Subtiles Recruiting: Erst begeistern, dann binden.

Von Jacqueline Pollitt, HR Managerin, CLAAS Gruppe

Tel-Aviv, Berlin, Silicon Valley — und die Mähdrescherstadt Harsewinkel: CLAAS bespielt neben den traditionellen Recruiting-Formaten auch subtile Kanäle, um einen direkten Zugang zu motivierten Talenten zu finden. Dies geschieht beispielsweise durch die Teilnahme an einem Business Hackathon oder der Platzierung von CLAAS in digitalen Frauennetzwerken — Recruiting auf den zweiten Blick eben. Dabei ist uns wichtig, nicht direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern auf eine unkonventionelle Art gezielt mit Talenten ins Gespräch zu kommen.

Photo by Glenn Carstens-Peters on Unsplash

Der Auslöser: Talente sind oftmals müde, weil sie mit der Auswahl an Angeboten und Informationen überflutet werden. Besonders betrifft das Talente aus der Digitalbranche. Es gibt kaum ein Unternehmen, das auf ihre Skills heute — geschweige denn in Zukunft — verzichten kann. So werden beispielsweise im Jahr 2020 weltweit rund 532 Mrd. US-Dollar mit vernetzten Geräten umgesetzt (Quelle statista.com). Auch für uns stellt dies eine Herausforderung dar. Eine Herausforderung, der wir nur mit klugen Köpfen begegnen können.

Know-how-Transfer + Employer Branding

Wie wird das umgesetzt? Ein Beispiel: Mit der Founders Foundation der Bertelsmann Stiftung haben wir einen strategischen Partner gefunden, der Kontakte zur internationalen Start-up-Szene pflegt. In enger Zusammenarbeit wurde eine Hackathon-Challenge definiert und mit sechs weiteren Unternehmen aus der Region zur Teilnahme aufgerufen. Das Besondere: Die Aufgaben standen im Zusammenhang mit realen Zukunftsvisionen und Herausforderungen, denen die Unternehmen in einer zunehmend digitalen Welt begegnen. CLAAS stellte die „Hacker” vor die Aufgabe, einen Weg zu finden, wie die riesigen Datenmengen von Landmaschinen innovativ und effektiv verarbeitet werden können. Insgesamt arbeiteten 60 internationale Teilnehmer in zwölf Teams an den verschiedenen Aufgaben und stellten ihre Lösungen schließlich in einem Pitch der Jury vor. Zwei Teams nahmen die Challenge von CLAAS an und arbeiteten an innovativen Ideen zur Datenverarbeitung. Eins der beiden Teams konnte schließlich die Veranstaltung für sich entscheiden und gewann die Challenge.

Der Hackathon war ein Beispiel von vielen, dass wir Recruiting mit digitalen, nachhaltigen Lösungen verbinden und für Know-how-Transfer in der Region sorgen. Durch überregionale PR in der Start-up-Szene und dem Auseinandersetzen mit der Agrarbranche und unserem Unternehmen ist es uns damit gelungen, die Arbeitgebermarke CLAAS bei der Challenge erlebbar zu machen. Zudem tragen wir damit kontinuierlich die Botschaft nach außen, dass wir ein digitaler und agiler Arbeitgeber sind. Gleichzeitig erhalten wir durch genau diese Maßnahmen einen authentischen Einblick in den Workflow von Digital Natives. Lernen, wie sie ticken und schaffen Bewusstsein für die herausfordernden Themen in der vernetzten Agrartechnik.

Darüber hinaus haben wir uns von den Ergebnissen des Hackathons und neuen möglichen Business Modellen inspirieren lassen und Ideen gewonnen, die uns dabei helfen, unser Unternehmen weiterzuentwickeln. Wir zielen auf die Inspiration unserer Mitarbeiter und auf ein „out of the box“-Denken. Ob ein Investment in ein Start-up oder die Perspektive auf lange Sicht: Mit Aktivitäten, wie dem Hackathon stärken wir die Employer Brand CLAAS. Der nächste Hackathon in unserem Coworking-Space in Harsewinkel ist bereits fest eingeplant.

Ernte gut, alles gut.

Was haben wir davon? Die Messbarkeit von HR Marketing-Aktivitäten ist eine Herausforderung, die HR Marketing-Experten branchenübergreifend beschäftigt: War die authentische Karriereseite ausschlaggebend für die Bewerbung um eine Einstiegsposition, der Vortrag an der Hochschule im ersten Semester oder der Auftritt auf Deutschlands größter Jobmesse? Oder war es einfach der Nachbar, der auf der letzten Grillparty von seinem Job geschwärmt hat? Nicht jeder überzeugende Kontakt mit der Employer Brand eines Unternehmens löst unmittelbar eine Bewerbung aus. Ein positives Markenerlebnis aus dem ersten Semester kann ebenso ausschlaggebend sein, wie die kürzlich wahrgenommene Print-Anzeige im Fachmagazin. Die Applicant-Journey wird erst dann transparent, wenn der Bewerber im Bewerbermanagementsystem ankommt. Gerade bei Messeevents ist die Erfolgsmessung schier unmöglich. Was macht den Erfolg aus? Ist es die Anzahl der geführten Gespräche? Die Qualität der Besucher auf dem Messestand? Oder die Fülle an Personen, die jetzt wissen, dass wir Stellen zu besetzen haben? Was können Merkmale sein, wenn die Bewertung am Ende subjektiv ist? Employer Branding ist eine strategische Vorgehensweise, die nicht nur in Zeiten einer florierenden Wirtschaftslage bedeutend ist. Vielmehr ist es eine langfristige Investition, um Talente von morgen zu rekrutieren, zu binden und gemeinsam Zukunft zu ernten.

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Jacqueline Pollitt
Jacqueline Pollitt ist HR Managerin in der Holding der CLAAS Gruppe. Von der Personalplanung bis zum Mitarbeiteraustritt steht sie ihren Fachbereichen als strategische Partnerin zur Seite. Gestartet ist sie bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber mit einer Ausbildung, danach ging es ins Studium nach Münster und Istanbul. Den Kontakt zu CLAAS hat sie gehalten. Nach einem Abstecher in die Konsumgüterbranche, hat sie bis vor Kurzem das Campus Marketing der CLAAS Gruppe organisiert.

CLAAS
CLAAS ist einer der weltweit führenden Hersteller von Agrartechnik. Das Unternehmen befindet sich in einer Branche mit großen Herausforderungen: Natürliche Gegebenheiten setzen der Entwicklung klare Grenzen, indem sie Gewicht, Breite und Höhe unserer Landmaschinen beschränken. Mit diesen natürlichen Grenzen wachsen auch die Anforderungen an digitale Lösungen. CLAAS bietet diese Lösungen — und das soll auch in Zukunft so sein. Mit rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an weltweiten Standorten erzielt CLAAS einen Umsatz von 3,8 Mrd. Euro.