Keep your App simple and stupid

In 5 Schritten zur Anwendung, die süchtig macht

Was führt eigentlich dazu, dass man einige Apps nicht mehr weglegen kann, während andere unbeachtet in irgendwelchen Unterordnern ihr trauriges Dasein fristen? Wenn Sie mit Ihren Apps zu der ersten Gruppe gehören möchten, dann habe ich heute ein paar Tipps für Sie!

Wenn man sich die App-Charts anschaut, dann könnte man sich fragen, was um alles in der Welt eigentlich mit den Menschen los ist, dass es nun wirklich die simpelsten Dinge sind, die offenbar für den größten Erfolg sorgen. In WhatsApp kann man nur Nachrichten an Freunde schicken, In Instagram kann man nur Fotos und Videos schießen, vorgefertigte Filter darüberlegen und sie hochladen, in Paypal kann man nur Geld verschicken und empfangen.

Der Punkt ist: App-Nutzer tun mehr, wenn sie weniger tun müssen. Das galt eigentlich schon immer, aber Unternehmen, die mit ihren Apps erfolgreich sind, haben verstanden, dass sich das Nutzerverhalten noch einmal deutlicher in eine Richtung verschoben hat, in der Arbeitsschritte extrem zerteilt und in fast jeder Alltagssituation funktionieren müssen. Wenn Sie eine Anwendung konzipieren, dürfen Sie nicht vergessen, dass die Umgebung, in der diese Anwendung dann genutzt wird, vermutlich nicht Ihr aufgeräumter Schreibtisch ist, an dem sie bei bester Internetverbindung in Ruhe sitzen können, sondern vielleicht eher irgendein vollgestopfter Zug, der sich gerade durch das Funkloch zwischen Gießen und Kassel schiebt.

Und was noch hinzukommt ist die Tatsache, dass es sowohl online als auch offline an Ablenkungen nur so wimmelt.

Achten Sie also bei der Konzeption Ihrer Anwendungen, vor allem aber von denen, die mobil genutzt werden sollen auf folgende fünf Punkte:

1. Setzen Sie sich die Nutzerbrille auf und fragen Sie sich, welches Bedürfnis tatsächlich gestillt werden sollte. Oder anders gefragt: Ist der Gesamtkatalog Ihres Warensortiments inklusive Artikelnummern und Grußwort des Geschäftsführers wirklich das, was sich die Nutzer wünschen? Ich frage ja nur.

2. Wenn Sie glauben, ein echtes Bedürfnis gefunden zu haben, finden Sie heraus, welche Auslöser dazu führen können, dass der Nutzer das Bedürfnis akut stillen möchte. Das können äußere Auslöser sein, also zum Beispiel Push-Nachrichten, die dazu führen, dass der Nutzer die App öffnet und irgendetwas tut. Das können aber auch innere Auslöser sein. Zum Beispiel Langeweile oder der Wunsch nach sozialen Kontakten. Ein ganz besonderer, innerer Auslöser ist übrigens Gewohnheit. Morgens als erstes Mails zu checken ist zum Beispiel so einer. Es passiert eigentlich eher selten, dass ich tatsächlich über Nacht so dringende E-Mails bekomme, dass sie noch im Bett bearbeitet werden müssen, aber die Gewohnheit führt dazu, dass ich trotzdem relativ bald nach dem Aufwachen meine Mails durchsehe.

3. Wenn der Auslöser sitzt, bieten Sie dem Nutzer eine klare Handlungsmöglichkeit an. Dazu ist es wichtig, sicherzustellen, dass der Nutzer ausreichend motiviert ist, und tatsächlich in der Lage ist, die Handlung durchzuführen. Um bei dem Beispiel der E-Mails zu bleiben: Mir ist es wichtig, meinen Posteingang übersichtlich und sauber zu halten und das wird mir super einfach gemacht, indem ich unerwünschte Mails mit dem Finger nach links in den Papierkorb schieben kann. Das ist so einfach, dass es sogar ein Kleinkind tun kann. Und was noch wichtig ist: Die Handlung muss sich portionieren lassen. Ich muss jederzeit in der Lage sein, die App zu verlassen und später wieder zu öffnen, ohne dass ich wieder ganz von vorne beginnen muss!

4. Achten Sie darauf, den Nutzer zu belohnen, wenn er die beabsichtigte Handlung vorgenommen hat. Das muss nichts weltbewegendes sein, aber eben mehr als gar nichts. Um beim Thema E-Mails zu bleiben: Die App „Spark“ belohnt diejenigen Nutzer, die es schaffen, ihren Posteingang aufgeräumt zu halten, mit einem netten Bild und einem Spruch. Das E-Mail-Marketing-Tool gibt dem Nutzer nach jedem Versand ein „High Five“. Es können also wirklich Kleinigkeiten sein, die am Ende einen großen Unterschied machen.

5. Lassen Sie den Nutzer seinen Teil beitragen. Das mag vielleicht etwas paradox klingen, weil wir es ihm ja eigentlich so bequem wie möglich machen wollen, aber wenn Sie zum Beispiel daran denken, was der eigentliche Grund dafür ist, warum es Leuten zum Beispiel so schwer fällt, sich aus sozialen Netzwerken abzumelden, dann ist es normalerweise der, dass sie viel Zeit darin investiert haben, alle ihre Bekannten dort zu finden und sich mit ihnen zu vernetzen und dass sie viele Dinge gepostet haben, die ihnen etwas Wert geworden sind. Wir schaffen damit also eine engere Bindung zwischen dem Nutzer und der Anwendung und sorgen auch damit wieder dafür, dass die Wahrscheinlichkeit für Inaktivität sinkt.

Das Hooked-Modell zur Schaffung digitaler Gewohnheiten nach Nir Eyal.

Die erfolgreichsten, digitalen Anwendungen sind nie diejenigen, die am aufwändigsten versuchen, alle Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Nutzer zu erfüllen. Sondern es sind die, deren Macher clever und mutig genug waren, sie so einfach und smart zu konzipieren, dass im Laufe der Zeit über die Nutzung möglichst gar nicht mehr nachgedacht wird, sondern dass sie sich bis zur Gewohnheit eingeschliffen haben. Keep it simple and stupid.

Übrigens, auch wenn am Ende die Lösung simpel erscheint: Der Prozess dorthin braucht ein bisschen Ausdauer und den Willen, Dinge rauszustreichen, was manchmal ein bisschen anstrengend sein kann. Aber ich kann Sie nur dazu ermuntern es auszuprobieren. Den Unterschied werden Sie und Ihre Nutzer ganz sicher merken!

Diese fünf Punkte basieren auf dem „Hakenmodell“, das in dem Buch „Hooked“ von Nir Eyal beschrieben ist und wir Ihnen hiermit wärmstens empfehlen. Außerdem finden Sie dieses Modell hier noch mal zum Download.

Einen Einblick in das Modell — und wie Sie Nutzer an den Haken kriegen, gibt außerdem unser YouTube-Video:


Ramona Peters ist Projektmanagerin bei rabbit mobile, einer Agentur für die Entwicklung digitaler Businessanwendungen mit Mobile-First-Ansatz.
rabbit mobile unterstützt seine Kunden von konzeptionell-strategischen Vorüberlegungen bis hin zur Realisierung und Pflege laufender Anwendungen, sowie deren Integration in eine bestehende Systemlandschaft.

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