schönste Zeit meiner Kindheit.

Quelle

Mein guter Kumpel Flavio, aus dem Karate-Training, hat mir damals “Mario Bros. 2", “Megaman” und so ein seltsames Unterweltenspiel namens “Digger T. Rock — The legend of the lost city” (kennt das irgend-je-mand???einself!?!?1) bei dem man sich mit einer Schaufel bewaffnet durch die Erde graben musste, ausgeliehen und die Welt war in Ordnung.

Ich hab gute 8-Bit Spiele gezockt (selten, darunter göttlich: z.B. “Double Dragon II”, “Mega Man” und “Chip ‘n Dale Rescue Rangers”) und schlechte (häufig!) und war dabei immer fasziniert, welch tolle Spiele-Welten und unendliche Abenteuer da aus dieser kleinen, grauen Box rauskamen.

Ich wusste ja nicht was mich danach in 16-Bit zu meinen glorreichen “SuperNES”-Zeiten noch alles erwarten würde.

Doch dazu bald mehr.


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