So geht richtiges Prototyping

Wie Sie Apps planen, die Ihre Nutzer begeistern

Ob eine digitale Anwendung am Ende gerne und regelmäßig genutzt wird, hängt alleine vom Urteil der späteren Nutzer ab. Und damit die optimal angesprochen werden, sollte man mit Prototypen arbeiten. Wie das geht, erfahren Sie in diesem Beitrag und in unserem Video.

Sie kennen sicher auch Software, mit der Sie täglich arbeiten müssen, und bei der Sie sich täglich fragen, wer sich diese Nutzerführung eigentlich ausgedacht hat, oder? Sie können es aber besser machen. Ihre App, Ihre ganze digitale Experience sollte Ihre Nutzer im besten Falle richtig umhauen, und ein vernünftiges Prototyping kann dabei extrem helfen.

Grundsätzlich ist die Idee des Prototypings, dass man sich Schritt für Schritt und mit regelmäßigem Feedback von außen von einer anfänglich ganz groben Idee zu einem finalen und in sich schlüssigen Konzept vorarbeitet.

Jede App, die entwickelt werden soll, bewegt sich ja in einem andauernden Spannungsfeld aus dem idealen Nutzererlebnis, der technischen Machbarkeit und dem zur Verfügung stehenden Budget.

Im ersten Schritt geht es also darum, diesen Schnittpunkt der drei Kreise zu finden, in dem sowohl die Nutzer von einem sehr guten Erlebnis sprechen, das ganze technisch tatsächlich umgesetzt werden kann und das alles noch zu einem Preis, der in Ihr Budget passt.

Wir bei rabbit mobile haben uns mittlerweile angewöhnt, gedanklich erst einmal oben, also beim Nutzererlebnis zu starten, und zwar deswegen, weil das mit Abstand der komplexeste der drei Bereiche ist.

Dann arbeiten wir uns im Uhrzeigersinn über die technische Machbarkeit hin zur Frage, ob das alles überhaupt für das gegebene Budget möglich und umsetzbar ist. Der Grund ist der, dass selten die technische Machbarkeit der limitierende Faktor ist und eigentlich noch seltener das Budget. Wenn das Geld nicht für die Komplettlösung reicht, reicht es oft schon, bloß die eine oder andere Detailidee zu verwerfen und einfach mit einer Nummer kleiner zu starten. Also legen wir Ihnen die Reihenfolge „Nutzer zuerst, dann Technik und dann Budget“ hiermit auch ans Herz.

Ideen grob skizzieren

Zum Start sollten Ihre Entwürfe so einfach und schnell wie möglich funktionieren. Es geht wirklich nur um ein ganz grobes Skizzieren und darum, in viele verschiedene Richtungen zu denken. Das kann man entweder mit entsprechenden Tools am Bildschirm machen oder einfach mit Stift und Papier. In diesem Fall empfehlen wir gerne die analoge Variante — einfach deshalb, weil man sich hier nicht mit Feinheiten und Bedienungsfragen beschäftigt, sondern einfach ganz unmittelbar loslegen kann.

Skizzenblätter mit allen möglichen, gängigen Devices finden Sie hier zum freien Download. Die können Sie genau dafür wunderbar benutzen zu skizzieren, was das Zeug hält, also fühlen Sie sich frei, das auch zu tun und legen Sie direkt los!

Sie haben im ersten Schritt also einen ganzen Berg Skizzen angefertigt, und sollten dann zuerst einmal für sich diejenigen aussortieren, die definitiv keine Kandidaten zur Weiterbearbeitung sind.

Feedback einholen

Mit den restlichen Skizzen gehen Sie jetzt zu Ihrer späteren Nutzergruppe und fragen dort nach Feedback. Da gibt es drei Varianten: Entweder, es fliegen auch hier gleich schon die nächsten Kandidaten raus oder es gibt Verbesserungsvorschläge nach dem Motto „die Richtung stimmt, aber dies und jenes könnte noch besser gemacht werden“ oder es gibt vielleicht sogar hier und da mal einen Entwurf, der sofort seine Fans findet.

Machbarkeit prüfen

Egal, wie es läuft — mit den Skizzen, die entweder mindestens halbgut oder sogar total super waren checken Sie dann im nächsten Schritt die technische Umsetzbarkeit und gehen hier genauso vor wie eben. Auch hier werden vermutlich wieder ein paar Kandidaten durchs Sieb fallen.

Und als letztes schauen Sie nach dem Budget und überprüfen auch hier noch einmal, was passt.

Das, was jetzt noch übrig geblieben ist, liegt also alles in der oben gezeigten Schnittmenge zwischen Nutzer, Budget und Technik. Alle Entwürfe, die jetzt noch dabei ist, sind also schon mal sehr gute Ansätze.

Ideen verfeinern

Jetzt schrauben wir uns eine Ebene höher. Es sind nur noch wenige Entwürfe übrig, man kann also nun etwas Arbeit investieren, diese jetzt zu verfeinern. Wie das konkret aussieht, hängt immer etwas davon ab, um was genau es geht, aber meistens werden hier in Programmen wie Photoshop oder Sketch erste Grafiken entwickelt, die richtige Typografie und Farbgestaltung gesucht, weitere Screens entworfen und alles schon so umgesetzt, dass man sich ein besseres Bild davon machen kann, wie Ihre App später aussehen und strukturiert sein wird. Es geht also darum, einen ersten, möglichst realistischen Gesamteindruck zu haben, um dann unsere nächste Feedbackrunde damit zu starten.

Und auch hier ist es ganz normal, dass wieder einzelne Entwürfe rausfliegen.

Im Optimalfall haben Sie im Anschluss nur noch einen bis drei Entwürfe übrig. In der letzten Phase geht es dann um ganz spezifische Fragestellungen. Also zum Beispiel, wie sich eine App „anfühlt“, welche Animationen wo eingesetzt werden, wo die App welches Feedback gibt, etc. Dafür wären zum Beispiel animierte Klickdummys oder Videos sinnvoll.

Oder es geht vielleicht auch darum, herauszufinden, welches Marktpotenzial eine App hat. Hier würde man dann ein sogenanntes Minimum Viable Product entwickeln und veröffentlichen, also eine lauffähige Version der App, die allerdings nur die absoluten Mindestfunktionen enthält, um Ihr Investmentrisiko kleinzuhalten.

Aber egal worauf es am Ende hinausläuft — wichtig sind in dem ganzen Prototyping-Prozess diese drei Dinge:

1 Erstens sollten Sie vor allem am Anfang extrem viel skizzieren, kreativ sein und in alle möglichen Richtungen denken.

2 Dann sollten Sie sich auf dem Weg zum Ziel nicht in irgendeinen Zwischenentwürfe verlieben, sondern bereit sein, jederzeit Kandidaten zu ändern oder ganz rauszuschmeißen.

3 Und als drittes: Wenn am Ende Ihre App umgesetzt ist, ist das Prototyping damit nicht vorbei. Auch eine bereits bestehende App muss man immer wieder kritisch und mit einer gesunden Distanz betrachten, verbessern und regelmäßig an neue Anforderungen Ihrer Nutzergruppe anpassen.

Ich hoffe, Sie können diese Ideen dafür nutzen, dass Ihre nächste App deutlich besser wird als das meiste, was es da draußen gibt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei und melden Sie sich gerne bei uns, wenn Sie noch weitere Fragen oder Anregungen zu dem Thema haben.

Entdecken Sie auch unser YouTube-Video zum Thema Prototyping:

Hier finden Sie unsere Sketchpads zum Ausdrucken und freien Skizzieren zum Download (zip-Datei).


Ramona Peters ist Projektmanagerin bei rabbit mobile, einer Agentur für die Entwicklung digitaler Businessanwendungen mit Mobile-First-Ansatz.
rabbit mobile unterstützt seine Kunden von konzeptionell-strategischen Vorüberlegungen bis hin zur Realisierung und Pflege laufender Anwendungen, sowie deren Integration in eine bestehende Systemlandschaft.

Sie erreichen Ramona Peters hier auf Xing, hier auf LinkedIn oder:
via E-Mail: r.peters@rabbit-mobile.de
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