Hat deine Gemeinde ein Gemeinschaftsproblem? — Ein Selbsttest

Seid ihr offen für Neue? Nehmt ihr Menschen schnell in euer Netzwerk auf? Seid ihr eine willkommen-heißende Gemeinschaft? Es ist nicht leicht offene Gemeinde zu bauen!

Hier sind sieben Symptome mit denen du deine Gemeinde testen kannst.

Deine Gemeinde hat ein Gemeinschaftsproblem, wenn…

1) Wenn ständig neue Leute im Gottesdienst sind, aber der Gottesdienst insgesamt nicht weiter wächst.

Wenn das eure Situation beschreibt, dann gibt es im Grunde nur eine Erklärung: Neue Menschen kommen schlecht in die Gemeinschaft hinein. Sie docken nicht an. Denn würden sie, würde der Gottesdienst zahlenmäßig größer werden.

Genau das ist unsere Erfahrung beim Berlinprojekt. Ständig sehen wir unbekannte Gesichter, nicht selten 10–20%. Dennoch bleibt unser Morgengottesdienst seit Langem gleich groß.

2) Wenn dich Leute wissen lassen, dass sie jetzt woanders sind aber immer noch gerne deine Predigten hören.

Haha, das ist typisch. Großes Lob für die Predigt — und am Ende viele Grüße aus der neuen Gemeinde, wo es „für uns im Moment einfach besser funktioniert“. Vielleicht hast du das auch schon mal erlebt. Dabei ist es unerheblich, ob es die Predigt ist — oder dein tolles Beruf-und-Glaube-Angebot, was immer noch gerne in Anspruch genommen wird.

Wenn mir jemand so eine Nachricht schreibt, dann ist die Person nicht wegen schlechtem Inhalt gegangen, sondern es hat wahrscheinlich mit Gemeinschaft zu tun.

3) Wenn einer deiner Leiter erzählt: „Bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis ich angekommen bin.“

Für das Berlinprojekt habe ich lange gedacht: “Nur sonderbare Leute haben es hier schwer neue Kontakte zu bauen.” — Wer nur ein bisschen engagiert, offen und freundlich ist, kommt an. Damit habe ich es mir etwas zu leicht gemacht! Denn plötzlich habe ich gemerkt: Auch spannende, offene, ja sogar pro-aktive Personen, die heute im Kern der Gemeinde stehen, können von einem schweren Einstieg erzählen.

Seitdem lasse mir gerne erzählen, wie jetzige Leiter bei uns angekommen sind. Denn selbst wenn es nur wenige solche Geschichten in einer Gemeinde gibt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mindestens doppelt so viele Andere die Hürden nicht überwinden konnten.

4) Wenn sich jemand über die Sofagruppen-Vermittlung beschwert.

„Sofagruppen“ ist unser Wort für Kleingruppen, zuhause, unter der Woche. Schon immer haben sich bei uns vereinzelt Leute darüber beschwert, schlecht vermittelt zu werden und warten zu müssen. Was das bedeutet, habe ich erst später verstanden: Es heißt zum einen, dass es da eine ganze Menge Leute gibt, die dieses Problem bei uns haben. (Die wenigen Emails, die bei mir dazu ankommen, sind von den Wenigen, die den Nerv hatten dem Pastor darüber zu schreiben.) Und es heißt zum anderen, dass wir einen Weg in wirklich gute Gemeinschaft blockieren, der eigentlich unser breitester sein sollte. Denn wo sonst nehmen Menschen so sehr Anteil aneinander wie in einer guten Sofagruppe?

5) Wenn eure Gemeinde bekannt für gute Predigten ist.

Das gilt genauso für gute Anbetungsmusik — im Grunde für alles, was von der Bühne kommt. Es ist natürlich toll für ein gutes Bühnenprogramm bekannt zu sein. Aber fast keine Gemeinde hat genug Kraft, um alle Aspekte der Gemeindearbeit gleich gut zu tun. Wenn es super Predigten oder Gemeindemusik gibt, dann wird es nicht selten woanders fehlen. Bei einer starken Bühne, die so oder so Menschen in die Gemeinde zieht, ist das Thema Gemeinschaft besonders gefährdet.

6) Wenn es ständig Probleme damit gibt, neue Freiwillige zu finden.

Warum? Weil Menschen das Gefühl von Zusammenhalt, Freundschaft und Nähe brauchen, um für eine Sache aktiv zu werden. Wahrscheinlich trifft auch auf euch diese Erfahrung zu: Je wenige Leute mithelfen wollen, desto weniger fühlen sich neue Menschen in eure Gemeinschaft integriert.

7) Wenn die Einzelspenden sinken.

Viele Gemeinden unterscheiden Dauerspenden (per Dauerauftrag) und Einzelspenden. Letzteres bedeutet, dass jemand hin und wieder eine Spende überweist. Ich gehe davon aus, dass hinter beiden Optionen Menschen stehen, die bereits bei uns angekommen sind, die sich wohlfühlen und deswegen spenden.

Beim Berlinprojekt beobachten wir, dass mit der Zeit immer mehr Gemeindeleute von Einzel- zu Dauerspendern werden. Sie werden verbindlicher; die Anzahl der Dauerspender steigt.

Die entscheidende Frage ist, wie sich dabei die Zahl der Einzelspender entwickelt? Wenn sie parallel zu Gunsten der Daueraufträge sinkt, wird der Kern der Gemeinde zwar immer verbindlicher, aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass weniger neue Leute nachrücken und neu angekommen sind.

Das Fazit:

Wo auch immer deine Gemeinde steht — es lohnt sich in bessere Gemeinschaft zu investieren. Gute Gemeinschaft passiert nicht von selbst. Dabei sie ist ein Kernversprechen von Gemeinde. Wo sie gefördert wird, blühen Menschen auf.

Falls du für deine Gemeinde neue praktische Ideen zum Thema Gemeinschaft entwickeln möchtest, nimm an diesem Workshop-Wochenende teil: „Offene Gemeinschaft“

Zusammen mit 15 anderen Pastoren und Gemeinschaftsbegeisterten entwickeln wir dort Anfang Mai neue Ideen und Konzepte. 
Herzliche Einladung!


Christian Nowatsky interned at Redeemer Presbyterian Church before planting Berlinprojekt in Berlin in 2005. Today it is a thriving congregation and part of our German church planting network, CTC DACH.