Etablieren einer Testkultur für den Digitalen Wandel

Dieser Blogpost bezieht sich auf die Podcast-Folge “Etablieren einer Testkultur” — nachzuhören hier:

Der digitale (und mobile) Wandel zwingt vor allem traditionelle Unternehmen dazu, neue strategische Wege zu gehen. Um dabei keine teuren Fehler zu machen, ist es sinnvoll, eine Testkultur zu etablieren, die es vorsieht, möglichst viele Erfolgsfaktoren zu untersuchen, in Frage zu stellen und herauszufinden, wie Dinge besser gemacht werden können.

Der Digitale Wandel und seine Bedeutung für traditionelle Unternehmen

Warum sollte eigentlich der Digitale Wandel irgendwie relevant sein für traditionelle Unternehmen? Kann man nicht einfach weitermachen wie bisher? Ich glaube nein, denn ich sehe einige Aspekte, die die gesamte Unternehmenskultur und -strategie komplett umkrempeln können. Hier noch mal ein paar Beispiele, die aus meiner Sicht relativ deutlich machen, dass es künftig keinen Sinn mehr machen dürfte, sich an alten Strategien und Erfolgsrezepten der Prä-Mobile-Ära festzuhalten:

Früher

Klare Unterscheidung zwischen Partnern und Konkurrenten

Heute

Möglicherweise wechselnde Partnerschafts- und Konkurrenzverhältnisse. Hier muss durch Blick auf die richtigen KPIs dauernd überprüft werden, wie erfolgreich die Beziehung (noch) ist.


Früher

Produkte haben ein festes Alleinstellungsmerkmal. Ist das Produkt auf dem Markt, ist es “gesetzt”.

Heute

Ein wesentlicher Teil der Produktvorteile und -features wird durch Software eingebracht. Schnelle Updates und neue Funktionen werden nicht nur möglich, sondern nötig. IT-Know-how wird immer wichtiger. Auch in traditionellen Branchen.


Früher

Erfahrung und Seniorität gehörten zu den wichtigsten Eigenschaften von Entscheidern, um “gute” Entscheidungen treffen zu können.

Heute

Belegbare, zahlengetriebene Tests gewinnen aus Grund ihrer Objektivität stark an Bedeutung. Es kann und muss alles in Frage gestellt und überprüft werden. Dazu gehört es auch, Fehler als ganz normal zu akzeptieren und diese als Hinweis darauf zu nutzen, wie Dinge verbessert werden können.


Einführen einer Testkultur für den Digitalen Wandel — auf die sanfte Tour

Was also tun, wenn man in Unternehmen alte Strukturen nicht einfach von heute auf morgen abstreifen kann? Ich schlage vor, im Kleinen zu beginnen und dauernde, kleine, zahlengetriebene Tests zu einer täglichen Routine werden zu lassen:

  1. Behalten Sie das Team so groß wie nötig und so klein wie möglich: Die Mindestausstattung an Personen für ein Testteam besteht meist nur aus drei oder vier Personen, die aus den für den Test relevanten Bereichen stammen. Das könnte zum Beispiel ein Ingenieur, ein Softwareentwickler, ein Designer oder ähnliches sein. Achten Sie außerdem darauf, dass wenigstens einer im Team ein halbwegs solides Verständnis für Zahlen und deren korrekte Deutung besitzt. Allzu oft kommt es vor, dass aus Testergebnissen hanebüchene Schlüsse gezogen werden. So wird aus dem objektiv erscheinenden Testergebnis schnell eine massive Fehlentscheidung.
  2. Vergessen Sie alte Regeln und “HiPPOs”: Was schon immer so gemacht wurde darf nicht zählen. Gerade das sind die Fallen, in die gerade erfolgreiche Unternehmen gerne hineintappen. Wenn Sie aus dem Fenster springen, können Sie selbst dann, wenn Sie gerade am ersten Stock vorbeisegeln noch behaupten: “Naja, bisher hat es ja gut geklappt”. Sie wissen, was ich meine. Mit derselben Skepsis sollten Sie HiPPOs betrachten. “Ich soll waaaas betrachten?!”. “HiPPO” ist mein neues Lieblings-Akronym und steht für “Highest Paid Person’s Opinion”, also die Meinung der meistbezahlten Person. Früher hatte die Gewicht. Sie konnte ja auch häufig nicht widerlegt werden. Aber heute ist das anders, und das sollten Sie nutzen. Das hat nichts (oder nur ein klitzekleines Bisschen) mit Respektlosigkeit zu tun, sondern mit sauberen Entscheidungsgrundlagen.
  3. Eine Messgröße definieren, viele Phänomene beobachten: Legen Sie sich je Testlauf auf eine Messgröße fest, die Sie untersuchen möchten und stellen Sie eine Hypothese auf. Danach testen Sie. Im Ergebnis sollten Sie jedoch so viele Phänomene wie möglich unter die Lupe nehmen. Es kann durchaus sein, dass eine Änderung ganz andere Effekte hat als der, den Sie in Ihrer Hypothese vermutet haben. Also legen Sie die Scheuklappen ab und schauen Sie sich immer das große Ganze an!
  4. Kleine Tests: Wenn Sie monatelang Ihren Testlauf planen und durchführen, machen Sie es vermutlich falsch. Tests sollten an kleinen Einzelaspekten durchgeführt werden und das getestete Objekt in Mini-Iterationen verbessert werden. Vergessen Sie den großen Mega-Test nach dem Motto “Ziel des kommenden Jahres: Alles wird gut”.
  5. Testen Sie mehrmals: Führen Sie denselben Test mehrmals durch. Oft ändern sich Testergebnisse auf Grund von Faktoren, die Sie zunächst nicht im Hinterkopf hatten. (Zum Beispiel: Jahreszeiten, verschiedene Testgruppen, wichtige Ereignisse, etc.)

Ich wünsche Ihnen viele, kleine Erfolge ;-)